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Bulletin

Das Generalkapitel des Trappistenordens

Zum 1500jährigen Jubiläum des benediktinischen Lebens

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Bulletin

Klostergemeinschaften in Kriegs- und Krisengebieten

128

Bulletin

Gesetz und Leben

127

Bulletin

Zeit des Übergangs

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Bulletin

Klosterleben heute

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Bulletin

„Das ganze Leben als Liturgie“

124

Bulletin

Die Generalkapitel der Zisterzienser und Trappisten

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Bulletin

Klösterliches Leben und synodaler Weg

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Bulletin

Die Verwaltung des gemeinsamen Hauses

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Bulletin

„Fratelli tutti“ Geschwisterlichkeit im Klosterleben

Das Generalkapitel des Trappistenordens

Zum 1500jährigen Jubiläum des benediktinischen Lebens

Inhaltsverzeichnis

EDITORIAL

Bernard Lorent Tayart OSB


ZUR AIM

Vorstellung der neuen Statuten von AIM

Bernard Lorent Tayart OSB


Zusammenfassender Bericht bei der Jahresversammlung der AIM

Charbel Pazat de Lys OSB


IN MEMORIAM

Martin Neyt OSB (1939–2025) Präsident von AIM 1997–2013

Redaktion


LECTIO DIVINA

Predigt zur Eröffnung des Generalkapitels der Trappisten

Bernardus Peeters OCSO


PERSPEKTIVEN

„Die Liebe zum Teilen und das Teilen der Liebe“. Zusammenarbeit als zisterziensisches Zeichen der Hoffnung

Bernardus Peeters OCSO


Das zisterziensische Charisma in der heutigen Welt im Zeichen der Hoffnung

Mauro Giuseppe Lepori OCist


Zum zisterziensischen Charisma

Elizabeth Mary Mann OCBE


Zum zisterziensischen Charisma

Noëlla Ghijs


BENEDIKTINISCHES JUBILÄUM 529–2029

Das benediktinische Jubiläum – „Orte der Hoffnung seit 529“

Jeremias Schröder OSB


529–2029: Zu Pilgern in der Zeit werden, um glückliche Tage zu genießen

Antonio Luca Fallica OSB


„Orte der Hoffnung“: Das Jubiläumsbuch zum 1500jährigen Jubiläum

Adam Simon


„Wacht auf!“

Benedict Nivakoff OSB


ZEUGEN FÜR DAS MONASTISCHE LEBEN

Dame Hilda Wood (1934-2025)

Benediktinerinnen von Stanbrook


Augustine Baker (1575–1641)

Laurentia Johns OSB


NACHRICHTEN

Sankt Paul vor den Mauern

13. Treffen von BEAO

13. Treffen von EMLA

Novalesa 726–2026

Kloster Morne Saint-Benoît (Haiti)

Die Philippinen in der Tropenstürmen

Die Situation in Kiribati

Sommaire

Leitartikel

Viele Artikel in dieser Ausgabe! Viele gemeinsame Schätze, die die Lebendigkeit unserer Gemeinschaften und unserer benediktinischen Familie zum Ausdruck bringen.

Diese Ausgabe beginnt mit der Vorstellung einiger Neuerungen bezüglich der Struktur der AIM, die sich weiterentwickelt, um die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung zwischen den Gemeinschaften der Benediktinischen Konföderation, der CIB, der OCSO und der OCist besser umzusetzen. Es folgt der Bericht des Generalsekretärs über die Finanzen der AIM, der während der AIM-Versammlung im November 2025 in der Abtei Maredsous (Belgien) vorgelegt wurde.

Anschließend berichten wir über das letzte Generalkapitel des Zisterzienserordens der Strengen Observanz (OCSO). Die Ausdrucksform des zisterziensischen Charismas wirft Fragen auf, die auch die anderen benediktinischen Gemeinschaften in vielerlei Hinsicht teilen können.

Ab dieser Ausgabe präsentieren wir eine Rubrik, die über mehrere Jahre fortgesetzt werden soll: Das Bulletin hat sich nämlich vorgenommen, über die aktuellen Entwicklungen rund um das Jubiläum von Monte Cassino (1500 Jahre im Jahr 2029) zu berichten, das zu einem Jubiläum des benediktinischen Lebens unserer drei Orden werden soll, getragen von dem Bestreben, wachsam zu sein, zuzuhören, zu wachsen und sich zu entfalten. All diese Themen werden ab 2026 behandelt, in den Jahren, die uns noch vom Jubiläumsjahr 2029 trennen. Darüber hinaus ist es wünschenswert, dass dieses Jubiläum keine in sich geschlossene Zeit bleibt, sondern weit über die „Jubiläumsjahre“ hinaus offen ist, für eine glaubhafte und, so Gott will, blühende Zukunft unserer Gemeinschaften.

Die anderen Rubriken sind vielseitig und befassen sich mit großen Persönlichkeiten des Mönchtums, mit Eindrücken von verschiedenen internationalen monastischen Veranstaltungen, mit dem 1300-jährigen Jubiläum der Gründung der Abtei Novalesa, mit einigen aktuellen Nachrichten aus Gemeinschaften und mit vielem mehr.

Die Zeiten, die vor uns liegen, laden uns ein zu Tiefe, Geduld, Kreativität und vor allem zu Aufmerksamkeit gegenüber den Eingebungen des Heiligen Geistes. Unabhängig von unserem Alter, unserem Umfeld, unserer Anzahl oder unseren Sorgen ruft uns der Herr: „Die Stunde ist gekommen, aus dem Schlaf zu erwachen und uns dem Licht zu öffnen, das vergöttlicht“, wie es so schön im Prolog der Benediktinerregel heißt. So können wir immer mehr zu Zeugen des Friedens werden, den Gott für die Welt will und dem die Menschen so oft so viele Hindernisse in den Weg legen.

Gutes Erwachen, gutes Zuhören, gutes Wachstum und gute Entfaltung für alle „unter der Führung des Evangeliums“.


Bernard Lorent Tayart OSB

Präsident der AIM

Artikel

Vorstellung der neuen Statuten von AIM

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Zur AIM

Bernard Lorent Tayart OSB

Präsident der AIM

 

Vorstellung der neuen Statuten

von AIM

 

Die AIM wurde 1961 im Rahmen der zahlreichen Klostergründungen der 1960er, 70er und 80er Jahre gegründet, die vom Westen aus in Missionsländer gingen. Ihr ursprünglicher Name lautete „Aide à l’implantation monastique“ (Hilfe bei der Gründung von Klöstern). Später stand AIM für „Aide inter-monastères“ (Hilfe zwischen Klöstern) und signalisierte damit eine neue Ausrichtung, bei der Solidarität, aber auch die Ausbildung im Vordergrund standen. Seit 1996 steht AIM für „Alliance InterMonastères“ und sogar für „Allianz für das internationale Mönchtum“, was darauf hinweist, dass jedes Kloster autonom und gleichzeitig mit allen Gemeinschaften verbunden ist, die weltweit der Regel des heiligen Benedikt folgen, sei es im Benediktinerorden, in der Konföderation und der CIB oder in den beiden Zisterzienserorden.

Anlässlich der Jahresversammlung der AIM in Poblet im November 2024 und im Anschluss an die Synode über die Synodalität haben wir über ein neues Verständnis der Rolle der AIM im Dienst der Klostergemeinschaften nachgedacht. Eine Kommission hat sich mit diesem Thema befasst und schlägt neue Statuten vor, die an die alten anknüpfen, aber den Wunsch nach einer besseren Vertretung der drei Mönchsorden und der Regionen der Welt widerspiegeln. Diese neuen Statuten seien im Folgenden kurz vorgestellt.

 

1. Wesen und Zweck

Die AIM versteht sich als wirksames Bündnis und gemeinsame Plattform der vier repräsentativen Strukturen der benediktinischen Welt: der Benediktinerkonföderation, der CIB für die Benediktinerinnen, des Zisterzienser- und des Trappistenordens. Die AIM ist die einzige Organisation, die diese benediktinischen Familien vereint, und das wollen wir zum Ausdruck bringen.

Die AIM möchte fördern

– das Verständnis für das Klosterleben durch Ausbildung und die Einrichtung von Ausbildungsstätten jeglicher Art;

– das Klosterleben im Rahmen der Gesellschaft, der Kirche und anderer klösterlicher Traditionen;

– eine konkrete Solidarität zwischen den Klöstern für die menschliche, kulturelle und religiöse Entwicklung der Klostergemeinschaften und der umliegenden Bevölkerung.

 

2. Strukturen: Synodale Organe

Die neuen Statuten wirken sich vor allem auf der strukturellen Ebene aus.

Moderationsrat: An der Spitze der Allianz steht nun der Moderationsrat, der sich aus den vier Verantwortlichen der Benediktinerkonföderation, der CIB, der Zisterzienser und der Trappisten zusammensetzt. Der Präsident der AIM wird zu deren Treffen eingeladen.

Versammlung der Allianz: Dies ist das beratende Gremium, das die AIM mit den klösterlichen Familien verbindet: Hier werden Informationen und Ideen ausgetauscht, Entwicklungen und Projekte vorgeschlagen. Mitglieder sind die vier Moderatoren, der Präsident und der Generalsekretär der AIM, die Leitung von AIM-USA, die Präsidenten der Kongregationen von Subiaco-Montecassino, Sankt Ottilien, Annuntiatio und Tutzing; ein Delegierter des Zisterzienserordens; ein Delegierter der OCSO, ein gewählter Delegierter der regionalen Organisationen BEAO, ISBF, EMLA sowie ein Delegierter aus Afrika, der Generalsekretär von DIM-MID, die Vertreter der AIM-Ausschüsse für Projekte, Finanzen, Kommunikation und Ausbildung.

Ausschüsse: Es werden vier Ausschüsse eingerichtet: Finanzen, Projekte, Kommunikation und Ausbildung.

Weitere Strukturen: Foundation Benedictus und möglicherweise in Zukunft regionale Büros.

Die Verantwortlichen:

Präsident/Präsidentin: Leitung der AIM. Er/sie wird vom Moderationsrat für fünf Jahre ernannt.

Der Generalsekretär: wird vom Präsidenten der AIM nach Rücksprache mit dem Moderationsrat für fünf Jahre ernannt. Er leitet das Sekretariat, koordiniert die Ausschüsse, beruft die Sitzungen ein und erstellt die Tagesordnungen.

Büroleiter: Leitung des Büros in Vanves.

Entwicklungsbeauftragter: Mittelbeschaffung.

Redakteur des Newsletters.

Webseitenadministrator.

Ausbildungskoordinator.

Regionalvertreter.

Martin Neyt OSB (1939–2025)

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In memoriam

Redaktion der AIM

 

Martin Neyt OSB (1939–2025)

Präsident von AIM 1997–2013

 

 

Pater Martin Neyt, Mönch des Klosters Clerlande (Belgien, Kongregation der Verkündigung), ist in der Nacht vom 25. November 2025 verstorben. Seit 1963 war er Mönch und von 1997 bis 2013 Präsident der AIM.

 

Pater Matrin Neyt wurde 1997 zum Präsidenten der AIM ernannt, als der neue Abtprimas, Marcel Rooney, die AIM umstrukturierte, um sie besser an den internationalen Dienst anzupassen, zu dem diese Organisation berufen ist. Als Generalsekretär hatte er zunächst Pater Jacques Côté (Saint-Benoît-du-Lac, Québec) und anschließend Schwester Gisela Happ (Abtei St. Hildegard, Eibingen, Deutschland, 2001–2016); Schwester Placid Dolores Luz (Philippinen) trat 2005 in das Sekretariat ein (2005–2020).

Das Sekretariat wuchs und entwickelte sich zu einem leistungsfähigen Instrument im Dienst der Gründungen, die unaufhörlich entstanden und wuchsen. Unter der Leitung von Pater Martin trug die AIM durch die Begleitung der auf allen Kontinenten gegründeten Gemeinschaften auf ihre Weise zur Entstehung regionaler, nationaler oder internationaler Treffen bei. Mal war sie die treibende Kraft hinter diesen Treffen, regte zum Nachdenken über gemeinsame Werte an und entsandte Experten oder Referenten; mal beteiligte sie sich einfach an der Finanzierung dieser Treffen, um sie zu ermöglichen, oder engagierte sich in Ausbildungsund Studienzentren, die es Schwestern und Mönchen verschiedener Kontinente ermöglichten, eine Zeit lang zusammenzuleben. Die AIM organisierte zweimal eine Reise von Mönchen und Nonnen nach Ägypten, um die koptischen Klöster zu entdecken und daraus Inspirationen für ihre eigene Gemeinschaft zu schöpfen. Die AIM war bestrebt, die weltweiten Ereignisse zu verfolgen und die Sorgen der Gemeinschaften zu tragen, die von Naturkatastrophen, Bürgerkriegen, abrupten wirtschaftlichen und finanziellen Veränderungen betroffen waren.


Besuch in Indien zusammen mit P. Mark Butlin (AIM-Team)
Besuch in Indien zusammen mit P. Mark Butlin (AIM-Team)

Pater Martin hatte die Freude, 2011 das 50-jährige Jubiläum der AIM zu organisieren. Er wünschte sich, dass es in der Abtei von Ligugé stattfinde, wo diese Organisation anlässlich des Treffens der Benediktiner- und Zisterzienseräbte zum1600..Jahrestag der Gründung des Klosters durch den heiligen Martin ins Leben gerufen worden war. Es war eine schöne Zeit der Begegnung, des Austauschs und der Besinnung.


Während seiner gesamten Zeit als Vorsitzender der AIM widmete Pater Martin dem Bulletin besondere Aufmerksamkeit. Bereits ab den Ausgaben des Jahres 2000 erschienen im Bulletin Hintergrundartikel zu verschiedenen klösterlichen Themen, verfasst von verschiedenen Autoren: Lectio, Leitung, Ausbildung, aber auch Chroniken der Klöster und verschiedene Nachrichten im Zusammenhang mit dem Klosterleben sowie dem Leben der Kirche und der Welt.

Die Website der AIM wurde unter dem Vorsitz von Pater Martin eingerichtet. Das Centre Jean XXIII, das 2005 im Kloster Vanves gegründet wurde, allerdings inzwischen geschlossen ist, bot lange Zeit Nonnen die Möglichkeit, in Paris Theologie zu studieren.

Die AIM verdankt Pater Martin daher viel. Zum 50.Jahrestag der AIM schrieb er:

Binde dein Boot an die Schiffe deiner Väter, sagte einmal ein in Gaza lebender ägyptischer Abba. Die Herausforderungen unserer Zeit stellen jeden Mönch und jede Nonne, jede Gemeinschaft vor schwere Prüfungen, die dem Menschsein eigen sind und oft durch die Medien unserer Zeit noch verstärkt werden: sexuelle Verirrungen und Pädophilie, Gewalt bis hin zum Völkermord, die grausame Kluft zwischen Arm und Reich, die Verlagerung junger Berufungen auf andere Kontinente, die Versuchung, Klöster zu nutzen, um sich selbst durch Studium oder andere Aktivitäten zu verwirklichen, sowie die Anziehungskraft des religiösen Status vervollständigen die Liste der Todsünden. Lebenswege sind dazu da, sich von der Hektik der Welt zurückzuziehen, andere gerecht und respektvoll aufzunehmen und die engstirnigen Perspektiven sozialer oder kultureller Identität zu überwinden. Die Herausforderungen der Gemeinschaften sind heute ebenso gewaltig wie früher, wenn auch ganz anders. An der Liebe, die sie zueinander haben, werdet ihr meine Jünger erkennen. Gemeinsam den Leib Christi zu bilden, die gegenseitige Liebe zu einer Schule des Dienstes am Herrn zu machen, sind Zeichen, die nicht täuschen. Doch der Weg ist lang, und die AIM begleitet wie der barmherzige Samariter, erkennt, geht Risiken ein und erinnert unablässig an den Kern der klösterlichen Tradition. Die Gemeinschaften müssen sich ihr tägliches Brot verdienen, sich von kompetenten Personen begleiten und beraten lassen und sich für den Verkauf der klösterlichen Produkte zusammenschließen. Zahlreiche Herausforderungen gilt es zu meistern, neue Aufgaben zu erfüllen: den langen Weg der Selbstfindung, die richtige Beziehung zu anderen, Bauten im menschlichen Maßstab (und keine grandiosen und kostspieligen Projekte), die Aufnahme der Armen und Bedürftigen sowie die Unterstützung der Entwicklung der Bevölkerung in der Umgebung des Klosters. So wurde die AIM in aller Bescheidenheit gegründet und entwickelt sich in einer sich wandelnden Welt, in der jede Gemeinschaft ihren Kontext nicht selbst wählt, sondern darin versucht, ihre Identität so gut wie möglich zu formen. Sie ist da, um zum Aufbau einer neuen Welt beizutragen. Indem sie die Kontakte vor Ort vervielfacht, macht sie sich die ersten Worte der Benediktinerregel zu eigen: Höre, mein Sohn, auf die Weisung… Das Zuhören bleibt von vorrangiger Bedeutung, es führt zur Entdeckung des anderen, es beseitigt Unklarheiten und Missverständnisse in der Kommunikation, es schafft einen echten Dialog, es hat den Anspruch, unter Achtung der jeweiligen Autonomie ein Bündnis zu schaffen.“

 

Generalsekretärin Sr. Gisela Happ, Sekretärin Sr. Mary Placid Dolores, und P. Martin Neyt in der AIM-Zentrale in Vanves.
Generalsekretärin Sr. Gisela Happ, Sekretärin Sr. Mary Placid Dolores, und P. Martin Neyt in der AIM-Zentrale in Vanves.

Zum Leben

François Neyt wurde am 17. Juli 1939 im Krankenhaus der Schwestern der Nächstenliebe in Jadotville, dem heutigen Likasi (DR Kongo), geboren. Dort verbrachte er eine glückliche Kindheit, umgeben von einer liebevollen Familie mit seinen Eltern, seiner älteren Schwester und seinem jüngeren Bruder. Das Leben dort war einfach, schön und vor allem frei. Während seiner gesamten Schulzeit besuchte er die Schule der Xaverianer, die an die Pfarrei der Benediktinermissionare des Klosters Saint-André in Brügge grenzte, die üblicherweise „Zevenkerken“ genannt wurde. Als die Familie nach Belgien zurückkehren musste, wechselte er auf das Jesuitenkolleg Saint-Michel in Brüssel, wo er seine Gymnasialausbildung abschloss.

Die Wochen vergingen zwischen Lernen, Sport (Tennis, Fußball, Radfahren) und Pfadfindertreffen jeden Samstag bei Pater Martin de Wilde, dem benediktinischen Seelsorger der Pfadfinder von Jadotville und Religionslehrer an der Schule der Xaverianer.

Jeden Sonntag besuchte die Familie die von den Benediktinern zelebrierte Messe; François und sein Bruder waren dort Messdiener. Nach der Feier war die Bibliothek zugänglich, und François versäumte es nicht, sich zahlreiche Bücher für die Woche mitzunehmen, da er schon damals ein begeisterter Liebhaber von Literatur und Poesie war. Im Alter von etwa 15 Jahren entstand in ihm der Ruf, dem Herrn zu dienen. Anfangs eher zögerlich, wandte er sich so an den Herrn: „Es liegt an Dir, dafür zu kämpfen, wenn Du willst, dass ich Mönch werde.“ Mit etwa 18 Jahren bestätigte sich die Berufung. Eine schmerzliche familiäre Situation, verbunden mit dem Verlust seiner schwerkranken Schwester, veranlasste ihn, seinen Eintritt ins Noviziat aufzuschieben. Er setzte sein Studium der klassischen Philologie fort und wurde, nachdem er sein Diplom und die Lehrbefähigung erworben hatte, am 11. November 1961 als Novize im Benediktinerkloster von Brügge aufgenommen. Dort erhielt er den Namen Martin, in direkter Verbindung mit der Gründung in Ligugé, also dessen, was später zur AIM werden sollte. Zunächst war er enttäuscht, dass er seinen Vornamen nicht behalten konnte, wie er es gewünscht hatte; doch erst 50 Jahre später, als er als Präsident derselben Stiftung das 50-jährige Jubiläum der AIM in Ligugé feierte, verstand er, wie der Herr ihn auf geheimnisvolle Weise während seiner gesamten Berufung begleitet hatte.

Predigt zur Eröffnung des Generalkapitels des Trappistenordens

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Lectio divina

Dom Bernardus Peeters, OCSO

Abbé général

 

 

Predigt zur Eröffnung des Generalkapitels des Trappistenordens


Lesungen zur Eucharistiefeier des 3. Septembers 2025:

Kolosser 1,1-8; Lukas 4,38-44

 

 

Brüder und Schwestern,

Diejenigen, die Jesus um Hilfe für Simons Schwiegermutter baten, die mit hohem Fieber im Bett lag, waren zweifellos von Hoffnung beseelt. Sie hatten den schlechten Gesundheitszustand von Petrus’ Schwiegermutter festgestellt. Die Hoffnung auf Heilung war offenbar der einzige Anker, der ihnen noch blieb. Aber wo sollten sie diesen Anker werfen?

Sie entschieden sich für Jesus, wahrscheinlich nachdem sie den örtlichen Arzt und viele andere Heiler aufgesucht hatten. „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgehen wird, sondern die Gewissheit, dass es sich lohnt“, sagt ein zeitgenössischer Theologe. Sie erwarteten etwas von Jesus. Es lohnt sich, dort den Anker ihrer Hoffnung zu werfen. Und in dieser Hoffnung werden sie nicht enttäuscht.

Diejenigen, die Jesus um Hilfe gebeten haben, bleiben anonym. So wie die Freunde des Gelähmten, den sie zu Jesus trugen. Diejenigen, die Jesus angerufen haben, getragen von der Hoffnung. Brüder und Schwestern, ist das nicht eine wunderbare Beschreibung der Mission, die uns als Kontemplative in der Kirche und in der heutigen Welt zukommt? (Das zisterziensische Charisma in der heutigen Welt als Zeichen der Hoffnung.)

In diesem Moment der Geschichte unseres Ordens sind wir mit einem tiefen Gefühl der Verletzlichkeit konfrontiert. Nicht nur im Orden, sondern auch in unserer Welt: Gewalt, Hungersnot, Flüchtlinge und die Folgen des Klimawandels. Bringen wir diese Verletzlichkeit zu Jesus oder zur „Hoffnung, die uns im Himmel vorbehalten ist“ (Kol 1,4)? Oder lassen wir uns dazu verleiten, die Realität zu leugnen, den Blick abzuwenden? Oder sind wir durch Traurigkeit und Angst gelähmt? Sind wir vielleicht von der Angst vor dem Tod erfasst? Oder versuchen wir mit aller Kraft, den tieferen Fragen auszuweichen, die diese Verletzlichkeit aufwirft? Unsere Verletzlichkeit zu Jesus zu bringen, scheint so einfach, aber wie schwer ist es doch!

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass alles gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es sich lohnt.“

Ist Jesus es uns wert, dass wir unsere Hoffnung allein auf ihn setzen und ihm unsere Verletzlichkeit bringen? Warum sollten wir das tun? Damit er unsere Verletzlichkeit berühren und heilen kann, sein Wort des Heils sprechen kann, aber noch mehr: damit wir dienen können.

Die Schwiegermutter stand auf und bediente sie. Sie bringt Jesus zu den Menschen. Ist das nicht unsere Aufgabe als Kontemplative? Von der Hoffnung beseelt, bringen wir unsere eigene Verletzlichkeit, die der Kirche und der Welt, zu Jesus. In dieser Begegnung vollzieht sich ein wunderbarer Austausch. Unsere Verletzlichkeit wird zu seiner, unsere Hoffnung wird zu seiner. (Ist das nicht die Rolle der Eucharistie in unserem Klosterleben?)

Brüder und Schwestern, möge dieses Generalkapitel für uns alle eine Gelegenheit sein, unsere Verletzlichkeit zu Jesus zu bringen. Möge es der Moment sein, in dem wir auch die Verletzlichkeit der anderen zu Jesus tragen, denn nur in Ihm können wir den Anker unserer Hoffnung festmachen. Mögen wir so gemeinsam als Pilger der Hoffnung auf Ihn zugehen. Dann wird Er uns berühren und uns mit seinen heilenden Händen aufrichten, damit wir wieder im Dienst der Kirche und der Welt stehen können.

Möge dieses Generalkapitel wie das Zimmer der Schwiegermutter des Simon sein. Mögen wir die Gegenwart Jesu erfahren. Er, der in unserer Schwäche unsere einzige Hoffnung ist. Möge unsere Schwäche zu seiner werden und so zu unserer Stärke, damit wir heute unsere Sendung in der Kirche und in der Welt als Zeichen der Hoffnung leben können.

„Die Liebe zum Teilen und das Teilen der Liebe“.

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Perspektiven

Bernardus Peeters OCSO

Generalabt des Trappistenordens

 

 

„Die Liebe zum Teilen und das Teilen der Liebe“.[1]

Zusammenarbeit als zisterziensisches Zeichen der Hoffnung in der Kirche und in der heutigen Welt Eröffnungsvortrag beim Generalkapitel des Trappistenordens (3. September 2025)

 


„Keiner von uns lebt für sich selbst, und niemand stirbt für sich selbst. Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn; ob wir also leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.“ (Römer 14,7–8)

 


Ich habe kürzlich die Geschichte unseres Ordens von Emilia Jamroziak gelesen. Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Schlussfolgerung: „Es ist ihre Fähigkeit, sich anzupassen und auf diese sehr unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zu reagieren, die den Erfolg der Zisterzienser ausmacht.“[[2]

Das stelle ich selbst immer wieder fest und erlebe es bei meinen Besuchen in unseren Gemeinschaften auf der ganzen Welt: In vielen Klöstern ist die Anpassungsfähigkeit wirklich bemerkenswert. Manche Menschen runzeln vielleicht die Stirn, wenn das Wort „Anpassung“ fällt, oder halten sogar den Atem an. Ich möchte jedoch an die Worte des kürzlich verstorbenen Professors David N. Bell (1943–2025) erinnern:

„Anpassung ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Verfall, auch wenn diejenigen, die mit Genugtuung nach Beispielen für Verfall suchen, zweifellos welche finden werden.“[3]

Heute möchte ich mich jedoch nicht auf die Anpassungsfähigkeit konzentrieren, sondern auf ein anderes Zeichen der Hoffnung, das gerade in unserer Zeit eine besondere Herausforderung für die Art und Weise darstellt, wie wir unser zisterziensisches Charisma in der Kirche und in der Welt leben. Dieses Zeichen der Hoffnung erfordert oft einen Geist der Flexibilität, nicht nur seitens der Mönche und Nonnen, sondern auch seitens der Oberen, der Gemeinschaften, der Regionalversammlungen, des Generalabtes und sogar des Generalkapitels.

Ich beziehe mich auf die Zusammenarbeit als Zeichen der Hoffnung. Wenn ich davon als Zeichen der Hoffnung in unserer zutiefst polarisierten Kirche und Welt spreche, dann deshalb, weil die Tendenz von Einzelpersonen und Gemeinschaften, sich in sich selbst zurückzuziehen und sich abzuschotten, weit verbreitet ist[4]. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass nur durch eine authentische Zusammenarbeit unser gesamter Orden den Realitäten, mit denen wir heute konfrontiert sind, auf sinnvolle Weise begegnen kann. Auf diese Weise werden wir nicht nur in der Lage sein, unser berufliches Leben zu vertiefen, sondern auch zu einem sichtbaren Zeichen der Hoffnung zu werden, sowohl innerhalb der Kirche und unseres Ordens als auch in der Gesellschaft insgesamt. Wie Papst Franziskus in Fratelli tutti schreibt: „Lasst uns träumen als eine einzige Menschheit, als Reisende, die dasselbe menschliche Fleisch teilen, als Kinder derselben Erde, die uns alle beherbergt, jeder mit dem Reichtum seines Glaubens oder seiner Überzeugungen, jeder mit seiner eigenen Stimme, alle Brüder.“[5]

In diesem Eröffnungsvortrag möchte ich aufzeigen, dass die Zusammenarbeit das zisterziensische Zeichen der Hoffnung für unsere Zeit ist und dass die Feier des Generalkapitels eine hervorragende Gelegenheit bietet, diese Hoffnung sichtbar zu machen.


Ist der Orden krank oder in der Krise?

Auf meinen Reisen und bei meinen Besuchen in verschiedenen Gemeinschaften begegne ich regelmäßig Brüdern und Schwestern, die mir Fragen zum Zustand des Ordens stellen. Fragen wie: Ist der Orden im Verschwinden begriffen? Befindet sich der Orden in einer Krise? Ist der Orden krank? Wohin geht der Orden? Wenn ich sie frage, warum sie das denken, höre ich oft Antworten wie: An vielen Orten gibt es fast keine Berufungen mehr, immer mehr Klöster schließen, viele Brüder und Schwestern verlassen den Orden, und es gibt zahlreiche Skandale. Auch wenn diese Fragen und Sorgen berechtigt sein mögen, habe ich dennoch Schwierigkeiten mit dieser Haltung. Nicht, weil ich die Realität leugnen möchte, sondern gerade weil diese Denkweise deutlich macht, warum der Orden in der Krise steckt und warum er krank ist.

Die Brüder und Schwestern, die so denken – ja, es gibt sie unter uns in diesem Saal –, betrachten den Orden, als gehörten sie nicht dazu. Sie halten einen bequemen Abstand, von dem aus sie den Orden, die anderen Gemeinschaften, ihre Mitbrüder und -schwestern oder die einzelnen Mönche und Nonnen kritisch beurteilen, ohne sich selbst einzubringen. Noch unangenehmer wird es, wenn die Leute anfangen, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Es scheint, als lägen alle Schwierigkeiten ausschließlich außerhalb der eigenen Gemeinschaft oder des eigenen klösterlichen und persönlichen Lebens.

Was mich an dieser Denkweise besonders stört, ist, dass die Menschen die Schuld immer auf andere schieben und vergessen, einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen. Damit stellen sie sich über andere. Eine solche Haltung hat in einer christlichen Gemeinschaft keinen Platz. Papst Franziskus hat uns wiederholt daran erinnert: Wenn du mit dem Finger auf jemanden zeigst, zeigen drei Finger zurück auf dich. Die Heilige Schrift ermahnt uns: „Haltet die anderen für wichtiger als euch selbst. “ (Phil 2,3). In Kapitel 72 der Regel betont Benedikt den Eifer, der uns auszeichnen soll: „Sie sollen einander in Freundlichkeit ehren (Röm 12,10); sie werden die Schwächen der anderen, sowohl körperliche als auch geistige, mit großer Geduld ertragen; sie werden einander eifrig gehorchen; niemand wird das suchen, was er für sich selbst für nützlich hält, sondern vielmehr das, was für den anderen nützlich ist; sie werden einander reine brüderliche Liebe entgegenbringen“ (RB 72,4-8). Vor diesem Hintergrund sind die Worte des heiligen Paulus umso eindrucksvoller: „Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle mit“ (1 Kor 12,26). Die Brüder und Schwestern, die so denken, sind sich nicht bewusst, dass sie Teil dieses einen Leibes sind, der die Kirche ist, zu dem auch der Orden gehört, zu dem jede Gemeinschaft, jeder Mönch und jede Nonne gehört. Es ist daher sinnvoll, hier die Worte des heiligen Paulus vollständig zu zitieren:

„Nehmen wir ein Gleichnis: Der Leib ist eins, hat aber viele Glieder; und alle Glieder, so zahlreich sie auch sind, bilden doch einen einzigen Leib. So ist es auch mit Christus. Denn in einem einzigen Geist sind wir alle, Juden und Heiden, Sklaven und Freie, getauft worden, um einen einzigen Leib zu bilden. Wir alle sind durch einen einzigen Geist getränkt worden. Der menschliche Leib besteht nicht aus einem einzigen, sondern aus vielen Gliedern. Der Fuß könnte zwar sagen: ‚Ich bin nicht die Hand, also gehöre ich nicht zum Leib‘, doch gehört er zum Leib. Das Ohr könnte zwar sagen: ‚Ich bin nicht das Auge, also gehöre ich nicht zum Leib‘, doch gehört es zum Leib. Wenn es im Leib nur Augen gäbe, wie könnte man dann hören? Wenn es nur Ohren gäbe, wie könnte man dann riechen? Aber Gott hat die verschiedenen Glieder im Leib so angeordnet, wie er es wollte. Wenn es insgesamt nur ein einziges Glied gäbe, wie könnte das dann einen Leib bilden? Tatsächlich gibt es viele Glieder, aber nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: „Ich brauche dich nicht“; der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: „Ich brauche euch nicht“. Vielmehr sind gerade die Teile des Leibes, die am empfindlichsten erscheinen, unverzichtbar.“ (1 Kor 12,12–22)

Wir alle sind Teil desselben Leibes, sei es der Orden als Ganzes, unsere eigene Gemeinschaft oder jeder einzelne von uns. Wie könnte ich mich davon abgrenzen und glauben, ich sei mehr als ein anderer? Wie könnte ich behaupten, ich brauche die anderen nicht, oder sagen, ich wolle nichts mit ihnen zu tun haben? Ist das nicht genau die Haltung des Pharisäers im Tempel, während Jesus und Benedikt uns aufrufen, der Demut des Zöllners zu folgen?

Ja, ich glaube aufrichtig, dass der Orden krank ist und dass alle Gemeinschaften an dieser Krankheit leiden. Ja, ich bin überzeugt, dass wir alle, ich an erster Stelle, von dieser Krankheit betroffen sind. Zum Glück! Denn Jesus ist nicht für die Gesunden und Gerechten gekommen, sondern für die Kranken und Sünder, die einen Arzt brauchen[6]. Das Problem, unter dem wir leiden, dreht sich darum, dass wir uns selbst und andere ständig beurteilen und verurteilen und uns so außerhalb, über oder abseits der anderen, der Gemeinschaft oder sogar des Ordens stellen. Polarisierung ist immer dann vorhanden, wenn wir in unserer selbst auferlegten Weltanschauung gefangen bleiben.

Was wir heute überall beobachten, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche, ist, dass es völlig normal geworden ist, anderen die Schuld zu geben. Politiker der Rechten machen die Linke für die Probleme verantwortlich, während Politiker der Linken dasselbe gegenüber der Rechten tun. Politiker der Mitte geben sowohl der Linken als auch der Rechten die Schuld. Im Süden zeigen die Menschen mit dem Finger auf den Norden, und im Norden glauben die Menschen, der Süden sei zu nichts fähig. Wir halten uns immer aus der Situation oder dem Problem heraus, um unsere Verantwortung nicht übernehmen zu müssen. Es ist immer der andere, der das Problem ist. Diese weltweit so verbreitete Mentalität hat sich auch in die Kirche, in den Orden und in unsere Gemeinschaften eingeschlichen. Sie ist leider sehr alltäglich geworden.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass es in bestimmten Teilen der Welt zu wenige Berufungen gibt oder dass Brüder und Schwestern in bestimmten Gemeinschaften ihre Gelübde nicht einhalten. Das Problem ist, dass wir alle, ohne Ausnahme, von einer weltlichen Mentalität geprägt sind, in der Dinge wie persönliche Entfaltung, individuelle Freiheit und die Durchsetzung von Rechten zu Idolen erhoben wurden. Zu dieser Erkenntnis gelangt man nur, wenn man es wagt, ehrlich auf das eigene Herz, die eigene Gemeinschaft und den Orden zu blicken und sich wieder in den Mittelpunkt der Kirche zu stellen. Nur dort kann die Liebe gedeihen, nicht am Rande, außerhalb oder darüber. Wie Thomas Merton so treffend schrieb:

„Liebe beginnt damit, dass wir denen, die wir lieben, erlauben, sie selbst zu sein, ohne zu versuchen, sie nach unserem Bild zu formen.“[7]

Überall auf der Welt stelle ich fest, dass Brüder und Schwestern, aber auch Gemeinschaften und Regionen zunehmend dazu neigen, sich auf sich selbst, auf ihre eigene Gruppe oder ihre eigene Region zu konzentrieren, sich anderen gegenüber zu verschließen und sich in sich selbst zurückzuziehen. Das birgt die Gefahr, dass andere nicht mehr als wichtig angesehen werden, dass sie als minderwertig dargestellt werden oder gar als solche, die „keine richtige Lehre haben“. Ich stelle fest, dass die persönliche Freiheit manchmal so wichtig geworden ist, dass ein wesentlicher klösterlicher Wert wie der Gehorsam vor allem als Einschränkung empfunden wird, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Autonomie einer Gemeinschaft oder sogar einer Region. Immer öfter sehe ich Brüder und Schwestern, Gemeinschaften und Regionen, die ihre Rechte einfordern, oft zum Nachteil anderer, als gäbe es nur Rechte und keine Pflichten.

Die vielleicht größte Gefahr besteht darin, dass wir einander und dem Kern des Evangeliums gegenüber gleichgültig werden: sein Leben aus Liebe hinzugeben. Es ist eine weltliche Mentalität, die sich langsam in unseren Herzen, unseren Gemeinschaften, unseren Regionen und unserem Orden festgesetzt hat. Natürlich sind individuelle Freiheit, persönliche Entfaltung und Rechte an sich gute Dinge, aber wenn wir sie zu absoluten Werten machen und sie vergöttern, verhalten wir uns genau wie die Welt und unterscheiden uns nicht mehr als Christen, als Mönche und Nonnen. Das Gleiche gilt für Realitäten wie Macht, Geld und Sexualität. Gerade durch das Ablegen unserer Gelübde wollen wir eine andere Stimme erheben, einen Unterschied leben, der auf dem Evangelium und dem Beispiel Jesu gründet. Wenn wir diese guten Dinge jedoch zu Götzen machen, verliert das „Salz“ seine Kraft (Mt 5,13) und sind wir als Gemeinschaft nichts mehr wert.

Papst Leo XIV. hat sich kürzlich an eine Million junger Menschen gewandt, die sich in Rom versammelt hatten:

„Auch wir, liebe Freunde, sind so geschaffen: Wir sind dafür geschaffen. Nicht für ein Leben, in dem alles selbstverständlich und unbeweglich ist, sondern für ein Dasein, das sich ständig im Geben, in der Liebe erneuert.“ Er fügte hinzu: „Und so streben wir ständig nach einem ‚Mehr‘, das uns keine geschaffene Wirklichkeit geben kann; wir verspüren einen so großen und brennenden Durst, dass kein Getränk dieser Welt ihn stillen kann“[8].

Spüren wir wirklich dieses Verlangen nach einem „Mehr“? Finden die jungen Menschen von heute, die nach diesem „Mehr“ hungern und dürsten, einen Platz in unseren Gemeinschaften? Ja, der Orden ist wahrlich krank! Ja, der Orden befindet sich tatsächlich in einer Krise, weil Sie und ich krank sind, weil Sie und ich in einer Krise stecken, weil wir alle vom Geist der Welt beeinflusst sind.

Und selbst wenn ich – Gott bewahre – glauben würde, von dieser weltlichen Mentalität nicht betroffen zu sein, wäre ich dennoch krank oder in der Krise, denn ich bin Teil eines Ganzen – ich bin krank mit der Kirche, in der Krise mit dem Orden.

 

Das Heilmittel

Bei meinen Besuchen in verschiedenen Gemeinschaften fällt mir jedes Mal auf, dass es trotz der Krankheit und der Krise viele gute Dinge gibt und dass es Brüder, Schwestern und Gemeinschaften in unserem gesamten Orden gibt, die wahre Quellen der Hoffnung sind. Sie beweisen, dass es tatsächlich ein Heilmittel gegen den weltlichen Geist gibt, der darin besteht, sich in sich selbst zurückzuziehen und sich zu polarisieren: die Zusammenarbeit. Aber was bedeutet „zusammenarbeiten“?

Zusammenarbeit ist untrennbar mit dem zisterziensischen Charisma verbunden. Die Carta Caritatis legte den Grundstein für die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gemeinschaften, denn unsere Vorfahren wussten aus Erfahrung, dass die Neigung zur Herrschaft und die Machtverhältnisse zwischen Herr und Untertan sich schneller festsetzen als der evangelische Aufruf, einander in Liebe zu dienen. Anstelle eines hierarchischen oder monarchischen Modells haben sich die Zisterzienser bewusst für die Zusammenarbeit entschieden, in der die Liebe der Ausgangspunkt für Veränderung und Erneuerung ist[9]. Nur durch die Liebe, die in konkreter Zusammenarbeit sichtbar wird, konnten sich der Mönch/die Nonne, die Gemeinschaft und der Orden ständig reformieren und erneuern.

Das Generalkapitel hat regelmäßig auf die Zusammenarbeit zurückgegriffen, um Erneuerung und Wandel innerhalb des Ordens zu fördern. Denken wir an Strukturen wie die Filialität/Paternität, den unmittelbaren Vater und die regelmäßigen Visitationen. Später wurde die Zusammenarbeit auch durch die Anerkennung von Kongregationen in Zusammenarbeit mit dem Generalkapitel gefördert, insbesondere in Krisenzeiten, um in bestimmten Situationen Raum für Erneuerung zu schaffen. Das Generalkapitel hat sich als besonders klug erwiesen, indem es das Mittel der Zusammenarbeit stets in angemessener Weise anwandte, damit sich keine geschlossene Gruppe bildete, die ein „Wir“ im Gegensatz zu den anderen schuf.

Immer wieder gelang es dem Generalkapitel, auf lokale Bedürfnisse einzugehen, indem es seinen Ansatz der Zusammenarbeit ständig anpasste. Im Laufe des 19.Jahrhunderts verschwand diese offene Haltung nach und nach aufgrund des Wunsches nach Einheitlichkeit. In vielen Fällen wirkte diese Einheit erstickend. Glücklicherweise wurde 1969 mit dem Statut „Einheit und Pluralismus“ eine gesunde Einheit in der Vielfalt wiederhergestellt. Dennoch ist es an uns allen, den Geist dieses Statuts tiefer zu verinnerlichen. Genau dabei kann uns die Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus helfen:

„Denn unsere Menschheitsfamilie muss lernen, in Harmonie und Frieden zusammenzuleben, ohne dass wir alle gleich sein müssen!“[10]

 

Zusammenarbeit im Leib Christi

Zusammenarbeit ist nicht nur eine Tätigkeit, sondern bedeutet vor allem, seinen Platz als getauftes Glied des Leibes Christi einzunehmen, zu dem Sie selbst, Ihre Gemeinschaft, Ihre Region und der Orden gehören, im Geist der Verantwortung und der Freiheit. Wie es im Katechismus der Katholischen Kirche heißt:

„‚Die Taufe macht uns zu Gliedern des Leibes Christi. Sind wir denn nicht Glieder untereinander?‘ (Eph 4,25). Die Taufe gliedert in die Kirche ein. Aus dem Taufbecken entsteht das einzige Volk Gottes des Neuen Bundes, das alle natürlichen oder menschlichen Grenzen von Nationen, Kulturen, Rassen und Geschlechtern überwindet: ‚Denn wir sind alle durch einen einzigen Geist getauft worden, um ein einziger Leib zu sein‘ (1 Kor 12,13).“

Durch die Taufe werden wir Teilhaber an der liebevollen Zusammenarbeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Jesus sagt in Johannes 14,10: „Der Vater, der in mir wohnt, vollbringt seine Werke.“ Und weiter: „Glaubt mir: ich bin im Vater, und der Vater ist in mir; wenn ihr mir nicht glaubt, so glaubt doch wenigstens um der Werke willen. Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke tun, die ich tue. Er wird sogar noch größere tun, denn ich gehe zum Vater“ (Joh 14,11–12). Die Zusammenarbeit führt uns zum Herzen der göttlichen Dreifaltigkeit und ihrer „unbegreiflichen Liebe“, einer Großzügigkeit, die unendlich lieben und geliebt werden, alles teilen und alles empfangen will[11]. Als Zisterzienser stößt man irgendwann einmal auf den Traktat XV von Balduin von Forde (1125–1190) über das zönobitische Leben. Für ihn ist „das Teilen die Grundlage des Gemeinschaftslebens“, sowohl von Natur aus, in Sünde und Gnade, als auch in der Herrlichkeit[12]. Dieser zisterziensische Text bietet uns ein Heilmittel gegen den weltlichen Geist der Polarisierung, der durch den Götzendienst der persönlichen Entwicklung, der individuellen Freiheit und der alleinigen Suche nach Rechten verursacht wird.

Balduin spricht von „der Liebe zum Teilen und dem Teilen der Liebe“[13]. Auch wenn dies poetisch klingt und sein Verweis auf die Dreifaltigkeit, die Engelschöre, die Apostel und die erste christliche Gemeinde idealistisch erscheinen mag, geht es in einer zönobitischen Gemeinschaft vor allem darum, die Liebe zu teilen und das Teilen der Liebe, gerade im Alltag, in den kleinen Dingen. Was mich an Balduins Text besonders beeindruckt, ist seine theologische Erklärung des Teilens der Gnade. Jeder Getaufte, also jeder Mönch und jede Nonne, jede Gemeinschaft und der gesamte Orden, hat die Gnade nicht erhalten, um sie für sich zu behalten, sondern um sie zu teilen. Anstatt alles für sich behalten, herrschen oder kritisieren zu wollen, lädt uns diese Sichtweise dazu ein, das Gute in den anderen zu sehen und zu entdecken, was sie in mein Leben einbringen können – und umgekehrt. Dieser Beitrag ist nicht unser Verdienst, sondern reine Gnade. Es ist ein Austausch im Dienst am Leib – der Gemeinschaft, der Kirche. Balduin schreibt:

„Wenn ihr genau hinschaut, werdet ihr erkennen, wie die Eigenschaften, die jedem einzelnen Glied eigen sind, dem Gemeinwohl dienen. Das Auge sieht nicht nur für sich selbst, sondern leitet unsere Schritte und unsere Hände bei ihrer Arbeit. Der Mund isst nicht nur für sich selbst, noch verdaut der Magen nur für sich selbst, sondern sie verrichten eine gemeinsame Arbeit; und was der ganze Körper braucht, um sich zu ernähren, seine Bedürfnisse zu befriedigen und ihm beim Wachsen zu helfen, das wird vom Mund aufgenommen und vom Magen verdaut. Wenn ein Teil des Körpers leidet, leidet dann nicht auch die Zunge? Als wäre sie selbst verwundet, nimmt sie die Stimme des Leidenden an und ruft demjenigen zu, der die Wunde zugefügt hat: „Warum tust du mir weh?“[14].

Er schließt mit den Worten:

„Geliebte Brüder in Christus, wohin führen uns diese Beispiele? Nicht etwa zu gegenseitiger Geduld, zu gegenseitiger Demut, zu gegenseitiger Liebe? Hat Gott nicht ein Gesetz der Liebe in uns eingeschrieben, das uns lehren kann, wer wir sind? Wenn der, der uns das Gesetz gegeben hat, uns auch seinen Segen schenken, uns in der Unschuld unserer Herzen nähren und uns mit geschickter Hand auf den Weg des Friedens führen würde (Ps 78,72), dann würden wir die Einheit des Geistes im Band des Friedens und die Liebe Gottes in der Liebe zu unserem Nächsten bewahren. Wenn wir Gott von ganzem Herzen und mit ganzem Geist lieben, gemäß der Reinheit unseres Bekenntnisses, wird die Liebe Gottes zweifellos durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen, und der Geist Gottes macht uns alle lebendig, als wären wir ein einziger Leib, damit keiner von uns für sich selbst lebt, sondern für Gott; und damit wir alle gemeinsam in der Einheit des Geistes leben, durch den einzigen Geist, der in uns wohnt.“[15]

Dieses theologische Prinzip, das im Zentrum des Glaubens an die Communio Sanctorum steht, findet sich auch in den jüngsten Dokumenten der Kirche zur Synodalität wieder. Das Instrumentum laboris der zweiten Sitzung der Synode über die Synodalität verweist auf das Prinzip des „Austauschs der Gaben“. Die Synode stellt diesen Austausch der Gnade in den Mittelpunkt der synodalen Kirche: „Gemeinsam als Getaufte in der Vielfalt der Charismen, Berufungen und Dienste sowie im Austausch der Gaben zwischen den Kirchen zu gehen, ist ein wichtiges sakramentales Zeichen für die heutige Welt, die einerseits immer intensivere Formen der Vernetzung erlebt und andererseits in eine Marktkultur eingetaucht ist, die die Unentgeltlichkeit an den Rand drängt “[16].

Darüber hinaus wünschen sich die Verfasser des Dokuments, dass die Gaben konkret in Solidarität zwischen den verschiedenen Kirchen geteilt werden, ohne jeglichen Herrschaftsanspruch:

„Die Bischofskonferenzen wünschen sich, dass die Güter im Geiste der Solidarität unter den Kirchen geteilt werden, die die eine und einzige katholische Kirche bilden, ohne jegliches Streben nach Herrschaft oder Anspruch auf Überlegenheit. Die Existenz reicher Kirchen und Kirchen, die in großer Not leben, ist ein Skandal. Es wird daher vorgeschlagen, Maßnahmen zu ergreifen, um die gegenseitigen Beziehungen zu fördern und Unterstützungsnetzwerke zu bilden, auch im Rahmen von Kirchenverbänden. Alle Ortskirchen empfangen und geben in der Gemeinschaft der einen Kirche. Manche Kirchen benötigen finanzielle und materielle Unterstützung; andere werden durch das Zeugnis eines lebendigen Glaubens und eines liebevollen Dienstes an den Ärmsten bereichert; wieder andere brauchen vor allem die Hilfe von Evangelisatoren, die ihr Leben der Verkündigung des Evangeliums an andere Völker widmen. Insbesondere wird die Großzügigkeit der Priester, Diakone, Ordensleute und Laien, die sich in der Mission ad gentes engagieren, gewürdigt und erbeten.“[17]

Dies unterstreicht, dass der Austausch von Gaben kein abstraktes Ideal ist, sondern etwas sehr Konkretes, wie der heilige Johannes Paul II. in Ut unum sint betont hat: „Der Dialog ist nicht nur ein Austausch von Ideen. In gewisser Weise ist er immer ein ‚Austausch von Gaben‘“[18].

Synodalität bedeutet also mehr, als die Kirche oder den Orden demokratischer zu machen. Synodalität bedeutet, dass wir als Christen, als Gemeinschaft, als Orden unsere Taufe ernst nehmen und trotz unserer Verletzlichkeit (unserer Sünden) die Gnade und die Gaben sehen, die Gott uns geschenkt hat und die wir einander über die Grenzen von Rasse, Geschlecht, Kultur usw. hinweg schenken. Nur so kann Synodalität entstehen, und nicht aus (kirchlichen) politischen Agenden oder aus Populismus. Genau darin liegt die Herausforderung der Synodalität für unseren Orden, und nicht so sehr in der Veränderung der Strukturen, auch wenn dies ebenfalls notwendig sein wird!


Schlusswort

Brüder und Schwestern, wie ich bereits sagte, ist der Orden krank, doch innerhalb dieser Verletzlichkeit sehe ich viele Formen der Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaften und zwischen ihnen. Eine Zusammenarbeit, die ein Austausch von Gnade und Gaben inmitten einer verletzlichen Realität ist und somit ein Zeichen der Hoffnung. Genau diese Zusammenarbeit, die in unserer Taufe verwurzelt ist, ist das Zeichen der Hoffnung, das wir Zisterzienser angesichts einer verschlossenen Weltanschauung und einer polarisierten Kirche und Welt geben können.

Wie Balduins Abhandlung klingt das edel und poetisch. Es ist jedoch sehr konkret. Ich verstehe die Reaktion von Schwester Maria Gonzales de Crozet sehr gut, die nach einer ersten Lektüre von Balduins Text schrieb: „Der Text ist wie der Versuch, einen Wasserhahn mit einem Schraubenschlüssel in der einen Hand und einem Gedichtband in der anderen zu reparieren“[19]. Doch mit ihr sehe ich immer mehr den Wert und den Nutzen dieses Konzepts des Teilens der Gnade und der Gnade des Teilens als Grundlage unseres gemeinsamen Lebens, auch auf der Ebene des Ordens.

Das erfordert eine Bekehrung unsererseits. Eine Bekehrung vom „Ich“ zum „Wir“, oder wie Pater Chukwuka John Ife, Mönch von Awhum, in seinem Buch „Authentische Bekehrung“ schreibt: „Bekehrung ist eine radikale Veränderung im Leben eines Menschen, der sich vom Egozentrismus zu Gott und von sich selbst zum Dienst an anderen wendet“[20]. Ohne diese Bekehrung können wir diese Zeichen der Hoffnung nicht erkennen.

Ich sehe dieses Zeichen der Hoffnung dort, wo Gemeinschaften gemeinsam an der Ausbildung arbeiten, wo die Schwestern den Brüdern bei ihrer Ausbildung helfen. Ich sehe es zum Beispiel in Tre Fontane und in Aque Salvie, wo Brüder und Schwestern gemeinsam das zisterzianische Leben im Herzen der Ewigen Stadt bezeugen. Ich sehe Hoffnung in Irland, wo sich drei Gemeinschaften zu einer einzigen zusammengeschlossen haben. Ich sehe Hoffnung im Westen Frankreichs, wo Gemeinschaften versuchen, ihre Wirtschaft gemeinsam zu gestalten. Ich sehe Hoffnung in Mokoto, wo sich trotz der Gewalt Türen für Tausende von Flüchtlingen öffnen und wo die Zusammenarbeit die klösterliche Gastfreundschaft zu einem Zeichen der Hoffnung macht. Ich sehe dieses Zeichen der Hoffnung in unseren Klöstern in Syrien, in Israel oder überall dort, wo Gewalt herrscht. Ich sehe Zeichen der Hoffnung dort, wo Oberen aus verschiedenen Kulturen Gemeinschaften in Schwierigkeiten helfen. Ich sehe Hoffnung, weil immer mehr Gemeinschaften offen sind für eine multikulturelle Zusammensetzung. Auch in den Vereinigten Staaten, in Japan und in Spanien sehe ich vorsichtige Versuche der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften. Wenn ihr genau hinschaut und vor allem, wenn ihr es wagt, hinzuschauen, werdet ihr überall Zeichen der Hoffnung sehen.

Wir können dies noch konkreter gestalten, indem wir diesem Austausch von Gaben während des Generalkapitels bei der Prüfung der Berichte der Häuser Beachtung schenken. Indem wir über unsere eigenen Interessen bei Ernennungen, Wahlen usw. hinausblicken. Indem wir zuerst auf uns selbst und dann auf andere in schwierigen Situationen schauen und uns gegenseitig helfen, anstatt uns zu verurteilen oder aus dem Weg zu gehen. Indem wir auf gesunde Unterschiede achten. Indem wir wirklich offen und engagiert sind für den Austausch von Gaben zwischen den verschiedenen Welten und Kulturen, aus denen sich der Orden und dieses Generalkapitel zusammensetzen. Möge dieses Generalkapitel uns helfen, aus Liebe zu teilen und das Teilen zu lieben, damit dies zu einer Übung der Nächstenliebe und zu einem Wachstum in unserer ständigen Bekehrung wird, um die Zeichen der Hoffnung zu erkennen, die Gott uns heute inmitten unserer Verletzlichkeit schenkt.

Ist der Orden krank? Ja, und das muss er auch bleiben, denn nur so erkennen wir, dass wir einander brauchen, dass wir die Gaben und Gnaden der anderen brauchen, um zu leben. Bernhard von Clairvaux ruft uns dazu auf, Pilger der Hoffnung im Schatten des Allerhöchsten zu bleiben[21]. Diese Pilgerreise ist manchmal beschwerlich, aber jeder Pilger weiß, dass er seine Weggefährten braucht, um die Flamme der Hoffnung am Leben zu erhalten. Lasst uns also gemeinsam arbeiten, ganz konkret in unseren Gemeinschaften, zwischen unseren Gemeinschaften und vor allem hier, beim Generalkapitel. Niemand soll sagen: „Ich zähle nicht“ oder „Du zählst nicht“. Jeder hat eine Gabe, eine Gnade, zum Aufbau des Ganzen. Entdeckt diese Gabe! Entdeckt diese Gnade!


1. Baldwin of Ford, Spiritual Tractates, volume 2, Cistercian Fathers Series, 41, Kalamazoo, 1986, S. 159.

2. E. Jamroziak, Der Zisterzienserorden im mittelalterlichen Europa. 1090–1500. Routledge, 2013.

3. David Bell, Printed books in English Cistercian Monasteries, Citeaux: Commentarii

Cistercienses 53 (2002), S. 138.

4. Für eine detaillierte Beschreibung dieser Realität siehe Papst Franziskus, Fratelli tutti,

9–55.

5. Papst Franziskus, Fratelli tutti, 8.

6. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zu rufen, sondern die Sünder“ (Mk 2,17).

7. Thomas Merton, No man is an island, Harcourt Brace, New York, 1955, S. 149.

8. Papst Leo XIV., Predigt vom 3. August 2025.

9. Vgl. Monika Dihsmaier, Entscheidungsfindung und die Versionen der Carta Caritatis, in: E. Delaissé, La Charte de charité 1119–2019. Ein Dokument zur Bewahrung der Einheit zwischen den Gemeinschaften. Paris, 2020, S. 69–109.

10. Papst Franziskus, Fratelli Tutti, 100.

11. Vgl. https://cistercian-mentors.webnode.es/materials/baldwin/?utm_source

12. Baldwin of Ford, Spiritual Tractates, Band 2, Cistercian Fathers Series, 41, Kalamazoo, 1986, S. 165.

13. Ebd., 159.

14. Ebenda.

15. Ebd., S. 179.

16. Instrumentum laboris für die zweite Sitzung der XVI. Ordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode (Oktober 2024), Nr. 42.

17. Ebd., Nr. 44–45.

18. Johannes Paul II., Ut unum sint, 28.

19. https://cistercian-mentors.webnode.es/materials/baldwin/

20. Chukwuka John Ife OCSO, Authentic conversion, S. 55–56.

21. Vgl. Bernhard von Clairvaux, Predigten über den Psalm 90 (91).

Zum zisterziensischen Charisma Generalkapitel des Trappistenordens

7

Perspektiven

Elizabeth Mary Mann OCBE

Generalpriorin der Bernhardinerinnen von Esquermes

 

Zum zisterziensischen Charisma

Generalkapitel des Trappistenordens

 

 

Unter den vielen Elementen unseres zisterziensischen Charismas, die ich als Zeichen der Hoffnung für unsere heutige Welt betrachte, habe ich mich entschieden, gerade das der Gastfreundschaft zu teilen – eine Gastfreundschaft, die ihre Wurzeln in Christus hat, eine Gastfreundschaft, die aus unserem Gelübde der Beständigkeit gespeist wird und dessen Frucht ist, eine Gastfreundschaft, die unentgeltlich, aufrichtig und großzügig ist.

Unsere Stabilität macht uns zu „Pilgern, die im Jubiläumsjahr verwurzelt sind“ (Monastic Practices: Charles Cummings).

In unseren Konstitutionen heißt es: „Die klösterliche Beständigkeit ist für uns eine Art, auf die unveränderliche Treue Gottes mit unserer eigenen Treue zu antworten, dort, wo er will, dass wir ihn suchen. ‚Treue ist der, der uns ruft‘“ (Konst. 12). Ich stelle mir gerne vor, dass dies einfach bedeutet, „für Gott da zu sein“. Unsere klösterliche Stabilität hilft uns, unseren Platz und unseren Frieden in Gott zu finden, ihm zu gehören. „Bleibt in mir, wie ich in euch bleibe.“ (Joh 15,4)

Thomas Merton hat die gemeinschaftlichen Aspekte des Gelübdes der Stabilität hervorgehoben, als er schrieb:

„Das wahre Geheimnis der klösterlichen Stabilität liegt in der völligen Annahme des Plans Gottes, durch den der Mönch/die Nonne sich bewusst wird, durch diese besondere Familie und keine andere in das Geheimnis Christi integriert zu sein. Es ist die endgültige Annahme seiner Gemeinschaft, in Zeit und Ewigkeit, mit diesen besonderen Brüdern und Schwestern, die Gott für ihn ausgewählt hat... es ist das echte Bewusstsein dafür, dass alle, die gemeinsam berufen sind, in Gemeinschaft an ihrem Heil arbeiten werden, sich gegenseitig helfen werden, Gott leichter zu finden, und dass wir in der Tat seit Ewigkeit dazu bestimmt sind, einander durch unsere Liebe, unsere Geduld, unsere Nachsicht und unsere Bemühungen um gegenseitiges Verständnis näher zu Ihm zu bringen“ (Der klösterliche Weg).

Bernhard sagt: „Wenn Schönheit und Leuchtkraft das Innerste des Herzens erfüllt haben, müssen sie nach außen sichtbar werden“ (Hohelied 85,11). Was sind die nach außen sichtbaren Zeichen unserer Beständigkeit? Neben anderen, vielleicht offensichtlicheren Zeichen glaube ich, dass sich unsere Beständigkeit nach außen hin in der Qualität unserer Gastfreundschaft zeigt. Die Beständigkeit verwurzelt uns in Gott, in Gott, der unveränderlich und immer treu ist, unserem Felsen, unserer Stärke. Unser Gelübde der Beständigkeit festigt unsere Füße in seiner bedingungslosen und unerschütterlichen Liebe und befreit unsere Herzen und Arme, um andere aufzunehmen. Wie „der Baum“ aus Psalm 1, „der an einem Wasserlauf gepflanzt ist, der zu seiner Zeit Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken“, steigt der Saft aus unserer Verwurzelung in Gott empor und verleiht unserer Gastfreundschaft Offenheit, Sanftmut, Freundlichkeit und Energie.

Die Aufnahme ist ein dynamischer, wechselseitiger Prozess: Wir nehmen andere auf und werden selbst aufgenommen. Das gesamte Wirken Jesu war ein Wirken der Aufnahme. Er nahm die kleinen Kinder auf (Mk 10,13-16), er nahm die Zöllner an seinen Tisch (Mt 9,10-13), er nahm den sterbenden Dieb im Paradies auf (Lk 23,39-43)... Jesus selbst wurde aufgenommen: im Boot, als die Jünger vor dem Sturm Angst hatten (Mk 6,45-57), er wurde im Haus des Zachäus aufgenommen (Lk 19,1-10), im Haus von Maria, Martha und Lazarus (Lk 10,38-42).

Unser klösterliches Leben sollte von einer Haltung der Aufnahme geprägt sein: eine befreiende Haltung, nicht besitzergreifend, misstrauisch oder herrschsüchtig; eine Haltung, die uns für die Gnade des gegenwärtigen Augenblicks öffnet, anstatt uns in uns selbst zu verschließen; eine Haltung, die aufbaut statt zu zerstören, die ermutigt und Leben schenkt, anstatt zu ersticken und zu töten; eine Haltung der Annahme und nicht der Ablehnung; eine selbstlose und nicht egoistische Lebensweise.

Jeden Tag stellen wir uns durch unsere Lectio vor Gott, um sein Wort zu empfangen. André Louf schrieb: „Die Aufnahme des Wortes ist der Schlüssel zum Dasein eines Mönchs/einer Nonne.“ In unserer Feier der Eucharistie empfangen wir die sakramentale Gegenwart Christi. In dem Wunsch, dass „nichts dem Wort Gottes vorgezogen werde“ (RB 43, 3), nehmen wir den Dienst des Gebets und des Lobes an, der uns von der Kirche anvertraut ist, und dank der kontemplativen Ausrichtung unseres ausgefüllten Lebens nehmen wir bewusst die Gegenwart des Herrn an, indem wir aufmerksam lauschen und auf das Wehen seines Geistes achten.

Wir nehmen uns selbst an, geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes, mit unseren Gaben, unserer Persönlichkeit, unseren Grenzen und unseren Ängsten. Wir nehmen jeden Tag die Schönheit unserer Berufung an.

Wir nehmen einander an: Wir bauen unsere Gemeinschaften auf in dieser „Liebe, die eine aktive Hoffnung darauf ist, was der andere mit Hilfe unserer brüderlichen Unterstützung werden kann“ (Konst. 59), und wir lassen zu, dass andere uns annehmen. Wir alle werden durch ein Lächeln, eine sanfte Antwort, eine Geste der unentgeltlichen Freundlichkeit ermutigt. „Hier sind wir, du und ich, und ich hoffe auf einen Dritten, Christus, unter uns“, schrieb der heilige Aelred (Geistliche Freundschaft).

Wir nehmen die Herausforderungen, die die Situationen unserer Gemeinschaften und unserer Orden darstellen, demütig an. Unsere eigenen Konstitutionen erinnern uns daran, dass „die Stabilität von jeder Schwester eine tiefe Verbundenheit mit dem Orden und ihrer Gemeinschaft verlangt. Sie nimmt die Tugenden und Fehler, die Bedürfnisse und Bestrebungen, die gegenwärtige Realität und die zukünftige Entwicklung“ beider an (Konst. 11)... Deshalb nehmen wir – meist nicht ohne inneren Kampf – auch Initiativen und kreative Antworten auf unsere Zukunft an und sind bereit, uns daran zu beteiligen. Wir nehmen den Wandel an, anstatt ihn als Bedrohung wahrzunehmen. Denn, wie John Henry Newman sagte: „Leben heißt sich wandeln.“ Wir vertrauen darauf, dass der Geist uns, wenn wir unser Gelübde der Bekehrung voll und ganz leben, „immer mehr in das Bild des auferstandenen Christus verwandeln wird“ (Konst. 8).

Wir nehmen die Nöte unserer Diözesen, der Weltkirche und unserer unruhigen Welt in unser Fürbittegebet auf.

Wir nehmen jeden Tag im Glauben die Höhen und Tiefen unseres Lebens an, mit zuversichtlicher Gelassenheit, sicher in der Gewissheit der Verheißung Gottes, die sich durch die ganze Heilige Schrift zieht: „Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch.“

Wir nehmen diejenigen auf, die sich zu unseren Klöstern hingezogen fühlen, indem wir die Lasten, die sie tragen, annehmen und die Freuden, die Komplexität, die Verwirrungen und die Schwierigkeiten ihres Lebens mit ihnen teilen.

Die immer zahlreicher werdenden Menschen, die unsere Klöster besuchen, wünschen sich etwas Unveränderliches inmitten der Unsicherheit, der Hektik, der Unruhe und der Turbulenzen, die ihre tägliche Erfahrung der heutigen Welt prägen. Wenn sie in unsere Klöster kommen, suchen sie das Beständige und Sichere, eine Lebensweise, die die Jahrhunderte überdauert hat, eine unveränderliche Landschaft, einen Ort, der durch seine Einfachheit Schönheit ausstrahlt. Sie möchten aus der Zeitlosigkeit unseres Klosterlebens schöpfen und für einen Augenblick den Druck und den Stress ihres Alltags beiseite legen. Sie sehnen sich nach einem Moment zum „Durchatmen“, einem Moment, um einfach nur „zu sein“.

Benedikt war sich sehr wohl bewusst, dass es im Kloster nie an Gästen mangelte, und bestand darauf, dass alle mit „aufrichtiger Höflichkeit, Respekt und Ehrerbietung“ empfangen werden sollten. Er verfasste sorgfältig das Kapitel 53, das die Bedeutung der Gastfreundschaft auf Gemeinschaftsebene bekräftigt.

Ich möchte zwei Momente der Gastfreundschaft in unseren eigenen Gemeinschaften schildern, die mich in diesem Jahr tief bewegt haben.

Der erste ereignete sich Ende Januar 2025 in unserer Gemeinschaft in Goma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Nach mehreren Tagen intensiver Kämpfe wagte sich die Bevölkerung wieder auf die Straßen, und unsere Schwestern waren alle da, bereit, sie zur Sonntagsmesse zu empfangen. Für viele war dies ein sehr bewegender Moment.

Das zweite Ereignis ereignete sich in unserer Gemeinschaft in Frankreich. Eines Abends nahmen wir eine Familie in Not bei der in die Vesper integrierten Messe auf. Ihr 15-jähriger Sohn hatte sich an diesem Morgen ohne jegliche Vorwarnung das Leben genommen. In der folgenden Stunde strömten immer wieder Gruppen von Jugendlichen, oft in Begleitung eines Elternteils oder eines älteren Bruders oder einer älteren Schwester, in unsere Kirche, da sich die Nachricht von der Messe über die sozialen Netzwerke verbreitet hatte. Ihr Schock war spürbar, viele waren in Tränen aufgelöst, und sie blieben nach der Messe noch über eine Stunde, einfach um zusammen zu sein, sich gegenseitig Trost zu spenden und dem Geschehenen einen Sinn zu geben. Warum sind sie gekommen? Unser stiller, von Andacht geprägter Empfang ermöglichte es ihnen, ihre Trauer an einem unbekannten, aber behaglichen Ort zu teilen.

Sicherlich haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht. Unsere Beständigkeit, unsere bloße Anwesenheit zieht Menschen an, heißt sie willkommen, schafft eine Gemeinschaft um die Klostergemeinschaft herum, weckt ein Gefühl der Zugehörigkeit und schafft einen Raum, in dem sich andere „zu Hause“ fühlen können. Wir haben viele Freiwillige, die das Wesen unseres Klosterlebens entdecken und ein wenig miterleben möchten... und viele betrachten es als Privileg, das Auto der Gemeinschaft zu waschen, beim Bügeln zu helfen, den Garten zu jäten...


Letzte Woche unterhielt ich mich mit einer Freundin, die seit über 20 Jahren Gruppenreisen in unsere Gemeinschaften in England organisiert. Als ich sie fragte, welcher Aspekt des zisterziensischen Charismas ein Zeichen der Hoffnung in der heutigen Welt sei, antwortete sie mir sofort: „Es ist eure Beständigkeit und eure Gastfreundschaft!“ “ Ermutigt, da ich bereits mit der Vorbereitung dieses Beitrags begonnen hatte, bat ich sie, ein paar Sätze zu schreiben. Ich teile sie mit euch:

„Ein zentrales Charisma der Zisterzienser ist die Beständigkeit, die ‚Präsenz‘. In einer Welt, in der viele unter Vertreibung, einer zerrütteten Kindheit, Abhängigkeiten und unaufhörlichen Veränderungen leiden, ist das Konzept der ‚Beständigkeit‘ unverzichtbar – eine kulturelle Erfahrung und ein Raum der Heilung, in denen die Menschen Zuflucht finden können. Diese Stabilität nährt eine schöne Gastfreundschaft, die sich verkörpert und spürbar wird, wenn Gäste das Kloster betreten und mit Freundlichkeit, Herzlichkeit und „Geselligkeit“ empfangen werden. Die Menschen wissen sofort, dass sie willkommen sind, und erkennen die Freundlichkeit augenblicklich. Die Auswirkungen davon auf den Menschen sind tiefgreifend, auf eine sehr schöne und alltägliche Weise; sie fördern Entspannung und ein Gefühl des Wohlbefindens. „In der heutigen Gesellschaft spricht man immer weniger von Tugend, doch diese wesentlichen Tugenden, die in der Zisterziensererfahrung verkörpert und gelebt werden, tragen zur Besänftigung und Beruhigung bei und sind in der heutigen Welt von entscheidender Bedeutung“ (DW).

Indem wir Gastfreundschaft gewähren, geben wir. Indem wir aufgenommen werden, empfangen wir. Geben und Empfangen, Gastfreundschaft gewähren und aufgenommen werden – das ist die Dynamik, die Beziehungen aufbaut und uns zu Brüdern und Schwestern im Leib Christi macht. Aufnahme erfordert Offenheit, Großzügigkeit, Zuhören, Demut, Vertrauen; sie fördert Einheit, Frieden, Verständnis, Gemeinschaft – all das sind Gaben, die unsere Welt so dringend braucht.

Vielleicht könnte ich mit einem Wort des Dankes schließen... für die Gastfreundschaft, die eure Brüder von Mokoto und eure Schwestern von La Clarté-Dieu mit unseren Schwestern von Goma verbindet, vor allem in den letzten Jahren, die von der Unsicherheit und Instabilität geprägt waren, unter der diese Region leidet.

Danke auch an die Regionen CNE/CAN und die Inseln für eure herzliche Aufnahme unserer Schwestern (und meiner Person) bei euren Regionaltreffen, eurem pastoralen Austausch, euren Feiern... Es ist immer eine große Freude, zusammen zu sein. Danke an Generalabt Bernardus und die Mitglieder des Generalats für eure Unterstützung und eure Freundschaft.

Das Schlusswort überlasse ich dem Apostel Paulus, aus Kapitel 15 seines Briefes an die Römer:

„Nehmt also einander an zur Ehre Gottes, wie Christus euch angenommen hat (V. 7) … Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes (V. 13)“.

Zum zisterziensischen Charisma Generalkapitel des Trappistenordens

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Perspektiven

Noëlla Ghijs

Generalpriorin der Bernhardinerinnen von Oudenaarde

 

Zum zisterziensischen Charisma Generalkapitel des Trappistenordens

 

 

In seinen Ansprachen an Ordensleute hat Papst Franziskus oft dazu aufgerufen, „sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen“. Sich nicht damit begnügen, die Realität so zu akzeptieren, wie sie ist, und sich auch nicht in Nostalgie für die Vergangenheit verschließen, sondern im Gegenteil: es wagen, „die Zukunft zu begehen“. Was an sich schon ein Akt des Glaubens und der Hoffnung ist.

Das hindert uns jedoch nicht daran, Fragen dazu zu haben. Unser Vertrauen und unser Glaube an den Geist Gottes sind von Unsicherheit, manchmal auch von Angst geprägt. Da stellt sich die Frage, ob wir verlässliche Wegweiser haben, um „die Zukunft zu begehen“.

Bei einem Treffen unserer beiden Provinzräte – der flämisch-belgischen und der afrikanischen Provinz – im Mai 2024 in Ruanda wurden wir in unserer Überzeugung bestärkt, dass unser Charisma uns in die Zukunft führen wird.

Vor einigen Jahren haben wir unser Charisma, durch das wir am zisterziensischen Charisma teilhaben können, in diesem kleinen Satz formuliert: „Gott suchen und den Menschen, das Ebenbild Gottes, aufnehmen“. Wie können wir dies heute mit Blick auf die Zukunft verkörpern? Ich versuche, darauf in zwei Punkten zu antworten.

1. Unser Charisma weist uns den Weg, da es uns auf die Wurzeln unseres berninischen Ordenslebens verweist. Es führt uns zurück zum Wesentlichen unseres Lebens, zu dem, wonach wir streben, was uns ruft und verpflichtet.

– Die Suche nach Gott durch das Hören auf das Wort Gottes, die Liturgie, die persönliche Meditation und das gemeinschaftliche Gebet. Es ist dieser monastische Strom, der unser Leben prägt und von dem wir inmitten einer stark säkularisierten Gesellschaft in Belgien, inmitten einer Vielzahl von Sekten in Ruanda, inmitten einer muslimischen Gesellschaft im Tschad und in Burkina Faso Zeugnis geben wollen.

– Auch wenn wir eine erhebliche Überalterung unserer Schwestern erleben, entscheiden wir uns weiterhin bewusst dafür, unseren christlichen Glauben in Gemeinschaft mit anderen Christen zu leben. Das ist eine Verpflichtung, die unserem eigenen christlichen und religiösen Leben neuen Schwung verleiht. Und mit denen, denen wir im Glauben begegnen (z. B. in der Sonntagsmesse), können wir „eine Brüderlichkeit“ leben, ein „Wir“, das uns bereichert. Die Worte des Augustinus – zitiert von unserem Papst Leo – „Mit euch bin ich Christ“, sind im konkreten Kontext unserer Gesellschaften so bedeutungsvoll.

Die Suche nach Gott, mit all ihrem Reichtum an Formen und Momenten, ruft uns zu diesem neuen Leben auf, das mit Jesus, dem auferstandenen Christus, in unsere Menschheitsgeschichte eingetreten ist. Sie ist in der Hoffnung verwurzelt und richtet uns auf das Jenseits des Heute aus, denn Er selbst, der dreifaltige Gott, ist die Zukunft, in der wir leben; Er ist es, der uns als Erster diese Zukunft schenkt.

2. Der zweite Teil unseres Charismas: „den Menschen, das Ebenbild Gottes, aufnehmen“. Die Aufnahme steht am Ursprung unserer Kongregation. Gegen Ende des 12..Jahrhunderts nahm eine kleine Gruppe von Männern und Frauen – außerhalb der Stadtmauern von Oudenaarde in Flandern – Pilger und Arme auf, die vor allem abends keinen Zugang mehr zur Stadt hatten. Sehr schnell wurde aus dieser Aufnahme ein Krankenhaus, in dem arme Kranke gepflegt wurden. Dies dauerte Jahrhunderte. Im vergangenen Jahr jährte sich zum 800. Mal, dass diese kleine Gemeinschaft ihre erste Lebensregel (1224) erhalten hatte, für die der Bischof von Tournai seine Anerkennung dafür zum Ausdruck brachte, wie man – ich zitiere – „Gott und den Armen dient“.


Die Aufnahme des anderen, in der Erkenntnis, dass er/sie nach dem Bild Gottes geschaffen ist, verweist uns auf den tiefen Sinn der Gemeinschaft, die wir sowohl in der Gemeinschaft als auch in der Beziehung zu so vielen anderen Menschen zu leben versuchen. Eine Gemeinschaft mit offenem Herzen, offenen Augen und offenen Türen. Die Gebrechlichkeit, die sich vor allem in unseren Gemeinschaften in Flandern breitgemacht hat, lehrt uns, aufmerksamer miteinander umzugehen, mit mehr Zuhören und mehr Nähe. Wenn gegenseitige Hilfe notwendig ist, schafft sie zugleich eine Gelegenheit zur Begegnung, zum Austausch von Blicken und Händen. Die Verletzlichkeit wird so zu einem Weg der persönlichen und gemeinschaftlichen Umkehr, zu einer Pilgerreise der Hoffnung vom „Ich“ zum „Wir“.

Die Aufnahme des anderen nimmt verschiedene Formen an, geprägt von unterschiedlichen Situationen. Oft handelt es sich um Menschen, denen wir begegnen und die uns ihr Leid anvertrauen. Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört; sie bitten uns um ein Gebet; sie sind bewegt, dass wir uns an ihr Leid von damals erinnern. Wir nennen es das „Apostolat der Begegnung“, fast unsichtbar, aber wohltuend für diejenigen, die davon profitieren.

Die Aufnahme des Anderen nennt man heute „Inklusion“, Respekt, Zusammenarbeit, Integration, Solidarität, Brüderlichkeit. In den Gesellschaften, in denen wir leben, sind dies Werte, die es zu verteidigen und zu verwirklichen gilt. Akzeptieren wir, dass eine verschleierte muslimische Frau bei uns arbeiten kommt? Schaffen wir in unseren Schulen Raum für Kinder mit ausländischer Herkunft? Wie integrieren wir die multikulturelle Welt, zu der wir gehören? Eine unserer Gemeinschaften in Ruanda organisiert seit mehreren Jahren einen inklusiven Unterricht, der Kinder mit einer Behinderung aufnimmt. Die Anwesenheit eines taubstummen Kindes in der Klasse regt die anderen Schüler dazu an, die Gebärdensprache zu lernen. Im Süden des Tschad leiten unsere ruandischen Mitschwestern eine Schule für Mädchen, die in diesem Umfeld und dieser Kultur oft vom Unterricht ausgeschlossen sind. In Oudenaarde engagieren wir uns für die Aufnahme indischer Frauen, die hier ihre Ausbildung zur Krankenschwester abschließen.

Indem wir Inklusion fördern, tragen wir zum Prozess der Humanisierung bei, wie es uns das Geheimnis der Menschwerdung vorlebt. Das Leben Jesu, seine Taten und Worte bezeugen, dass wahre Liebe sich nicht an den Grenzen aufhält, die wir Menschen aus Eigeninteresse oder aus Angst vor dem Anderen errichten. Die Hoffnung verbindet uns mit dem Plan unseres Schöpfergottes, der uns als Erster aufnimmt und uns entgegenkommt. Als sein Ebenbild geschaffen, haben wir die Pflicht, uns nach diesem Bild verwandeln zu lassen, wie Jesus es verkörpert hat. Uns verwandeln lassen – indem wir gemeinsam in der „Schule der Nächstenliebe“ leben und die Andersartigkeit des anderen als Quelle eines bereicherten „Wir“ respektieren.Die Aufnahme des anderen konkretisiert sich, um es zusammenzufassen, in der Interkulturalität und der Gemeinschaft, die wir innerhalb der Kongregation bewahren und fördern wollen. Papst Franziskus bezeichnet in seiner Enzyklika Fratelli tutti die Interkulturalität als „eine Prophezeiung für unsere Zeit“. Wir stellen uns die Frage: Wie können wir diese Interkulturalität/Gemeinschaft weiterhin verwirklichen, jetzt, da es in Ruanda nur noch eine flämische Schwester gibt (die fast 100 Jahre alt ist)? Wie können wir dies in gegenseitigem Respekt auch innerhalb Afrikas tun, ohne dass eine Gruppe die andere dominiert? Das Gleiche gilt für unsere Gemeinschaften in Flandern: das „Wir“ der Gemeinschaft und des gegenseitigen Respekts zu fördern, ohne dass eine Altersgruppe eine andere dominiert.

Die Aufnahme des anderen konkretisiert sich, um es zusammenzufassen, in der Interkulturalität und der Gemeinschaft, die wir innerhalb der Kongregation bewahren und fördern wollen. Papst Franziskus bezeichnet in seiner Enzyklika Fratelli tutti die Interkulturalität als „eine Prophezeiung für unsere Zeit“. Wir stellen uns die Frage: Wie können wir diese Interkulturalität/Gemeinschaft weiterhin verwirklichen, jetzt, da es in Ruanda nur noch eine flämische Schwester gibt (die fast 100 Jahre alt ist)? Wie können wir dies in gegenseitigem Respekt auch innerhalb Afrikas tun, ohne dass eine Gruppe die andere dominiert? Das Gleiche gilt für unsere Gemeinschaften in Flandern: das „Wir“ der Gemeinschaft und des gegenseitigen Respekts zu fördern, ohne dass eine Altersgruppe eine andere dominiert.

Unser Charisma wird uns den Weg weisen, das zisterziensische Charisma wird uns den Weg weisen, indem es das „Wir“ betont – der Begegnung, der Abstimmung und des Teilens – und uns zur persönlichen, gemeinschaftlichen und sogar kongregationalen Umkehr aufruft. Diesen Weg gehen wir gemeinsam, im Hier und Jetzt, doch er erstreckt sich vor uns als „Weg der Hoffnung“, im Glauben, dass der Heilige Geist uns leiten und uns helfen wird, „die Zukunft zu gestalten“. Möge die Ermahnung des Apostels Paulus in seinem Brief an die Epheser: „Bemüht euch, die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu bewahren“ (Eph 4,3), uns daran erinnern, stets aus der Quelle der zisterziensischen Spiritualität zu schöpfen. Sie wird uns den Weg in die Zukunft weisen.

Das benediktinische Jubiläum „Orte der Hoffnung seit 529“

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Benediktinisches Jubiläum 529-2029


Jeremias Schröder OSB

Abtprimas der Benediktinerkonföderation

 

Das benediktinische Jubiläum

„Orte der Hoffnung seit 529“

 

 

Der Beschluss

Im September 2024 traf der Äbtekongress mehrere Beschlüsse und wählte einen neuen Abtprimas. Einer der Beschlüsse, der mich – den neuen Abtprimas – besonders erfreute, war die Feier des Jahres 2029 als Jubiläum für die gesamte Benediktinerfamilie. Wie die meisten von Ihnen wissen, gründete der heilige Benedikt nach der traditionellen Chronologie im Jahr 529 Montecassino. Das 1500..Jubiläum dieses Jahres ist ein Anlass zum Feiern für dieses Kloster, das auf Italienisch oft als „archicenobio“ bezeichnet wird, die Muttergemeinschaft aller Klöster unseres Ordens. Die versammelten Äbte beschlossen jedoch, diese Feier auf die gesamte Familie des heiligen Benedikt auszuweiten. Die Entscheidung wurde getroffen und das Jubiläum in unseren Kalender aufgenommen. Dann kehrten alle Äbte nach Hause zurück. Ich war begeistert, doch nach und nach wurde mir das Ausmaß der Aufgabe bewusst. Ein weltweites Jubiläum zu organisieren, das in verschiedenen Ländern und Kulturen gefeiert wird, ist keine einfache Aufgabe, die meine armen Sekretäre oder ich neben unseren anderen Aufgaben bewältigen könnten. Das würde Energie, Zeit und unermüdlichen Einsatz erfordern.

 

Vorbereitungen

Anfang 2025 begannen wir ernsthaft mit den Vorbereitungen. Wir wandten uns an etwa vierzig Denker und Schriftsteller aus unserer klösterlichen Welt, damit sie uns ihre Gedanken zu diesem Jubiläum mitteilten. Wir erhielten großartige Antworten. Sie sind in einem Werk zusammengefasst, das, wie ich hoffe, bald erscheinen wird. Es wird alle inspirieren, die an diesem Jubiläum teilnehmen.

Als die Idee des Jubiläums Gestalt annahm, wurde schnell klar, dass mehr Menschen nötig sein würden, um das Projekt erfolgreich durchzuführen. Wir haben einen Lenkungsausschuss und kürzlich einen wissenschaftlichen Ausschuss gegründet, der die Aktivitäten überwacht, die eine gewisse akademische Strenge und Seriosität erfordern. Noch wichtiger ist, dass wir eine Person gefunden haben, die die Position des internationalen Koordinators des Jubiläums angenommen hat: Adam Simon, der in der Nähe von London lebt. Adam Simon hat die benediktinische Berufung schon in jungen Jahren erlebt. Später heiratete er, gründete eine Familie und machte eine brillante Karriere in der Wirtschaft, ohne jemals seine Liebe zum heiligen Benedikt und zum Klosterleben zu verlieren. Er gehört der „Laiengemeinschaft des heiligen Benedikt“ an, einer Initiative, die in der Abtei von Worth im Vereinigten Königreich entstand und später unabhängig wurde. Diese dynamische Gruppe zählt mehrere hundert benediktinische Laien. Adam Simon ist derzeit ihr Leiter. Er bringt in diese Rolle eine tiefe Kenntnis und Liebe zum benediktinischen Leben, ein großes Organisationstalent, ein umfangreiches Netzwerk an Kontakten und eine ansteckende Begeisterung ein.

Wir benötigten zudem professionelle Unterstützung. Die Londoner Agentur „Peter’s House“, die auf die effektive Entwicklung katholischer Dienste spezialisiert ist, erwies sich als sehr wertvoll. Sie hatte den englischen Bischöfen dabei geholfen, die Heiligsprechung Newmans zu einem Volksfest zu machen, und versprach, uns zu einem ähnlichen Ergebnis zu verhelfen. Doch genug von der Organisation.

 

Die Grundsätze dieses Jubiläums

Von Anfang an war klar, dass dieses Jubiläum keine Selbstfeier sein sollte, sondern vielmehr eine Zeit der Dankbarkeit und der Besinnung, ja sogar der Selbstreflexion, wie manche es genannt haben.

Es sollte auch ein Jubiläum für die gesamte benediktinische Familie werden, nicht nur für uns hier in Italien. Dieses Jubiläum wird dezentralisiert sein. Die Idee ist, Klöster, Kongregationen, Regionen und Länder zu ermutigen, ihre eigenen Jubiläumsaktivitäten zu organisieren und dabei die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen kreativ zu nutzen, ohne dass eine zentrale Autorität entscheidet, was dazugehört und was nicht. Kurz gesagt, ein sehr benediktinischer Ansatz: ein gesäter Samen, der auf unterschiedliche Weise und an verschiedenen Orten Früchte tragen kann.

Dieses Jubiläum ist auch als Einladung gedacht. Wir wünschen uns, dass dieses Jubiläum nicht nur unsere Mönche und Nonnen erreicht, sondern auch die Oblaten und Laien der Benediktiner, die Suchenden und Pilger, die Weltkirche, die Jugend, die ökumenischen Freunde, die interreligiösen Partner sowie die politischen und kulturellen Entscheidungsträger.

Wie schon bei früheren Jubiläen soll auch dieses Jubiläum ein Vermächtnis hinterlassen. Darauf werde ich später noch zurückkommen. Wir werden Publikationen und Übersetzungen vorbereiten, sowohl für Fachleute als auch für die breite Öffentlichkeit. Wir hoffen, neue digitale Ressourcen, Kunstwerke, Filme, Musik und vielleicht sogar Theateraufführungen anbieten zu können. Es zeichnet sich bereits deutlich ab, dass dieses Jubiläum die Verbindungen zwischen unseren Gemeinschaften stärken wird. Eine digitale Plattform, die unsere Klöster, unsere Mönche und Nonnen, die Jubiläumsaktivitäten und alle anderen Beteiligten miteinander verbindet, wird dazu beitragen, eine viel stärkere benediktinische Familie zu schaffen.

All dies soll nicht plötzlich im Jahr 2029 geschehen und dann wieder abklingen. Es wird einen Weg geben, oder besser gesagt, eine schrittweise Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr. Wir haben diesen Weg einfach strukturiert und orientieren uns dabei an den Lebensabschnitten des heiligen Benedikt:

2026, das Jahr von Norcia, unter dem Thema: „Erwachen“;

2027, das Jahr von Rom, unter dem Motto: „Zuhören“;

2028, das Jahr von Subiaco, unter dem Motto: „Wachsen“;

und 2029, das Jahr von Monte Cassino, unter dem Motto: „Sich entfalten“.

Es werden Ressourcen zur Verfügung gestellt – Texte, Gebete, Meditationen, Audio- und Videoaufnahmen –, um diese Jahre und Themen zu vertiefen und so unseren Gemeinschaften zu ermöglichen, sie zu erkunden und sich auf das Jubiläumsjahr vorzubereiten.

 

„Orte der Hoffnung seit 529“

Der Untertitel des Benediktiner-Jubiläums lautet „Orte der Hoffnung seit 529“. Diese Worte sind bedeutungsvoll. Der Begriff „Orte“ bezieht sich auf die Klöster. Am Ursprung all dessen steht Montecassino – der Ort, den Benedikt gewählt hat, um eine Lebensweise zu begründen, die dazu beigetragen hat, das westliche Christentum zu verwandeln. Durch das Gelübde der Stabilitas binden wir Benediktiner uns an eine Gemeinschaft an einem konkreten Ort und nicht an ein abstraktes Ideal oder eine internationale Organisation. In dieser Ausgabe des Bulletins finden Sie auch einen bewegenden Artikel von Luca Fallica, Abt von Montecassino, über die historische und spirituelle Bedeutung von Montecassino für uns alle.

Die katholische Kirche ist in der Regel territorial organisiert: nationale Bischofskonferenzen, Kirchenprovinzen, Diözesen, Dekanate, Pfarreien. An vielen Orten ist diese territoriale Organisation nicht mehr zeitgemäß. Die Gläubigen (und erst recht die Menschen auf spiritueller Suche!) verankern ihre religiöse Erfahrung an Orten, Wallfahrtsstätten und Klöstern. Die Benediktiner bieten diese Orte an. Sie pflegen sogar eine „Liebe zum Ort“, wie Michael Casey OCSO in einem seiner Werke schrieb.

Benedikt hat seine Regel als ein Dokument der Hoffnung verfasst. Sie birgt vielfältige Facetten, die mich immer wieder inspirieren. „An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln“, schreibt er am Ende von Kapitel 4. Die gesamte Regel ist eine Einladung zur Hoffnung auf ein gutes Leben, das uns Gott näherbringt. Viele unserer Klöster sind Orte der Hoffnung für Besucher, Gäste und Pilger.

Seit 529 gab es Höhen und Tiefen, manchmal ging es ums Überleben, manchmal um Zusammenbruch und Tod, und immer um Wiedergeburt. „Succisa virescit“, dieses alte, inoffizielle benediktinische Motto, fasst diese Hoffnung zusammen: Was abgeschnitten wurde, wächst wieder!

 

Vergangene Jubiläen

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Benediktiner auf die Feier eines Jubiläums vorbereiten. Man erinnert sich insbesondere an die Jubiläen von 1880, 1929 und 1980. Das erste trug dazu bei, die Dynamik zu schaffen, die zur Gründung von Sant’Anselmo und unserer Konföderation führte. Das Erbe von 1980 ist „RB 1980“, eine Übersetzung und ein Kommentar zur Regel des heiligen Benedikt, die nach wie vor die am häufigsten verwendete Fassung im englischsprachigen Raum ist. Wir hoffen, dass uns das Jahr 2029 gestärkte Bindungen und ein tieferes Verständnis unserer Identität hinterlassen wird.

 

Persönliche Reflexion

In letzter Zeit habe ich versucht, das 6..Jahrhundert besser zu verstehen. Das benediktinische Mönchtum entstand in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen, geprägt vom Zusammenbruch des Weströmischen Reiches, den barbarischen Invasionen und dem Niedergang der klassischen Welt. Zufälligerweise schloss Kaiser Justinian im selben Jahr, 529, die tausendjährige Platonische Akademie in Athen, da er sie für überflüssig hielt. Inmitten dieser Turbulenzen entstand eine neue Lebensweise, die einen geschützten Raum für eine neuartige, zugleich christliche und klösterliche Lehre bot.

Die letzten Jahre waren von weltweiten Umwälzungen geprägt, und weitere scheinen sich am Horizont abzuzeichnen. Vielleicht treten wir in eine neue Ära der Turbulenzen ein, in einen epochalen Wandel. Ein besinnliches Jubiläum kann uns helfen, uns auf die kommenden schwierigen Zeiten vorzubereiten und uns auf das zu konzentrieren, was unsere klösterliche Tradition diesen sich abzeichnenden neuen Zeiten bieten kann: ein demütiges und verwurzeltes Christentum, einen Sinn für Menschlichkeit und Widerstandsfähigkeit.

Montecassino ist ein Symbol für all dies. Es ist auch eine lebendige Realität, und mit großer Freude haben wir kürzlich eine neue Vitalität in diesem angestammten Haus unseres heiligen Vaters Benedikt festgestellt. Ich bin überzeugt, dass dieses Jubiläum dem Archicenobium und all unseren Häusern – und noch vielen anderen – zugutekommen wird.

 

Weitere Informationen finden Sie unter : jubilee.osb.org

529–2029: Zu Pilgern in der Zeit werden, um glückliche Tage zu genießen

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Benediktinisches Jubiläum 529-2029


Antonio Luca Fallica OSB

Abt von Montecassino

 

529–2029: Zu Pilgern in der Zeit werden, um glückliche Tage zu genießen

 

 

„Wer ist der Mensch, zwischen Kulturen und Welten, wie das letzte benediktinische Kap auf osteuropäischem Boden. Jenseits dieser Grenze gibt es über Tausende von Kilometern hinweg keine benediktinische Präsenz mehr. Dahinter erstreckt sich die sogenannte „russische Welt“, deren bittere Früchte wir seit fast vier Jahren kosten müssen.

„Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und sich nach guten Tagen sehnt?“ (RB Prol. 14–15). Mit dieser Frage, die im Prolog seiner Regel widerhallt, spricht Benedikt auch uns an: Sich nach dem authentischen Leben zu sehnen bedeutet, das langsame Vergehen der Tage in Freude genießen zu können. Unser Verlangen wird auf die Probe gestellt: Wonach sehnt sich unser Herz wirklich? Die Etymologie des Begriffs „desiderare“ verbindet das „Verlangen“ mit dem lateinischen Substantiv „sidera“, „Sterne“, also mit einer Welt, die über uns liegt und für unsere Sinne nicht unmittelbar erkennbar oder beherrschbar ist. Es ist wie Gottes Verheißung an Abraham: Deine Nachkommen werden wie die Sterne sein, wenn du sie zählen kannst.

Eine andere etymologische Erklärung des Verbs „desiderare – sich sehnen“ hebt die Präposition de hervor, die dem Begriff sidera vorangeht. De bedeutet einen Mangel, der folglich eine Suche auslöst. Wir sehnen uns nach den Sternen, weil sie uns fehlen. De kann auch bedeuten, sich abzuwenden, wegzugehen. Im Verlangen läge also die Aufforderung, aufzuhören, nach oben zu schauen und die Sterne zu betrachten. Es gibt zwei mögliche Wege des Verlangens: das zu begehren, was uns fehlt, oder aufzuhören, außerhalb von uns zu suchen, was wir in uns selbst finden können. Die Regel Benedikts schlägt diesen zweiten Weg vor.

Und wenn ihr dies tut – das heißt, wenn ihr Gutes redet und Gutes tut –, werden meine Augen auf euch gerichtet sein und meine Ohren auf eure Gebete hören, und noch bevor ihr mich anruft, werde ich euch sagen: Hier bin ich (RB Prol 18).

Die Begegnung mit dem Herrn ist die Erfüllung unseres Verlangens nach einem glücklichen Leben. Was uns fehlt, ist nicht auf irgendeinem fernen Stern zu finden, sondern in dem Guten, das wir sagen und tun, hier und jetzt. Dort macht sich Gott selbst mit seiner Gabe und dem versprochenen Glück gegenwärtig.

Als Benedikt Subiaco verließ, um nach Montecassino zu gelangen und dort das Kloster zu gründen, das heute seine sterblichen Überreste zusammen mit denen seiner Schwester Scholastika bewahrt, waren es wohl nicht nur die Schwierigkeiten oder Enttäuschungen, die er aufgrund der Feindseligkeit des Priesters Fiorenzo erlitten hatte, die seinen Weg belebten und stützten, sondern sein Verlangen nach Gott und die Suche nach seinem Antlitz. So sehr, dass er, als er vom Tod Fiorenzos erfährt, um seinen Feind weint und für ihn betet, aber nicht umkehrt, sondern seinen Weg fortsetzt, denn es handelt sich um einen spirituellen Weg, der nicht von den historischen Umständen abhängt, auch wenn er in ihnen reift.

Außerdem ist das Erste, was er tut, als er endlich auf diesem Berg ankommt, eine gegen den Götzendienst gerichtete Geste: Er zerstört die heidnischen Tempel und Altäre, die er dort vorfindet. An ihrer Stelle errichtet er ein dem heiligen Martin gewidmetes Oratorium und baut dann auf dem höchsten Punkt des Hügels die Kapelle des heiligen Johannes des Täufers, in der er zusammen mit Scholastika begraben werden wird. Auch heute muss der Kampf gegen den Götzendienst, gegen die vielen Götzen, die unseren Glauben bedrohen, weiterhin ein zentrales Anliegen des monastischen Lebens und seines Strebens nach dem wahren Antlitz Gottes sein. Und ebenso bedeutsam ist es, dass der Benedikt diese Suche dem Schutz und der Fürsprache des heiligen Martin und des heiligen Johannes des Täufers anvertraut. Der heilige Martin ist derjenige, der in völliger Selbsthingabe lebt, vom Mantel, den er dem Armen schenkte, bis hin zu seiner Bereitschaft, wie Sulpicius Severus berichtet, selbst in der Schwäche eines bevorstehenden Todes keine Mühen zu scheuen, um dem Volk, das Gott ihm anvertraut hat, von Nutzen zu sein. Der Täufer Johannes ist derjenige, der auf den Herrn hinweist und uns hilft, seine Gegenwart in unserer Mitte zu erkennen, auf einem Weg der Selbstverleugnung, des Abstiegs. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, so bezeugt er im vierten Evangelium. Es ist eine Logik, die den idolatrischen Logiken diametral entgegensteht, die uns im Gegenteil in der Suche nach dem eigenen Nutzen und der Selbstbestätigung gefangen halten.

Benedikt lebt diese Pilgerreise im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, wahrscheinlich im Jahr 529: Wir bereiten uns daher darauf vor, in drei Jahren, im Jahr 2029, das 1500-jährige Jubiläum der Gründung von Montecassino zu feiern. Hier wird Benedikt leben und sterben, nachdem er die Regel verfasst hat, die heute den Weg von Mönchen und Nonnen auf der ganzen Welt leitet. Auch aus diesem Grund betrifft das Jubiläum 2029 nicht nur die Abtei von Montecassino und die Gemeinschaft, die sie noch heute bewohnt, oder das umliegende Gebiet oder die Hunderttausenden von Pilgern, die jedes Jahr aus allen Teilen der Welt zu diesem Ort pilgern. Es betrifft die gesamte klösterliche Welt, all ihre Familien, männliche wie weibliche, die in der Regel des Benedikt einen unverzichtbaren Bezugspunkt für ihr Gemeinschaftsleben und für den spirituellen Weg jedes einzelnen Mitglieds finden.

Montecassino hat in der Geschichte eine grundlegende treibende Rolle gespielt, nicht nur in Bezug auf das Klosterleben und die spirituelle Suche nach Gott, sondern auch in vielen anderen Aspekten des menschlichen Lebens: von der Arbeit bis zur Kultur, von der Kunst bis zur Geschichte, von der sozialen Organisation bis zur wirtschaftlichen Strukturierung. Als Papst Paul VI. am 20. Oktober 1964 hier in Montecassino Benedikt zum Patron Europas erklärte, griff er in seinem Apostolischen Schreiben Pacis nuntius auf drei Bilder zurück, um zusammenzufassen, welch unersetzlicher Beitrag das benediktinische Mönchtum zum Aufbau der europäischen Zivilisation geleistet hat – und nicht nur das, denn sein Einfluss reichte bis in jeden Winkel der Erde. Das Kreuz, das Buch und der Pflug sind für den Papst des Konzils die drei symbolträchtigen Figuren, die erzählen, was das Mönchtum, das ursprünglich von Montecassino ausging, für das menschliche Leben und seine vielfältigen Ausdrucksformen dargestellt hat und weiterhin darstellen kann. In der für Benedikt typischen Logik des „et… et…“ ist auch in diesem Fall nicht das Wesentliche, was die einzelnen Bilder darstellen, sondern vielmehr die Tatsache, dass sie zusammen stehen. Das Kreuz, also der Glaube, wird zum Buch und damit zur Kultur, und die Kultur wiederum verkörpert sich in der Arbeit und damit im solidarischen Engagement in der Geschichte für die Verwandlung der Welt. Andererseits ist das historische Engagement vom Glauben inspiriert und von einer kulturellen Vision beseelt; die Kultur selbst trennt Gott und den Menschen, Immanenz und Transzendenz nicht; das geistliche Leben ist Flucht vor der Weltlichkeit, aber nicht vor der Welt, und es verleiht der Arbeit nicht nur eine Seele, sondern nährt sich von der Arbeit selbst und nimmt sie als Ort für menschliches und geistliches Wachstum an. Pater Bartolomeo Sorge erklärte 1980 in einer Rede in Montecassino anlässlich des 1500. Geburtstags Benedikts: „In dieser Synthese aus Glaube, Kultur und Arbeit liegt das Wesen der Botschaft des heiligen Benedikt, die Originalität der benediktinischen Institution. In dieser Synthese aus Kreuz, Buch und Pflug liegt auch die Inspiration, die Idee Europas selbst“, und nicht nur Europas, wie wir hinzufügen möchten, sondern jeder authentischen menschlichen Gemeinschaft, überall auf der Welt.



Aus diesen und vielen anderen Gründen, auf die wir hier aus Zeitund Platzgründen nicht näher eingehen können, bleibt vom Jubiläum 2029, wenn wir an die 1500-jährige Geschichte von Montecassino mit seinen vier Zerstörungen und ebenso vielen Wiedergeburten erinnern, nicht nur die Erinnerung an den Bau eines Klosters, sondern eine Erinnerung, die auch heute lebendig und lebendig bleiben muss, um unserer Gegenwart Sinn zu geben und sie für einen Horizont der Hoffnung zu öffnen. Sie kann und muss zu einer prophetischen Erinnerung werden. Im Hebräischen bezeichnet die Wurzel „zakar“ sowohl die Erinnerung als auch das männliche Element, das das weibliche befruchtet, um neues Leben zu zeugen. So ist die authentische Erinnerung: Sie befruchtet unsere Gegenwart und zeugt eine andere Zukunft.

Wir, die Mönche von Montecassino, sind uns dieses Erbes bewusst, das wir nicht nur feiern, sondern vor allem leben und mit Leben erfüllen möchten. Wir wünschen uns, dass die gesamte klösterliche Welt, die sich in diesem Jubiläumsjahr zumindest im Geiste auf Montecassino konzentrieren kann, von Montecassino aus wieder in alle Winkel der Erde ausstrahlt, an jeden Ort, an dem männliche und weibliche Benediktinergemeinschaften leben, beten, arbeiten, studieren und Gäste aufnehmen, und dabei diese Frage auf sich zu nehmen: : Inwiefern stellt uns die Geschichte, an die wir uns erinnern, heute und für die Zukunft vor eine Herausforderung? Was können und müssen das Kreuz, das Buch und der Pflug für unsere Welt, unsere Kulturen, unser Volk und unsere Begegnung mit anderen religiösen und kulturellen Traditionen bedeuten? Wie können wir für die Männer und Frauen unserer Zeit die Frage lebendig halten, mit der Benedikt uns weiterhin anspricht: „Wer ist der Mensch, der das Leben will und sich nach guten Tagen sehnt?“ Wie können wir heute unseren Menschen und all jenen, die aus irgendeinem Grund unsere Gemeinschaften aufsuchen, helfen, diese Frage nicht zu vernachlässigen und nach weisen und konkreten Antworten zu suchen?

Montecassino entstand aus einer Pilgerreise: jener, die Benedikt von Subiaco aus unternahm. Eine Pilgerreise, die nicht nur geografischer, sondern auch spiritueller Natur war. Inwiefern ermöglicht es uns die Erinnerung an den Weg, den er vor 1500 Jahren gegangen ist, wieder zu Pilgern zu werden, auf den Wegen der Suche nach Gott, nach dem, was wahrhaft menschlich ist, nach Gerechtigkeit und Frieden, nach Wahrheit und dem Guten? Das Leben zu begehren bedeutet, sich nach glücklichen Tagen zu sehnen. Das Leben und sein Glück brauchen glückliche Tage, das heißt, sie müssen in Zeit und Raum Gestalt annehmen. Wir wollen uns daran erinnern, was vor 1500 Jahren geschah und was sich im Laufe dieser fünfzehn Jahrhunderte entwickelt hat, um in der Gnade Gottes, des Vaters unseres Herrn Jesus Christus, und im Licht seines Heiligen Geistes zu verstehen, welchen Raum und welche Zeit wir heute gestalten müssen, damit das menschliche Leben Sinn hat und sich über die Freude eines erfüllten Verlangens freuen kann.

„Orte der Hoffnung“: Das Jubiläumsbuch zum 1500jährigen Jubiläum der benediktinischen Familie

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Benediktinisches Jubiläum 529-2029


Adam Simon

Koordinator des Projekts „Jubiläum 2029‟

 

„Orte der Hoffnung“: Das Jubiläumsbuch zum 1500jährigen Jubiläum der benediktinischen Familie

 

 

„Wir feiern 1500 Jahre Jubiläum!“ Schwester Myrèse Dupagne OSB vom Kloster Notre-Dame d’Hurtebise (Belgien) beginnt mit einem Staunen, das uns sprachlos macht. Fünfzehn Jahrhunderte, das ist „schwindelerregend“; und doch, gerade weil unsere Zeit so sehr von Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit geprägt ist, wird das Jubiläum zu einer Einladung zum Nachdenken. Wenn etwas so lange Bestand haben kann, dann ist unsere Hoffnung vielleicht doch nicht vergeblich.

Dieses neue Jubiläumsbuch, „Orte der Hoffnung seit 529“, versammelt Zeugnisse aus der benediktinischen Welt (und weit darüber hinaus), in mehreren Sprachen und aus unterschiedlichen Kontexten, rund um eine Frage, die Abtprimas Jeremias Schröder den Mitwirkenden gestellt hat:

„Findet die Vision ‚Orte der Hoffnung‘ bei Ihnen Anklang? Welche Hoffnung sehen Sie aus dem 1500.Jahrestag der Gründung von Montecassino durch den heiligen Benedikt hervorgehen?“

Die Antworten sind reichhaltig und vielfältig, und das Buch wird 2026 als Einladung zur Vorbereitung auf das Jubiläum erscheinen. Die Autoren behaupten nicht, dass die Klöster perfekt seien oder dass die Geschichte gnädig gewesen sei. Sie sprechen vielmehr von einer Hoffnung, die Zusammenbrüche, Kriege, kulturelle Umwälzungen, innere Erschöpfung und die langsame Trauer um den Niedergang überstanden hat. Sie laden uns ein, Hoffnung nicht als Optimismus zu betrachten, sondern als Lebensweise: eine Harmonie zwischen Gebet und Arbeit, Gemeinschaft und Bekehrung, Gastfreundschaft und Beharrlichkeit.

 

Ein universeller Refrain: Ghana, „Ort der Hoffnung“

Um die wahrhaft universelle Dimension dieser Sammlung zu veranschaulichen, ist eines der eindrucksvollsten Beispiele das von Pater Louis Kwadwo Osei OSB aus Kristo Buase (Ghana). Er hebt einen wesentlichen Punkt hervor: Die Hoffnung, die vom Monte Cassino ausgeht, beschränkt sich nicht auf einen einzigen italienischen Hügel. Sie hat sich – über Kulturen, Sprachen und Kontinente hinweg – verbreitet und sich vor Ort verankert, ohne ihr Wesen zu verlieren.

Kristo Buase steht für einen Ort benediktinischer Hoffnung in Westafrika, der tief in seiner Gemeinschaft verwurzelt ist. Die Tradition ist dort lebendig. Die Regel wird auf afrikanischem Boden gelebt, in die lokalen Gegebenheiten übersetzt und durch Sprache, Musik und Gemeinschaftsleben zum Leben erweckt. Obwohl Kristo Buase geografisch weit von Montecassino entfernt ist, teilt es denselben Geist: eine Verpflichtung zu Gebet, Arbeit, Gastfreundschaft und Frieden.

 

Die „Leere“ im Zentrum: Raum schaffen für den, der Hoffnung schenkt

Schwester Myrèse entwirft ein Bild von der Quelle unserer Hoffnung: der leere Raum im Herzen der klösterlichen Architektur – der offene Platz des Kreuzgangs, die bewusste Leere des Chors, die Weigerung, jeden Winkel aus Bequemlichkeit oder Effizienz zu füllen. Warum diese Leere?, fragt sie. Zeugt sie nicht davon, dass wir nicht unser eigener Mittelpunkt sind – „dass unsere Welt von jemandem bewohnt wird, der größer ist als sie selbst“?

Das ist eine zutiefst benediktinische Frage, denn sie ist konkret. Sie geht nicht von Theorien der Hoffnung aus. Sie geht von der Form eines Ortes aus, der gebaut wurde, um immer Platz zu schaffen: Platz für Gott, Platz für die Gemeinschaft, Platz für den Gast, Platz für die Zukunft, die wir nicht beherrschen können. In dieser Leere, so suggeriert sie, lassen wir die Gegenwart Gottes – seine Hoffnung für unsere Welt – entstehen und entdecken das Paradoxon eines Lebens in Selbstverleugnung wieder.

 

Die Hoffnung, die aus den Trümmern wiederauferstehtImmer wieder kehrt das Buch nach Montecassino zurück – gegründet, zerstört, wieder aufgebaut; zerbrochen, wieder zusammengefügt; ein Symbol nicht der Unverwundbarkeit, sondern der Wiedergeburt. Diese Essays erinnern uns daran, dass Hoffnung die Verwüstung nicht leugnet; sie lehrt uns, neu anzufangen. Wer könnte dies besser beschreiben als Abt Luca Fallica von Montecassino:

„Seit meiner Ankunft im Jahr 2023 habe ich mich besonders an einen Ort in der Abtei gebunden: die ‚Zelle des heiligen Benedikt‘, die sich in dem römischen Turm befindet, den Gregor der Große im zweiten Buch der Dialoge erwähnt. Nach dem Wiederaufbau, der auf die Zerstörungen von 1944 folgte, wurden an ihren Wänden Fresken gemalt, die Szenen aus dem Leben des Benedikt darstellen – Szenen, die Gregor genau an diesem Ort ansiedelt. Zwei davon berühren mich besonders. An der linken Wand sagt Benedikt die erste Zerstörung von Montecassino durch die Langobarden im Jahr 577 voraus. Gegenüber, an der rechten Wand, betrachtet er die Seele seiner Schwester Scholastika, die in Gestalt einer Taube in den Himmel eingeht. Einander gegenüber liegend laden uns diese Szenen ein, die Tragödien der Geschichte, symbolisiert durch die Zerstörung der Abtei, im Licht der Erfüllung zu lesen, die Gott uns verspricht. Die Hoffnung braucht diese doppelte Sichtweise, vereint durch die Vision Benedikts: „Er sah die ganze Welt in einem einzigen Sonnenstrahl vereint.“

 

Hoffnung in einer erschöpften Welt: Begleitung und „Strom der Hoffnung“

Auch wenn die moderne Welt den Eindruck einer unaufhörlichen Flut schlechter Nachrichten vermitteln mag, bezeichnet Abt Christopher Jamison, OSB, Abtpräses der englischen Benediktinerkongregation (Vereinigtes Königreich), dieses Problem mit einem umgangssprachlichen Ausdruck: „angstauslösendes Scrollen“. Er stellt diesem Phänomen den Tagesrhythmus des Klosters gegenüber, wo Liturgie und Heilige Schrift eine Art „Scroll der Hoffnung“ bilden – eine geduldige, tägliche Rückkehr zur Frohen Botschaft, die nicht im Sog der aktuellen Ereignisse verschwindet.

Abt Jamison stellt eine Verbindung her zum Aufruf von Papst Franziskus zur Kunst der Begleitung, einer Art, mit anderen zu gehen und dabei den anderen als heiligen Raum zu betrachten. In dieser Perspektive ist das Kloster nicht nur ein Zufluchtsort; es ist auch eine Schule der Achtsamkeit, die die Herzen darin schult, zuzuhören, zu warten und auf das Wirken des Heiligen Geistes zu vertrauen. In einer Kultur, die Schnelligkeit schätzt, bietet das Kloster eine Alternative: eine beständige Gemeinschaft.

 

Das digitale Zeitalter: Erneuerung, ohne die Seele zu verlieren

Mehrere Beiträge sprechen offen über den Niedergang, die Erschöpfung und die Schwierigkeiten des heutigen Klosterlebens. Pater Anselmo Park OSB von der Abtei St. Benedikt in Waegwan (Südkorea), beginnt damit, den Schmerz darüber zu schildern, dass die Gemeinschaften altern, und die Angst, dass die Hoffnung erlischt. Dennoch lehnt er die Verzweiflung ab und stützt sich dabei auf das anregende Paradoxon von Thomas Merton: Die vollkommene Hoffnung findet sich am Rande der Verzweiflung, wenn sich die Kraft Gottes in unserer Schwäche offenbart.

Ausgehend von dieser Feststellung bekräftigt Pater Anselmo, dass eine glaubwürdige Hoffnung im digitalen Zeitalter eine durchdachte Erneuerung erfordert: ein Gemeinschaftsleben, das von Vertrauen und partizipativer Führung geprägt ist; eine Ausbildung, die eine Reflexion über digitale Ethik und den verantwortungsvollen Umgang mit Technologien beinhaltet; sowie Praktiken, die jedem helfen, Stille und Achtsamkeit wiederzufinden.

Das Ziel ist nicht, dem Neuen hinterherzulaufen, sondern die kontemplative Dimension zu bewahren, damit sie ein Geschenk für die Welt bleibt.

 

Ein Dienst, der die „Distanz“ des Evangeliums zur Welt offenbart

Schwester Joan Chittister OSB vom Kloster Mount Saint Benedict (USA) ist wie immer zugleich prophetisch und pragmatisch. Sie betont, dass Klöster mit ihrer 1500-jährigen Geschichte ihren Einfluss ausweiten müssen: Sie sollen zu Zentren der Kontemplation, des sozialen Bewusstseins, der spirituellen Entwicklung und des Gemeinschaftslebens werden.

Sie verdeutlicht den Sinn des klösterlichen Dienstes, indem sie die Gemeinschaften auffordert, „die Kluft zwischen der Welt, in der wir leben, und dem Evangelium, das wir verkünden“, hervorzuheben. Und sie hat einen ausgeprägten missionarischen Instinkt dafür, wo die Menschen heute stehen: Sie sind online, und dort müssen wir sein – indem wir die Glocken des Klosters auf neue Weise läuten lassen.

 

Ein Überblick über weitere anerkannte Stimmen

Neben diesen Überlegungen enthält dieser Sammelband auch Beiträge mehrerer renommierter Persönlichkeiten, die hier als Überblick vorgestellt werden:

– Abt Christian Temu OSB, Abtei Ndanda (Tansania).

– Schwester Lynn McKenzie OSB, Moderatorin der CIB (USA).

– Pater Michael Casey OCSO, Abtei Tarrawarra (Australien).

– Dr. Rowan Williams, ehemaliger Erzbischof von Canterbury (Vereinigtes Königreich).

– Schwester Mary John Mananzan OSB, Hochschule St. Scholastica (Philippinen).

– Bruder Matthew Thorpe, Prior von Taizé (Frankreich).

– Kardinal Gianfranco Ravasi (Italien).

– Schwester Asha Thayyil OSB, Priorin, Benediktinerinnen von St. Lioba (Indien).

– Pater Anselm Grün OSB, Abtei Münsterschwarzach (Deutschland).

 

Warum dieses Buch, und warum gerade jetzt?

Abt Jean Pateau OSB, Abt von Fontgombault (Frankreich), lädt uns ein, eine andere Freiheit zu pflegen. Im Vorfeld des Jubiläums fordert er den Orden auf, sich wieder auf das Leben seines Gründers zu besinnen und die Regel zu leben. Er schließt mit den Worten des heiligen Benedikt über das ultimative Mittel der Hoffnung: „Niemals an der Barmherzigkeit Gottes verzweifeln.“

Das Jubiläum ist eine Zeit der Erneuerung und der Hoffnung für die Zukunft. Es geht darum, das wiederzuentdecken, was Mauro-Giuseppe Lepori, Generalabt der Zisterzienser, die „Quelle“ von Montecassino nennt. Ein Ort wird zum Träger der Hoffnung, wenn er eine „unerschöpfliche Quelle“ des Lebens und des Friedens ist, denn dort fließt unaufhörlich lebendiges Wasser, durchdrungen von dem Charisma, das er verkörpert. Für Generalabt Lepori ist dieses Wasser die Liebe, die aus dem durchbohrten Herzen Christi sprudelt; ein Kloster wird zu einer „Quelle“, wenn die brüderliche Gemeinschaft aus der kindlichen Gemeinschaft mit dem Vater schöpft und „die Liebe zu Gott und die Nächstenliebe sich vereinen“. Die „Leere“ von Schwester Myrèse kehrt als letzte Einladung zurück. Das Zentrum gehört nicht uns. Es gehört Gott. Wenn wir diesen offenen Raum bewahren – architektonisch, spirituell, gemeinschaftlich –, dann können unsere Klöster und die Netzwerke der Freundschaft, die sie umgeben, weiterhin zu dem werden, was dieses Buch still verkündet: Orte, an denen Hoffnung nicht nur erklärt, sondern gelebt wird.

„Wacht auf!“

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Benediktinisches Jubiläum 529-2029


Benedict Nivakoff OSB

Abt von Norcia (Italien)

 

„Wacht auf!“

 

Das grosse Benediktiner-Jubiläum 2029 beginnt dieses Jahr 2026 in Norcia unter dem Motto: „Wacht auf !“, und so dachte ich, es könnte nützlich sein, die Geschichte eines anderen Erwachens zu erzählen, das sich vor einigen Jahren ereignete.

Am 24. August 2016 erschütterte ein Erdbeben die alte Stadt Norcia und das fast 2000 Jahre alte Kloster, das sich auf ihrem zentralen Platz befindet. Es war kurz nach 4 Uhr morgens, und die Mönche bereiteten sich gerade auf die Matutin vor. Wacht auf! Die Schäden am Gebäude waren zwar sichtbar, doch erst fast zwei Monate später, am 30. Oktober um 7.30 Uhr (wieder einmal: Wacht auf!), ließ ein viel stärkeres Erdbeben der Stärke 6,8 auf der Richter-Skala den Glockenturm aus dem 15. Jahrhunderts in das Kirchenschiff der Basilika aus dem 12. Jahrhundert hinabstürzen, wo er bis zur Krypta durchbrach, in der die heiligen Zwillinge im Jahr 480 geboren wurden. An diesem Tag befanden sich einige unserer Mönche direkt neben der Kirche und waren bereit, im Souvenirladen die Messe für die wenigen Gläubigen zu feiern, die in der Altstadt geblieben waren. Wie durch ein Wunder blieben sie und viele andere verschont. Es war der Tag der Zeitumstellung, und dank dieses Zufalls schliefen die meisten Menschen noch, anstatt ihren üblichen morgendlichen Beschäftigungen nachzugehen.

So traten die Mönche von Norcia in die Fußstapfen von Klöstern auf der ganzen Welt, die alle möglichen Tragödien durchlebt haben. Wie oft hatten wir im Refektorium die Geschichte berühmter Abteien gelesen, die durch Brände, Überschwemmungen oder Invasoren zerstört wurden! Man muss nur das Leben des heiligen Benedikt selbst lesen und die Vision, die er hatte, wonach ganz Montecassino dem Erdboden gleichgemacht werden würde und nur die Mönche überleben würden, um sich daran zu erinnern, wo wir in dieser Abfolge standen. Wir waren nicht allein. Und doch erkennt man, wenn ein solches Ereignis eintritt, seinen Platz in den Geschichtsbüchern nicht sofort. Überall sieht man zunächst dringendere Bedürfnisse, die es zu stillen gilt. An diesem kühlen Oktobermorgen sahen wir von unserem Aussichtspunkt am Berghang aus eine pilzförmige Rauchwolke über der Stadt aufsteigen, und wir wussten, dass das erste und dringendste Bedürfnis das der letzten Ölung war. Wacht auf! Die Brüder der Abtei erhielten den Befehl, niederzuknien und für die Toten zu beten; die Priester eilten mit Stolen und heiligen Ölen in der Hand ins Stadtzentrum.

Die Verwüstung war gewaltig, und überall lagen Trümmer auf dem Boden. Wir fanden Verletzte, aber zu unserer großen Überraschung keine Toten. Wir führten die Feuerwehrleute durch die Trümmer und die gefährlichen Straßen zu den Häusern älterer Menschen, die wir kannten und die wahrscheinlich nicht fliehen konnten. Wir mussten die Feuerwehrleute dazu drängen, die Tür des Klosters der Klarissen aufzubrechen, denn wir wussten, dass sie nur mit Gewalt herauskommen würden. Die Ersthelfer waren überzeugt, dass die Nonnen den Ort verlassen hatten. Wir waren uns sicher, dass sie noch da waren. Als die Tür schließlich aufgebrochen wurde und die Schwestern beim Beten um den Altar herum entdeckt wurden, war das für alle weniger ein Moment der Genugtuung als vielmehr des Schocks und der Freude. Aber es gab keine Zeit zu verlieren, andere Häuser mussten aufgesucht werden. Und zwar schnell.


Es mussten Bulldozer herangezogen werden, um die Wege freizuräumen und die rund 150 Menschen zu retten, die sich auf dem einzigen verbleibenden offenen Platz, dem zentralen Platz, versammelt hatten. Ein Bild, das „viral“ ging, zeigt einen knienden Mönch, der die Gläubigen im Gebet anleitet. Die anderen Mönche halfen bei der Organisation der Evakuierung. Wir haben zusammen mit den Rettungskräften Ablöse-Teams entlang des zentralen Corso geführt, nachdem der mittelalterliche Evakuierungstunnel als unzugänglich und gefährlich eingestuft worden war. Die Schwierigkeit bei Erdbeben ist, im Gegensatz zu anderen Katastrophen, dass man nie weiß, wann sie aufhören werden. Es kann alles ruhig erscheinen, ohne weitere Erschütterungen, und eine Sekunde später beginnt alles wieder zu beben und einzustürzen.

Die folgenden Tage, Wochen, Monate und Jahre brachten ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Mit Gottes Hilfe wurde so vieles, was unmöglich schien, möglich. An die Mönche und Nonnen auf der ganzen Welt, die diese Worte lesen mögen, möchte ich erinnern, dass unser Gelübde der Conversatio oft auf die unerwartetste Weise gefordert wird. Am Tag unserer Profess hört jeder Mönch die Worte: „Surge qui dormit, steh auf, du Schläfer! Wach auf !“ Und natürlich glauben wir an diesem Tag, dass wir gerade erst aufgestanden sind. Doch Gott hat so viele andere Momente im Sinn, so viele andere „Aufrufe zum Erwachen“. Hätten wir diesen Weg angenommen, wenn wir gewusst hätten, was uns erwartet? Vielleicht nicht. In Gottes Weisheit sagen wir oft „Ja“ zu Gott, zum Erwachen, wenn wir noch sehr jung sind und es einfach erscheint. Und genau wie in der Ehe können Jahre, ja sogar Jahrzehnte vergehen, bevor der Ruf zum Erwachen (oder zum Hören, wie es die ersten Worte des Prologs sagen) endlich wirklich gehört wird. In diesem Moment sind es die kleinen „Ja“, die wir unser ganzes Leben lang ausgesprochen haben, oft in ganz unbedeutenden Bereichen, die uns helfen werden, „Ja“ zu einem großen „Ja“ zu sagen. Oder es wird das erste Mal sein, dass so viele zuvor ausgesprochene „Neins“ zu unserem ersten wirklichen „Ja“ werden.

Dame Hilda Wood

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Zeugen für das Monastische Leben

Benediktinerinnen der Abtei Stanbrook

England

 

Dame Hilda Wood

1934-2025

 

Schwester Hilda Wood Hilda war fast 70 Jahre lang Ordensschwester in Stanbrook (Vereinigtes Königreich). Die englische Benediktinerkongregation, zu der Stanbrook gehört, ist historisch gesehen eine Missionskongregation. Während Mönche und Schwestern auf Mission gingen, setzte sich Schwester Hilda vom Kloster aus mit Hingabe und Liebe für Gemeinschaften auf der ganzen Welt ein, die nach der Regel des heiligen Benedikt leben. Sie gehörte der AIM von Anfang an an und erzählte oft, wie sehr sie die Zusammenarbeit mit P. Marie-Bernard de Soos schätzte, der 1984 Präsident der AIM wurde. Von ihrem „Taubenschlag“ aus, ihrer kleinen, dunklen Zelle im fünften Stock des Klosters von Worcester, verteilte sie Spenden an bedürftige Klöster, sammelte gebrauchte klösterliche und spirituelle Bücher und verschickte sie auf dem Landweg in alle Welt (und wunderte sich über die langsamen Antworten!). Sie übersetzte den Kurs über klösterliche Spiritualität von Luc Bresard OCSO aus dem Französischen ins Englische und wirkte an der Herausgabe der Reihe „Zeugen Christi“ mit, einer Sammlung frühchristlicher, patristischer und klösterlicher Texte. Sie arbeitete hauptsächlich an der englischen Ausgabe des Bulletins, übersetzte die Artikel bei Bedarf aus dem Französischen und setzte sie für den Druck. Das war zweifellos ihre belastendste Arbeit, wie Mitglieder ihrer Gemeinschaft bezeugen können, denn in der Zeit vor jeder Veröffentlichung war sie ein wenig gereizt! Aber sie erholte sich schnell davon und war immer zu Recht stolz auf das Endergebnis. Sie kannte den Namen und die Geschichte fast aller Klöster, die von der AIM unterstützt werden. Von Zeit zu Zeit fuhr sie zu Treffen nach Vanves und genoss es, die erste Schwester aus Stanbrook zu sein, die den brandneuen Eurostar benutzte.

Sie unternahm nur eine einzige lange Reise, nämlich nach New Orleans, einen Aufenthalt, den sie sehr genoss, und bei ihrer Rückkehr versuchte sie – erfolglos und zur großen Belustigung vieler – den so besonderen New-Orleans-Akzent nachzuahmen. Die Liturgie und die Lectio waren ihr ganzes Leben. Solange sie konnte, feierte sie den Gottesdienst in der Kirche mit der Gemeinschaft. Streng, genügsam und von fast schon zwanghafter Akribie ließ sie den ganzen Tag über nur ein einziges Buch in ihrer Zelle liegen: ihre Bibel, die während ihrer täglichen Lectio auf ihrem Schreibtisch aufgeschlagen war.

Nach einem Sturz, bei dem sie sich die Hüfte brach, verbrachte Schwester Hilda die letzten Tage ihres Lebens in einem Altersheim. Bis zum Schluss tapfer, begann sie, Gott vorzuwerfen, sie so lange am Leben gelassen zu haben; sie sehnte sich danach, bei ihm zu sein. In den frühen Morgenstunden des 3. September 2025, dem Festtag des heiligen Gregor des Großen, der die Bekehrung der Engländer einleitete, entschlief sie, bereit, in der Gegenwart Gottes für die Ewigkeit zu leben. Man hätte sie fast zu Gott sagen hören können: „Endlich!“

Augustine Baker OSB – Benediktinische Wegweisung für das 21. Jahrhundert?

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Zeugen für das Monastische Leben

Laurentia Johns OSB

Abtei Stanbrook (England)

 

Augustine Baker OSB (1575–1641) –

Benediktinische Wegweisung

für das 21. Jahrhundert?

 

„… Soll ich den Weg, der ins Paradies führt, in einem Wort zusammenfassen? Es ist eure Regel, haltet euch genau daran; sie wird eure Seelen vor der Hölle retten.“

Augustin Baker, Geistliche Abhandlung (um 1627)


Wer war Pater Augustin Baker?

Augustine (David) Baker war ein britischer Benediktinermönch und Priester, geboren in Wales in einer Familie, die sich äußerlich der anglikanischen Kirche angeschlossen hatte. Von Beruf Rechtsanwalt, wurde er nach einer tiefgreifenden Bekehrung im Alter von fünfundzwanzig Jahren Katholik, Mönch und schließlich Priester. Baker war einer der Gründerv.ter der „modernen“ oder „wiederhergestellten“ englischen Benediktiner-kongregation. Sein juristisches Werk ist der Ursprung von Apostolatus Benedictinorum in Anglia (1626), einem imposanten Werk, das die Kontinuität zwischen den Benediktinern vor und nach der Reformation in England aufzeigen soll. Er identifiziert vier Gaben (Charisma), die das benediktinische Leben in England seit dem frühen Mittelalter prägen: die feierliche Feier des Stundengebets, die Gastfreundschaft, die Klausur und das Studium. Als englischer Benediktinermönch und Priester, der sich in Frankreich niedergelassen hatte, zu einer Zeit, als es in Großbritannien illegal war, das Priesteramt auszuüben, widmete Baker mehrere Jahre der gefährlichen Mission, der katholischen Bevölkerung Englands zu dienen. Er starb 1641 an Fieber in der von der Pest heimgesuchten Stadt London.

Die fruchtbarsten Jahre für sein schriftliches geistliches Werk waren jene, die er im neu gegründeten Benediktinerkloster in Cambrai in Flandern (heute die Abtei Stanbrook in England) verbrachte. Dorthin wurde er 1624 vom Abt Rudesind Barlow entsandt, als Antwort auf eine Bitte der Nonnen, die sich einen geistlichen Begleiter wünschten, der sie in das kontemplative Gebet einführte. Zwischen 1624 und 1633 verfasste A. Baker etwa vierzig Abhandlungen für die junge Gemeinschaft, in denen er erklärte, wie man ein Leben des Gebets im benediktinischen Kontext führt. Nach seinen eigenen Worten ging es darum, „innere Wesen“ zu werden. Diese Abhandlungen, oft Zusammenstellungen mündlicher Vorträge, sind in der Regel kurz und praxisorientiert und behandeln Themen wie Unterscheidung, Beichte und Anweisungen zur Kontemplation. Seine Übersetzung und sein Kommentar zur Regel des heiligen Benedikt, die er 1633 der Äbtissin Catherine Gascoigne von Cambrai schenkte, umfassen jedoch fast 500 Seiten. Baker war zudem ein produktiver Sammler, Übersetzer und Herausgeber von Werken, die den Geist und das Herz seiner jungen Schützlinge nähren sollten: die Apostel, die Wüstenväter, Cassian, die Kirchenväter und näher liegende Zeitgenossen wie Louis de Blois (1506–1566) sowie zahlreiche mittelalterliche spirituelle Autoren.

Was kann Bakers Lehre den Mönchen und Nonnen heute bieten? Augustin Baker schrieb seine Abhandlungen für unerfahrene Benediktinerinnen – für Anfängerinnen, wie uns der heilige Benedikt in Erinnerung ruft. Man sagt, dass die Werke vonBaker etwa eine Million Wörter umfassen, doch wie die Passage am Anfang dieses Artikels zeigt, ist seine Lehre im Wesentlichen einfach: Befolgt die Regel! Wie jeder Ausleger hat er jedoch eine besondere Herangehensweise an die Regel, die dieser Artikel zu skizzieren versucht.


Überblick

„Die Kontemplation oder (was ein und dasselbe ist) das geistliche Gebet und dessen Vervollkommnung ist das Ziel unserer Regel und unseres Gelübdes.“[1]

Obwohl die Benediktusregel dem Gebet nur ein kurzes Kapitel widmet, zielt sie für Baker darauf ab, ihre Anhänger zur Vereinigung mit Gott zu führen – eine Vereinigung, die erst im Jenseits vollständig sein wird, aber schon hier auf Erden beginnen kann und dem klösterlichen Leben Energie und Richtung verleiht. Das ist keine neue Idee. Mehr als ein Jahrtausend vor Baker schrieb Johannes Cassian:

„Das ganze Ziel des Klosterlebens und sogar die Vollkommenheit seines Herzens lassen sich auf diese völlige und ununterbrochene Hingabe an das Gebet zurückführen.“[2]

Das klösterliche Streben war schon immer das nach diesem ununterbrochenen Kontakt mit Gott, einer Vorwegnahme des ewigen Lebens. Und zwar nicht als Ausnahme, die Mönchen und Nonnen vorbehalten ist, sondern für alle, die ihre Taufgabe als Christen ernst nehmen. Der Apostel Paulus ermahnt die Thessalonicher, „ohne Unterlass zu beten“ (1 Thess 5,17), das heißt, ihr Leben ganz auf das Reich Gottes auszurichten. So ist für Baker das Gebet ein Prisma, durch das man die gesamte Regel betrachten kann. Er identifiziert sieben Stellen in der Regel, an denen die Vereinigung mit Gott besonders deutlich zum Ausdruck kommt (RB Prol. 2; 7, 67–70; 58, 7; 62, 4; 64, 17–19; 71; 72). Dieser Ansatz, der das Ziel oder das griechische „Telos“ der Regel in den Mittelpunkt stellt, ist wertvoll: Er erinnert uns daran, warum wir ins Kloster gekommen sind – im Idealfall, um Gott zu suchen. Und er bewahrt uns davor, uns in Details, Vorschriften oder Bräuchen zu verlieren. Nicht, dass diese unwichtig wären…


Die Mittel – der Weg zur Vereinigung mit Gott

Für Baker sind die Mittel, um dieses Ziel – die Vereinigung mit Gott – zu erreichen, genau das, was die Regel ihren Anhängern vorschreibt, was man unter dem Gelübde der conversatio morum zusammenfassen kann. Er zählt auf:

„Gehorsam, Leiden, Schweigen, Einsamkeit, Lesen, Arbeit, Verzicht auf den eigenen Willen, Fasten, Enthaltsamkeit…“[3].

Und natürlich die beständige Ausübung von Demut und Nächstenliebe.

Auch das Gebet ist zugleich Mittel und Zweck – oder das telos – der Regel, sei es das gesprochene Gebet des Stundengebets oder das persönliche Gebet. Baker empfahl zwei Zeitabschnitte von jeweils dreißig Minuten pro Tag, die dem stillen und kontemplativen Gebet in Erwartung Gottes gewidmet sind. Das Wesentliche ist die Treue zu dieser Praxis gegen alle Widerstände, indem man versucht, die von Gott gegebene innere Fähigkeit zur Gemeinschaft mit Ihm aufsteigen zu lassen, oder besser gesagt, sich von Gott anziehen zu lassen. Er ermutigte die jungen Nonnen, insbesondere zu Beginn ihrer spirituellen Ausbildung, sich ein Repertoire an kurzen Sätzen anzulegen, vielleicht Verse aus einem Psalm oder einem spirituellen Buch, um ihr Verlangen zu nähren und auf das „Einzige Notwendige“ konzentriert zu bleiben. Wir hören hier erneut das Echo der Lehre Cassians, wonach die Mönche häufig wiederholen sollten: „O Gott, komm mir zu Hilfe, Herr, eile mir zu Hilfe“ (Ps 69/70,2).

Persönlich habe ich diesen Ansatz – der darin besteht, die alltäglichen Details des Lebens in eine größere Perspektive zu rücken – als hilfreich empfunden, um die äußeren Praktiken des Klosterlebens und das innere Leben des Geistes zu integrieren, ganz im Sinne dessen, was der Mönch des heiligen Benedikt im zwölften Grad der Demut zum Ausdruck bringt (RB 7,62–70). In einer zersplitterten Welt, in der Mönche und Nonnen so oft in alle Richtungen hin- und hergerissen sind, kann eine solche Integration von großem Nutzen sein und zu einer gewissen Einfachheit und Fülle führen.


Freiheit des Geistes

Es ist interessant festzustellen, dass Thomas Merton seinen Novizen die Schriften von Pater Baker und Dame Gertrude More vorstellte, insbesondere zum Thema, was die Heiligung durch den Heiligen Geist, die das klösterliche Leben (conversatio) im Mönch oder in der Nonne bewirkt. Obwohl Mertons Behauptung, die Nonnen hätten „die tägliche Gewissensprüfung abgeschafft“[4] , übertrieben ist, wies Baker von allzu häufigen und wiederholten Beichten sowie von Skrupulosität ab, die er als „eine der größten Plagen der geistlichen Vollkommenheit“ betrachtete und die „jene freudige Freiheit des Geistes“ behinderten, „die eine Seele haben sollte, um im Gebet mit Gott zu sprechen“. Er befürwortete vielmehr „eine demütige Läuterung aller Fehler [des Bü.ers] in einem einzigen Schritt, im himmlischen Feuer … der Liebe Gottes“ (STABC, S. 3–4).

Die innere Freiheit, zu deren Pflege Bakers Lehre bei denen beitrug, die seinem spirituellen Weg folgten, steht im Einklang mit den heutigen Bestrebungen nach reifem Gehorsam und persönlicher Verantwortung. Zu lernen, tief auf die Eingebungen des Heiligen Geistes zu hören und stets bereit zu sein, diese bei Bedarf mit einem erfahrenen Ältesten zu besprechen, entwickelt eine innere Stärke, die es ermöglicht, die Risiken geistlichen Missbrauchs, die in der klösterlichen Welt leider vorhanden sind, zu erkennen und ihnen hoffentlich entgegenzuwirken. Wie der Brief an die Epheser betont:

„Stärkt euch im Herrn und in der Kraft seiner Macht … damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt … Denn wir haben nicht gegen Menschen zu kämpfen, sondern gegen … die Mächte der Finsternis in den himmlischen Regionen … Seid beharrlich im Gebet und in der Fürbitte; betet zu jeder Gelegenheit in der Kraft des Geistes…“ (Eph 6,11-18)

Das kontemplative Gebet ist eine wertvolle Stütze, um unser Gelübde der Beständigkeit zu halten.


Ein wachsender Einfluss

„Das Glück des Menschen liegt im Glück seiner Seele. Und die Seele kann das Glück nur in der Vereinigung mit Gott finden, für den sie geschaffen wurde…“[5]

Augustin Baker, eine nach wie vor umstrittene Persönlichkeit, hat stets großes Interesse geweckt. Ein internationales Kolloquium, das im Jahr 2000 in Abergavenny, seiner Geburtsstadt, zum Gedenken an den 400.Jahrestag seiner Bekehrung organisiert wurde, zog eine große Zahl von Teilnehmern an, unter denen Mönche und Nonnen in der Minderheit waren.[6] Bezeichnenderweise fand das von einem Laien organisierte Kolloquium in einem Gymnasium und nicht in einem Kloster statt: Bakers Lehre über das Gebet strahlte weit über die Mauern eines Klosters hinaus und überdauerte die Jahrhunderte, da sie jene innere Leere anspricht, jenes Bedürfnis nach Gott, das allein für Gott geschaffen ist. Zum Teil deshalb, weil Baker seine Anhänger dazu anregte, auf die Stimme des Heiligen Geistes in sich zu hören – „ihre Berufung zu betrachten“, wie er es ausdrückte –, war seine Lehre zu seiner Zeit umstritten, da die Häresie des „Illuminismus“ damals weit verbreitet war. Dennoch ist die anhaltende Anziehungskraft der Schriften von Baker ebenfalls überraschend.Obwohl er ein Zeitgenosse von William Shakespeare (1564–1616) war, beherrschte unser Autor die englische Sprache nicht so gut wie der Dramatiker: Es war nicht seine Muttersprache. Viele seiner Werke, die von einem anderen Mönch der englischen Benediktinerkongregation, Dom Serenus Cressy (1605–1674), zusammengestellt und gekonnt herausgegeben wurden, erschienen 1657 unter dem Titel Sancta Sophia. Dieses Werk, das nach wie vor umfangreich (etwa 20.000 Wörter) und schwer zu lesen ist, trug dennoch dazu bei, Bakers Ruf als geistlicher Führer zu festigen, und ist seitdem ununterbrochen im Umlauf. Indem Cressy dem Werk Bakers Version des Gleichnisses vom Pilger aus Hiltons „Die Leiter zur Vollkommenheit“ (14. .Jh.) voranstellte, lieferte er einen Schlüssel zum Verständnis von Bakers Lehre: „Ich bin nichts, ich besitze nichts, ich suche nichts anderes als die Liebe Jesu“. Es handelt sich um dieses Gebet des Herzens („Gebet des Willens“ im Mittelalter), diesen Wunsch, auf die Liebe Gottes zu antworten: das Wesen von Bakers Lehre über das Gebet.

In den letzten vierzig Jahren sind dank der engagierten Arbeit von Reverend John Clark und der aufschlussreichen Herausgabe durch James Hogg und seine Mitarbeiter, die Herausgeber der Reihe Analecta Cartusiana, kritische Ausgaben der Originalabhandlungen von Baker erschienen, die Zugang zu seiner eigenen Stimme bieten. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um diese Schätze der Öffentlichkeit des 21. Jahrhunderts zugänglich zu machen. Ein unmittelbarer Vorteil liegt darin, dass, wie bereits erwähnt, die Originalwerke meist recht kurz und auf ein bestimmtes Thema konzentriert waren. Im Allgemeinen erscheint der Baker, der aus diesen Originaltexten hervorgeht, menschlicher, humorvoller und pragmatischer. So empfiehlt er beispielsweise im Rahmen eines typischen Klosteralltags eine Zeit der „Ruhe und Untätigkeit“ für die Gelassenheit von Körper und Geist (STABC, Teil „C“; vgl. RB 48, 5) und schlägt den Nonnen vor, schriftliche Erinnerungen an spirituelle Gebote an Orten anzubringen, wo sie diese während ihrer täglichen Aktivitäten sehen können.

Die Lehre Bakers strahlt auch heute noch aus. Kürzlich veröffentlichte ein amerikanischer Benediktineroblate eine leicht zugängliche Ausgabe einiger Schriften von Dame Gertrude More, zweifellos der bekanntesten und produktivsten Schülerin und Mitarbeiterin von Pater Baker[7]. Lassen wir Dame Gertrude mit einem Gebet schließen, das sie verfasst hat und das von der Bedeutung des aufmerksamen Lesens der Kirchenväter zeugt, zu dem sie von ihrem Mentor, Pater Baker, ermutigt wurde. Dieses Lesen nährte ihre Frömmigkeit, nährte ihr Gebet und stützte sie in schwierigen Zeiten:

„Du bist der Gott des Friedens. Schenke mir deine wahre Liebe, die Quelle des Friedens. Meine liebste Frau, [mögen alle Engel und Heiligen für uns beten]… und auch mein geliebter Vater und Schutzpatron, der heilige Augustinus, den du mir geschenkt hast… damit er mir in meinen Zweifeln und Ängsten beistehe, mich durch seine Bücher ermutige, auf Gottes Vergebung für meine unzähligen Sünden zu hoffen, und meine Seele durch seine Worte entflamme, damit ich deine göttliche Liebe suche und nach ihr strebe… Amen.“ (Auszug aus dem 18. Bekenntnis, veröffentlicht in Paris im Jahr 1658)

Eine so ernsthafte Lektüre, wie sie Benedikt in RB 73 empfiehlt und die eine weitere Säule der Lehre von Pater Baker darstellt, ist eine wertvolle Stütze für alle, die heute dem benediktinischen Weg folgen.


1. Augustin Baker, Das Leben und Sterben von Dame Gertrude More, hrsg. Wekking, S. 147.

2. Eröffnung der IX. Konferenz, Über das Gebet.

3. The Substance of the Rule of St. Benedict, SAP, 1981, S. 1.

4. Thomas Merton, Mystiker und Zen-Meister, New York, 1967, S. 164.

5. The Substance of the Rule of St. Benedict, S. 11.

6. Die Tagungsberichte dieses Kolloquiums sind nach wie vor einer der umfassendsten und nützlichsten Leitfäden zu Baker und seinem Werk: That Mysterious Man: Essays on Augustine Baker OSB, hrsg. von Michael Woodward, Three Peaks Press, 2001.

7. Poems and Counsels on Prayer and Contemplation by Dame Gertrude More, hrsg. von Jacob Riyeff, Gracewing, 2020.

Das Heilige Jahr 2025 in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern

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Nachrichten

Ludovico Torris OSB

Sankt Paul vor den Mauern (Italien)

 

Das Heilige Jahr 2025 in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern

 

 

 

Am 28. Dezember 2025 endete mit dem feierlichen Ritus der Schließung der Heiligen Pforte der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern, unter dem Vorsitz von Kardinal-Archipresbyter Michael James Harvey, das reguläre Heilige Jahr 2025, das von Papst Franziskus mit dem Schreiben Spes non confundit verkündete Jubiläum.

Während des gesamten Heiligen Jahres kamen Gläubige aus aller Welt nach Rom, um ihre Verbundenheit mit dem Heiligen Vater und der Kirche von Rom, der Wiege des Christentums, zum Ausdruck zu bringen. Diese Gemeinschaft zeigte sich in besonderer Weise durch die Pilgerfahrt zu den vier päpstlichen Basiliken, insbesondere zu den Basiliken der Heiligen Apostel Petrus und Paulus, den bevorzugten Orten des Gebets, der Bekehrung und des erneuerten Glaubensbekenntnisses.

Die Basilika St. Paul vor den Mauern war aufgrund ihrer Lage in der Stadt Rom und ihrer imposanten Größe, die es ihr ermöglicht, bis zu 8.000 Gläubige aufzunehmen, besonders stark in das Leben des gerade zu Ende gegangenen Jubiläums eingebunden. Der Pilgerstrom war das ganze Jahr über konstant und zahlreich, mit einem leichten Rückgang im August, der von den hohen Sommertemperaturen in Rom geprägt war. Wir haben Gläubige aller Sprachen und Nationen in die Basilika kommen sehen: Männer und Frauen, die im Gebet vor dem Grab des Apostels der Heiden innegehalten haben, die im Glauben die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie gefeiert haben, oft in Begleitung ihrer Seelsorger, Priester und Bischöfe.


Die Basilika St. Paulus war auch Schauplatz mehrerer Jubiläumsveranstaltungen, die im offiziellen Kalender vorgesehen waren: darunter das Jubiläum der Katecheten, der in Justizvollzugsanstalten tätigen Aufseher, verschiedener Ritterorden (wie des Souveränen Malteserordens), der Soldaten und bestimmter Nationen, die über ihre Diözesen und Pfarreien regelrechte Pilgerreisen nach Rom organisiert haben, wie im Falle Kroatiens. Es handelte sich nicht um einfache touristische Reisen, sondern um echte Glaubenswege. Wir haben die Gesichter zahlreicher Pilger betrachtet, die die Heilige Pforte durchschritten, erfüllt von Freude und Hoffnung, vor allem nach der langen und schmerzhaften Zeit, die von der Covid-19-Pandemie und den Kriegen geprägt war, die noch immer verschiedene Teile der Welt heimsuchen.

Das Heilige Jahr hat sich einmal mehr als kostbares Geschenk des Herrn an seine Kirche erwiesen: eine günstige Zeit der Gnade, die durch den Dienst des Heiligen Vaters allen geschenkt wurde, die einen Weg der Bekehrung und des Glaubens beschreiten oder erneuern möchten. Auch wir, die Hüter der Basilika St. Paul vor den Mauern, konnten uns über den Dienst freuen, den wir in verschiedenen Formen geleistet haben: das Hören der Beichten, die Begleitung von Gruppen, die Betreuung der Pilger. Alles verlief in einer Atmosphäre großer Gelassenheit und ohne besondere Zwischenfälle.

Wir danken dem Herrn für diese Erfahrung der Gnade, für die Kräfte, die uns im täglichen Dienst geschenkt wurden, und für die vielen Gläubigen, die beim Besuch der Basilika Sankt Paul vor den Mauern bereichert durch das Glaubenszeugnis des Apostels Paulus, das im Wort verkündet und in evangelischer Nächstenliebe gelebt wurde, in ihre Gemeinden zurückgekehrt sind.

13. Treffen der Benediktiner von Ostasien und Ozeanien (BEAO)

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Nachrichten

Nicholas Koss OSB

 

13. Treffen der Benediktiner

von Ostasien und Ozeanien (BEAO)



 

Das 13..Treffen der Benediktiner aus Ostasien und Ozeanien fand vom 13. bis 17. Oktober 2025 in Kloster Thien Binh statt. Dieses Kloster liegt östlich von Ho-Chi-Minh-Stadt und gehört zur Kongregation von Subiaco-Montecassino. Das vorhergehende 12..Treffen der BEAO fand 2018 in Taiwan statt.

Insgesamt nahmen 47 Personen an der BEAO-Tagung im Jahr 2025 teil. Unter denjenigen, die nicht aus Ostasien oder Ozeanien kamen, befanden sich verschiedene benediktinische Verantwortliche, darunter Abtprimas Jeremias Schröder und sein Sekretär P. Patrick Carter; Abt Bernard Lorent Tayart, Präsident der AIM; Pater Cyprian Consiglio, Generalsekretär von DIM-MID (Dialogue Interreligieux Monastique); Abt Javier Aparicio Suárez, Präsident der Benediktinerkongregation von Sankt Ottilien; und Abt Ignasi Fossas, Präsident der Kongregation von Subiaco-Montecassino.

Die 41 Teilnehmer, die die Benediktinergemeinschaften der BEAO vertraten und zu denen Oberen sowie Vertreter von Oberen gehörten, kamen aus folgenden Ländern: Australien (1 Teilnehmer), China/Taiwan (5 Teilnehmer), Japan (3 Teilnehmer), Korea (8 Teilnehmer), Philippinen (17 Teilnehmer), Vietnam (7 Teilnehmer).



P. Philippe Minh Vu Ngoc Tuy, Prior des Klosters Thien Binh, und Bruder Nicholas Koss vom Priorat Wimmer in Taiwan waren die Hauptorganisatoren des Treffens. Die Gottesdienste und die Eucharistiefeier wurden gemeinsam mit der Benediktinergemeinschaft von Thien Binh begangen.

Nach den Begrü.ungsreden begann die Vorstellung der Gemeinschaften, die sich über die folgenden Tage fortsetzte.

Pater Cyprian Consiglio, Generalsekretär des DIM-MID, stellte die Arbeit dieser Organisation vor und berichtete von einem Gespräch, das er mit Gianni La Bella, dem Verantwortlichen der Gemeinschaft Sant’Egidio (Rom), über den Ort des Mönchtums in der Welt geführt hatte. Gianni La Bella war der Ansicht, dass das Mönchtum der heutigen Welt angesichts dessen, was er als „Materialismus und Mangel an Sinn für Transzendenz“ bezeichnete, vier wichtige Dinge zu bieten habe:

1. Enthaltsamkeit, d.h. eine nicht konsumorientierte Lebensweise.

2. Ein Zeugnis für die Einheit der Menschheit.

3. Eine Lebensweise, die „ora, labora, studia“ vereint.

4. Innerer Frieden, der zu äußerem Frieden führt.

Pater Cyprian befasste sich mit dem vierten Punkt: Wie können wir als Mönche und Nonnen die Saat des Friedens säen, insbesondere durch den interreligiösen Dialog?

Pater Cyprian hob die vier Arten des Dialogs hervor, die das Dikasterium für den interreligiösen Dialog fördert: den Dialog des Lebens, den Dialog des Handelns, den Dialog des theologischen Austauschs und den Dialog der religiösen Erfahrung. Im Dikasterium wird derzeit ein neues Dokument zur christlichen Spiritualität des interreligiösen Dialogs vorbereitet.

Am Dienstag, dem 14. Oktober, wurde die Eucharistiefeier von Erzbischof Marek Zalewski, dem in Singapur akkreditierten und in Vietnam ansässigen Nuntius, zelebriert.

Am Nachmittag präsentierte Abtprimas Jeremias Schröder Neuigkeiten aus der Benediktinerkonföderation: die zahlreichen Studenten in Sant’Anselmo, die neuen Kommunikationsmittel (Nexus, das Rundschreiben an die Präsides, Facebook); die Treffen der Verantwortlichen von OSB, CIB, OCSO, OCist; den kommenden Catalogus und den neuen OSB-Atlas; die Entwicklungen der AIM; die jüngste Synode der Präsidenten in Montserrat in gemeinsamer Sitzung mit der Delegiertenkonferenz der CIB; die neue Kommunikationsplattform zwischen der Konföderation und der CIB; das Wohnheim für Ordensstudientinnen in Rom.

Abtprimas Jeremias stellte die Herausforderungen des Benediktinerjubiläums 2029 vor, dessen Umsetzung und Vorbereitung bereits 2026 beginnen und für das jede Gemeinschaft weltweit eingeladen ist, sich zu engagieren. Der Abtprimas schlug eine engere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften des BEAO an, insbesondere durch die Schaffung von Ausbildungsmodulen, eines Studienhauses usw.

Es wurde vorgeschlagen, das BEAO auf die trappistischen Gemeinschaften auszuweiten und diese zunächst zur nächsten Versammlung einzuladen.

Am Mittwoch, dem 15. Oktober, wurde das Internationale Komitee des BEAO in einen Lenkungsausschuss mit einem Vorsitzenden umgewandelt. Die Teilnehmer der Sitzung wählten Schwester Megan Kahler (Kongregation der Benediktinerinnen vom Guten Samariter) zur neuen Vorsitzenden. Die Mitglieder dankten Bruder Nicholas Koss herzlich für sein Engagement und seinen unermüdlichen Einsatz während vieler Jahre im BEAO.

Die Überlegungen zu den Vorschlägen des Abtprimas bezüglich der Ausbildung und der Einrichtung von Ausbildungswegen und Studienhäusern wurden fortgesetzt. Abt Bernard Lorent Tayart, Präsident der AIM, stellte die Entwicklungen und Perspektiven der Vereinigung vor: die neuen Statuten, den Moderationsrat, die vier neuen Ausschüsse (Finanzen, Projekte, Ausbildung, Kommunikation) die einmal jährlich tagende Versammlung, der der Moderationsrat, die Präsides der internationalen Kongregationen, die Delegierten der großen regionalen Organisationen (BEAO, ISBF, EMLA, Afrika), die Delegierten der Zisterzienser und Trappisten, der Sekretär des DIM, der Direktor der AIM-USA sowie die Mitglieder der Ausschüsse angehören. Abt Bernard stellte die den Gemeinschaften im Jahr 2025 gewährten finanziellen Hilfen vor, anschließend das AIM-Bulletin, das in sechs Sprachen erscheint und an Gemeinschaften weltweit verschickt wird. Der Vorstand des BEAO muss einen Delegierten für die AIM-Versammlung wählen.

Die Eucharistiefeier wurde von Primas Jeremias geleitet. Am Nachmittag begannen die Gruppendiskussionen zu drei wichtigen Themen: das Leben und die Probleme einer kontemplativen Gemeinschaft (Umgang mit sozialen Netzwerken, Engagement in der Gemeinschaft und unterschiedliche Lebensrhythmen unter den Ordensleuten, Generationskonflikt – insbesondere in Bezug auf Sensibilität und Gehorsam), Krisen in der Lebensmitte (Wege zur Bewältigung von Krisen), Hilfe für die Kirche in China.

Pater Nguyen Van Am, Salesianer Don Boscos, hielt einen Vortrag über die Kirche in Vietnam: „Die Kirche in Vietnam: in den Turbulenzen der Geschichte und beim Aufbau des Reiches Gottes“.


Am Abend wurden die Diskussionsrunden zu zwei weiteren Themen fortgesetzt: die Benediktineroblaten und die mögliche Zusammenarbeit zwischen den Benediktinergemeinschaften in Ostasien und Ozeanien. Jedes Kloster stellte den aktuellen Stand seiner Oblaten-Gemeinschaft und seine laufenden Ausbildungsprogramme vor. Die Berichte hoben die Maßnahmen hervor, die entwickelt wurden, um die Oblaten in ihrem spirituellen Wachstum, ihrem Engagement im Gebet und ihrer aktiven Teilnahme am Apostolat zu begleiten. Das Treffen bekräftigte, wie wichtig es ist, die Ausbildung der Oblaten zu stärken, damit sie die benediktinischen Werte des Gebets, der Arbeit und des Gemeinschaftslebens in ihren jeweiligen Lebensumständen tiefer leben können. Es wurde vereinbart, dass eine kontinuierliche Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Klöstern und ihren Oblatengemeinschaften gewährleisten wird, dass die Mission des Ordens mit neuem Eifer und neuer Treue erfüllt wird.

Schwester Megan Kahler stellte einige mögliche Ansätze für die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften vor: gemeinsame jährliche Exerzitien, Gemeinschaftserfahrungen, Studienaufenthalte in Europa, Englischunterricht mit Tutor, gemeinsame Online-Module, Inkulturation der Ressourcen (Übersetzung der Grundlagentexte) sowie klösterlicher Austausch wie Besuche in den Gemeinschaften.

Am Donnerstag, dem 16. Oktober, wurde die Messe aufgrund der Abreise um 7 Uhr zum Besuch von Ho-Chi-Minh-Stadt bereits um 5 Uhr gefeiert. Abt Ignasi, Präsident der Kongregation von Subiaco-Montecassino, leitete die Feier. Am Ende der Messe dankte er der Gemeinschaft von Thien Binh auf Englisch und Französisch für ihren wunderbaren benediktinischen Empfang.

Die Mitglieder der BEAO besuchten das Pastoralzentrum Johannes Paul II., ein ehemaliges Diözesanseminar, das 1975 von den Kommunisten beschlagnahmt und 1990 der Kirche zurückgegeben wurde. Dort erläuterten Pater Peter Nguyen Van Hien, Leiter der Katechetischen Kommission der Diözese, und anschließend Pater Xavier Bao Loc, Leiter der Kommission für interreligiösen Dialog, der Gruppe die Situation und die Perspektiven dieser Kommissionen.

Nach dem Besuch des Stadtmuseums und einem ausgezeichneten Essen im Restaurant endete der Besuch in der Kathedrale, die derzeit renoviert wird. Obwohl sie für die Öffentlichkeit geschlossen war, erhielt die BEAO-Gruppe die Erlaubnis, sie zu betreten.

Der Tag und die Versammlung des BEAO endeten mit einem Abend, an dem jedes vertretene Land eingeladen war, zu singen, zu tanzen oder eine Darbietung im Zusammenhang mit seiner Kultur zu präsentieren.

Am Freitag, dem 17. Oktober, war der Tag der Abreise nach intensiven Momenten, die von brüderlichem und konstruktivem Austausch geprägt waren.

13. Treffen der benediktinischen Klöster Lateinamerikas

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Nachrichten

Cristina Lavinhati OSB


13. Treffen der benediktinischen

Klöster Lateinamerikas (EMLA)

Geschwisterliche Klöster

für eine geschwisterliche Welt

 

 

Vom 3. bis 10. November 2025 fand in der Stadt Salvador im Bundesstaat Bahia das 13..Lateinamerikanische Mönchs- und Nonnen-Treffen (EMLA) statt, das von der UMLA – der Lateinamerikanischen Mönchs- und Nonnen-Union – organisiert wurde. Aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas und der Karibik kamen Benediktiner, Zisterzienser und Trappisten sowie Benediktinerinnen und Zisterzienserinnen in der Hauptstadt Bahias zusammen und brachten den Reichtum ihrer Traditionen, Sprachen und Erfahrungen mit. Eine Woche lang wurde Salvador zu einem Ort der Begegnung, des Zuhörens und der tiefen Gemeinschaft, an dem Gemeinschaften willkommen waren, die nach der Regel Benedikts leben. Die Eröffnungsmesse wurde von Emanuel D’Able do Amaral OSB, dem Abt-Präses der brasilianischen Benediktinerkongregation geleitet.

Inspiriert vom Thema „Geschwisterliche Gemeinschaften für eine geschwisterliche Welt“ und geleitet vom evangelischen Motto „Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt “ ( Joh 17,21), fand das Treffen im Ausbildungszentrum für Führungskräfte (CTL) der Erzdiözese São Salvador da Bahia statt, das in der Region Itapuã, einem Küstengebiet der Hauptstadt, liegt, das sich durch die Schönheit seiner Strände und die Präsenz der Natur auszeichnet, die die Dynamik des Treffens symbolisch begleitete. In einer einfachen und brüderlichen Atmosphäre teilten 101 Teilnehmer – Äbte, Äbtissinnen, Prioren, Priorinnen, Mönche und Nonnen – Gebet, Reflexion und den Alltag miteinander. Die Organisation lag in den Händen der Konferenz für klösterlichen Austausch in Brasilien (CIMBRA), die die Vertreter der klösterlichen Vereinigungen des Kontinents vereinte: ABECCA (Benediktinische und Zisterzienser- Vereinigung von Mittelamerika und der Karibik), UBC (Benediktinische und Zisterzienser-Union – Mexiko), SURCO (Klosterverband des Südkegels) und die CIMBRA selbst (Brasilien).

Seit 1972 bringt das Lateinamerikanische Mönchs- und Nonnen-Treffen regelmäßig die klösterlichen Gemeinschaften des Kontinents zusammen (früher alle vier Jahre, heute alle sechs Jahre) und hat sich als privilegierter Ort der Begegnung, der Weiterbildung und der gemeinsamen Entscheidungsfindung etabliert. Nach der letzten Ausgabe, die 2019 in der Stadt Córdoba in Argentinien stattfand, kehrte die EMLA auf brasilianischen Boden zurück und knüpfte damit an einen bereits zuvor beschrittenen Weg an: 1982 hatte Salvador das 3. EMLA-Treffen, beherbergt, dessen Erinnerung, wie die der anderen im Laufe der Jahre organisierten Treffen, ein spirituelles Erbe und eine Quelle der Inspiration für die heutigen Generationen bleibt.

 


Eine gelebte und reflektierte Geschwisterlichkeit

Während der gesamten Woche war die Geschwisterlichkeit nicht nur ein Thema des Studiums, sondern eine Realität, die im Alltag des Treffens konkret gelebt wurde. Vorträge, Nachbesprechungen, Gruppenarbeiten und liturgische Feiern fügten sich harmonisch zusammen und förderten eine Vertiefung der Grundlagen des geschwisterlichen Lebens in der Benediktsregel, der Wege der Versöhnung und Vergebung sowie des Zeugnisses der klösterlichen Gemeinschaft in einer Welt, die von Spaltungen und Konflikten geprägt ist.

Die Reflexionen wurden durch die Beiträge hochrangiger Referenten aus den verschiedenen Zweigen der benediktinischen Familie bereichert. Erzbischof Gregório Paixão OSB von Fortaleza hob die Rolle der Klostergemeinschaften als privilegierte Orte der Entstehung und des Wachstums christlicher Geschwisterlichkeit hervor. Abtprimas Jeremias Schröder OSB hob die Kraft des klösterlichen Zeugnisses in einer zutiefst von Zersplitterung geprägten Welt hervor; er stellte zudem die Benediktinische Konföderation vor und gab Informationen zur Vorbereitung des für 2029 geplanten Jubiläums von Montecassino. Mauro-Giuseppe Lepori, Generalabt des Zisterzienserordens, vertiefte das Thema der geschwisterlichen Gemeinschaft als Weg der persönlichen und gemeinschaftlichen Bekehrung. Schließlich erinnerte Abt Bernard Lorent Tayart OSB, Präsident der Alliance InterMonastères (AIM), an die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Klöstern und der gegenseitigen Unterstützung auf kontinentaler Ebene und berichtete dabei von seinen jüngsten Besuchen in Regionen, die schwer vom Krieg heimgesucht wurden, insbesondere im Heiligen Land.

Zur Vertiefung des Themas trugen ebenfalls bei: Pater Rafael Osoria OCSO aus der Dominikanischen Republik, der die Grundlagen des brüderlichen Lebens im Lichte der Regel Benedikts behandelte; Pater Damián Ortega OSB aus Mexiko, der die Herausforderungen von Vergebung und Versöhnung in den heutigen Gemeinschaften thematisierte; sowie Schwester Timotea Kronschnabl OSB aus Argentinien, die das klösterliche Leben als Zeichen der Hoffnung für die Kirche und die Welt vorstellte.

Zu diesen Beiträgen gesellte sich der Beitrag von Schwester Lynn McKenzie OSB, Moderatorin von CIB – Communio Internationalis Benedictinarum, die per Videokonferenz zugeschaltet war. In ihrem Vortrag vermittelte Schwester Lynn einen klaren Überblick über die Struktur, den Auftrag und die Arbeitsweise der CIB, einer internationalen Organisation, die die Gemeinschaft, die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung zwischen den Benediktinerinnenklöstern weltweit fördert. Ihr Beitrag ermöglichte es den Teilnehmerinnen, die EMLA in den größeren Kontext des weltweiten Frauenklosterlebens einzuordnen und so die Bande der Zugehörigkeit und Mitverantwortung innerhalb der benediktinischen Familie zu stärken.

Ein bedeutender Moment war die Vorstellung der Bewegung Manquehue aus Chile, die ihre von der benediktinischen Spiritualität inspirierte weltliche Erfahrung teilte. Diese Reflexion machte deutlich, wie die Werte der Regel Benedikts – Gebet, Brüderlichkeit, Beständigkeit und Suche nach Gott – auch das Leben von Familien und Laiengemeinschaften bereichern können und so den Horizont des klösterlichen Zeugnisses in Kirche und Gesellschaft erweitern.

 

Oasen der Gemeinschaft im Herzen der Welt

In einer Zeit, die von Hektik und Lärm geprägt ist, bot die EMLA eine wahre Oase der Gemeinschaft. Das Klosterleben, wie es während der gesamten Tagung vorgestellt wurde, erwies sich als prophetisches Zeichen der Einheit: ein einfaches Leben, geprägt von Gebet, Stille, Arbeit und Geschwisterlichkeit, das in der Lage ist, klar zum Herzen der heutigen Welt zu sprechen.

 


Liturgie, Gesang und Jubiläumsspiritualität

Die tägliche Liturgie, die von der Schola cantorum des Treffens sorgfältig vorbereitet wurde, bildete einen der wichtigsten spirituellen Schwerpunkte der EMLA 2025. Die Sorgfalt bei der Auswahl der Texte, Psalmen und Gesänge förderte eine andächtige und besinnliche Teilnahme und half den Teilnehmern, jeden Tag als eine wahre Schule des Dienstes am Herrn zu erleben.

Das betende Hören auf das Wort Gottes und die Momente informeller Geselligkeit haben die spirituellen und kulturellen Bindungen zwischen den Teilnehmern gestärkt. Im Einklang mit der Jubiläumszeit, die die Kirche erlebt, wurde eine Strophe der Jubiläumshymne der Hoffnung 2025 von allen Teilnehmern gesungen und wurde so zu einem betenden Ausdruck der Gemeinschaft, der geteilten Hoffnung und des gemeinsamen Weges, den wir im Laufe der Woche zurückgelegt haben. Dieses gemeinsame Lied hat das Gefühl der Pilgerreise, der Einheit und der Hoffnung gestärkt und das Treffen in den größeren Horizont der Weltkirche eingeordnet:

Lebendige Flamme, meine einzige Hoffnung:

möge mein Gesang zu dir gelangen.

Aus deinem Herzen entspringt das göttliche Leben,

auf dem Weg vertraue ich auf dich.

Am Samstag, dem 8. November, kam diese Gemeinschaft auch in einer entspannten Zeit der Geselligkeit zum Ausdruck. Die Teilnehmer unternahmen einen Rundgang durch die Stadt Salvador und entdeckten das Kloster der Mönche von São Bento – das erste Benediktinerkloster Amerikas – sowie das Kloster von Salvador, in dem Benediktinerinnen leben, deren betendes Dasein die klösterliche Tradition der Stadt auf einzigartige Weise bereichert. Dort wurde ein typisches Mittagessen der bahianischen Küche gemeinsam eingenommen. Auf dem Programm standen außerdem das Sozialwerk „Santa Dulce dos Pobres“, die Kirche Senhor do Bonfim und weitere symbolträchtige Orte der Stadt, die einen engeren Kontakt mit der Geschichte, dem Glauben und der Kultur der Menschen in Bahia ermöglichten.

 

Ein Abschied in Hoffnung

Das 13. Treffen der EMLA endete am 10. November mit der feierlichen Abschlussmesse, die von Bischof Edmilson Caetano OCist von Guarulhos (SP) geleitet wurde, der auch auf seine Erfahrungen als Präsident der CIMBRA im Jahr 2006 einging, als er die EMLA in der Stadt Belo Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais empfangen hatte. Die Abschlussfeier bildete den krönenden Abschluss der vergangenen Woche, drückte Dankbarkeit für den zurückgelegten Weg aus und bekräftigte das gemeinsame Engagement für die empfangene Mission.

Zurück in ihren Gemeinschaften nahmen die Teilnehmer nicht nur Reflexionen und Notizen mit, sondern vor allem die lebendige Erfahrung einer geteilten Geschwisterlichkeit. Dem Wirken des Heiligen Geistes anvertraut, sind sie weiterhin aufgerufen, mit kreativer Treue und beharrlicher Hoffnung ihre monastische Berufung zu vertiefen und – inmitten der Herausforderungen der heutigen Welt – zu bezeugen, dass Gemeinschaft, Versöhnung und Liebe in Christus nicht nur möglich, sondern notwendig sind.

Novalesa 726-2026

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Nachrichten

Michael Davide Semeraro OSB

Prior von Novalesa (Italien)


Novalesa 726-2026 –

13 Jahrhunderte „Lab-oratorium“

der Menschlichkeit


 

Am 30. Januar 726 wurde die Abtei Novalesa gegründet und unter den Schutz der Apostelbrüder Petrus und Andreas gestellt! Vielleicht war der Winter vor dreizehn Jahrhunderten gar nicht so kalt und schneereich, dass man auf die Idee kam, in der ungünstigsten Jahreszeit ein Kloster nur einen Steinwurf vom Pass von Moncenisio entfernt zu gründen. Dreizehn Jahrhunderte Geschichte… und sie sind alle zu sehen! Die Abtei von Novalesa verbirgt die Falten ihrer langen Geschichte nicht, sondern lässt sie erahnen wie die ruhmreichen Narben alter Wunden, die mit Würde getragen und gut gepflegt wurden. Die Narben der Geschichte sind Zeichen des Lebens und Zeugnisse der Beharrlichkeit in den aufeinanderfolgenden Ereignissen der Tage, Jahre und Jahrhunderte.

Eingebettet wie ein Edelstein in die Berge des „Cenischia“-Tals wirkt die Abtei wie ein liegendes Kalb inmitten der friedlichen Wiesen und Wälder, die sie umgeben, und die – friedlich – die Begebenheiten und Ereignisse wiederkäut, damit sie eine Botschaft der Hoffnung für all jene sind, die auch heute noch aus so unterschiedlichen Gründen an diesem Ort vorbeikommen.

Die lange, wechselvolle Geschichte macht Novalesa – wie jede Geschichte, die etwas auf sich hält – nicht zu einer Ruine, sondern zu einem Denkmal. Ein Denkmal, das sich als Zeugnis der Menschlichkeit versteht, das nicht nur von der Vergangenheit erzählt, sondern auch die Gegenwart erhellt und den Weg in die Zukunft ebnet. Sich zu erinnern bedeutet nicht, sich in die – mehr oder weniger ruhmreiche – Vergangenheit zurückzuziehen, sondern in die Zukunft zu blicken, die voller Überraschungen ist, und sich den Herausforderungen der Gegenwart – hier und jetzt – zu stellen, als (Ort) Gelegenheit, das Beste zu geben, um einen Duft hinter sich zu lassen: das geschenkte Leben und die mit Beharrlichkeit gepflegte Hoffnung.

Die Geschichte von Novalesa ist wie ein Gewebe, das aus den berühmten Namen all jener besteht, die hier vorbeigekommen sind und uns ein Zeichen hinterlassen haben, sowie aus der Schar der Namenlosen, die im Schatten bleiben. Namen, die zwar allen bekannt sind, wie Karl der Große und Napoleon, aber auch vielleicht unbekannte Gesichter wie der Mönch Eldrado, dessen Erinnerung in den jahrtausendealten Farben der Fresken der mittelalterlichen Kapelle lebendig wird, die seine Reliquien bewahrt hat. Glorreiche Zeiten wechseln sich ab mit Momenten des Unglücks oder des Niedergangs. Bleiben, gehen, zurückkehren, wieder aufbrechen sind Verben, die sich in der Geschichte von Novalesa mit denen so vieler Männer und Frauen der Vergangenheit und der Gegenwart verflechten. So gibt es in der Porträtgalerie der berühmten Persönlichkeiten so viele leere Stellen, in die wir uns die unbekannten Namen und Gesichter der Klosterchronik einfügen können, die jedoch die notwendigen Fäden sind, damit das Gewebe hält.

Die Steine, die Farben, die Bauwerke, die mit den Horizonten von Novalesa verbunden sind, geben uns Zuversicht: Die Geschichte wird gelebt, ohne den Frieden zu verlieren, und das galt gestern, gilt heute und wird auch morgen gelten. Das Leben ist als Geschenk anzunehmen und als Herausforderung zu pflegen: zu leben, ohne sich jemals mit dem Überleben abzufinden, ohne jemals den Mut zu verlieren, von großen Dingen zu träumen, während man sich den kleinen Dingen jedes Tages, jeder Stunde, jedes Augenblicks zuwendet, die vergehen, damit sie nicht länger entfliehen. Neuanfänge, die derzeit durch das Unglück erzwungen sind, erweisen sich oft als Hinweise auf neue Möglichkeiten.

Der Besuch eines Klosters, das die Jahrhunderte überdauert hat, kann nur Nostalgie für die Zukunft wecken. Für jedes Kloster und für jeden der Mönche und Nonnen, die dort leben, hallt die Frage von Papst Franziskus zu Beginn seines Petrusdienstes als Bischof von Rom nach: „Wartet man in den Klöstern auf die Zukunft Gottes?“ Um ein Morgen für die Menschheit zu ermöglichen, darf man nicht vergessen, sondern muss sich erinnern. Deshalb wollen wir den 1300. Jahrestag der Gründung von Novalesa mit schlichter Feierlichkeit und tiefer Leidenschaft begehen. Es geht nicht einfach darum, einen Sprung in die Vergangenheit zu machen, sondern darum, die ersten Früchte einer Zukunft anzubieten, die ohne einen gelebten und geteilten Aufbruch der Menschlichkeit undenkbar wäre.

Novalesa ist seit dreizehn Jahrhunderten ein „Laboratorium“ der Menschlichkeit, in dem gerade das Gebet – Ora et labora – und das Engagement, diesen Ort zu bewohnen und mit Leben zu erfüllen, die Koordinaten waren und hoffentlich noch immer sind, zwischen denen man wachsen und die Sensibilität für das Schöne, das Gute und das Wahre fördern kann. Nach verschiedenen Wechselfällen und Zeiten der Verlassenheit kümmert sich nun seit einem halben Jahrhundert eine Gemeinschaft von Benediktinermönchen der Kongregation von Subiaco-Montecassino um die Abtei, indem sie in Gebet, Arbeit, brüderlichem Leben und Gastfreundschaft lebt.


Die Abtei von Novalesa ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern auch ein Ort der Spiritualität im Dienste eines Wachstums in Menschlichkeit. Wenn man die Regel Benedikts tatsächlich in einem einzigen Wort zusammenfassen müsste, wäre dieses Wort: humanitas (RB 53,9). Die mittlerweile klassische Formel „Ora et labora“ dient dem Wachstum in Menschlichkeit durch die „humilitas“ (RB 7), verstanden als die Fähigkeit, die eigene Realität so anzunehmen, wie sie ist, ohne jemals die Hoffnung aufzugeben, sie verwandeln zu können.

Das größte Geschenk, das wir untereinander austauschen können, um es den neuen Generationen zu überreichen, ist die Erinnerung an die schönen Dinge, die wir zu ersinnen und zu vollbringen vermochten, indem wir akzeptierten, sie nicht mit ins Grab zu nehmen, sondern sie als ein Geschenk zurückzulassen, das uns vorangeht und uns übersteigt. Auch für die Abtei von Novalesa gilt das Wort des Herrn Jesus: „Von dem, was ihr seht, wird kein Stein auf dem anderen bleiben, alles wird zerstört werden“ (Lk 21,6). Dieses Wort ist glaubwürdig. Die Geschichte der Abtei ist eine Abfolge von Tod und Auferstehung, von Zeiten der Vitalität, die sich mit Zeiten abgrundtiefen Verfalls abwechseln. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ (Kohelet 1,9). Dennoch wird die Hingabe und Sorgfalt, mit der dort die eigentliche Aufgabe der Menschlichkeit erfüllt wird, zu einem Erbe, das, obwohl vergänglich, bereits den Duft der Ewigkeit in sich trägt.

Die Aufgabe einer Mönchsgemeinschaft, die in der jahrhundertealten Abtei von Novalesa lebt, ist folgende: „einen Schatz bewahren, um den Schatz weiterzugeben“. Die Abtei von Novalesa ist ein Schatz, der auf Schönheit und Transzendenz verweist und daher ein Geschenk ist, das mit allen Männern und Frauen unserer Zeit geteilt werden soll. Die Mönchsgemeinschaft erfüllt diese „Mission der Menschlichkeit“ durch die Pflege dieses Zeichens der Schönheit, das das Kloster Novalesa mit seiner ganzen Geschichte und seinen Geschichten darstellt. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass das Beste und Schönste nicht in der Vergangenheit liegt, sondern vor uns liegt und größer ist als wir; mit einem Wort: Es ist göttlich. Ein Besuch an einem Ort wie Novalesa ist wie ein Eintritt in den Vorraum der Transzendenz und Spiritualität, die man in der Tiefe seines Herzens erlebt.

Einen Schatz wie die Abtei von Novalesa zu bewahren, erfordert die Leidenschaft, die Liebe zu den schönen Dingen weiterzugeben, die notwendigerweise auch gut und wahr sein müssen: das heißt lebendig und lebensspendend. Die lange klösterliche Tradition zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, nach einer Zerstörung oder einem Misserfolg ohne Bitterkeit und mit neuer Begeisterung neu anzufangen, die aus dem tiefen Sinn ihres letztendlichen Ziels schöpft. Selbst die Zerstörung wird zu einem integralen Bestandteil des Aufbaus, der, wenn man genau darüber nachdenkt, immer ein Wiederaufbau ist, ausgehend von dem, was die Natur zulässt und bietet. So überschreitet Novalesa die Schwelle zum dritten Jahrtausend nicht nur als Denkmal, sondern als „Laboratorium“. Seit einem halben Jahrhundert ist dieses „Wunder“ dank des Wohlwollens und der Leidenschaft der Metropolitanstadt Turin möglich, der die Abtei gehört und die Energie und Kompetenz nicht nur für die Erhaltung dieses historischen Ortes, sondern auch für dessen Belebung aufgewendet hat. Auch in diesen Monaten versucht eine große Baustelle, der Fassade der Abtei ein frisches und lebendiges Gesicht zu verleihen, um ihre 1300-jährige Geschichte mit neuer Jugendlichkeit zu feiern.

Der Wunsch ist, dass die gemeinsame Pflege der Abtei von Novalesa zu einem Laboratorium der Menschlichkeit werden möge. Das ist das Wesen der Regel Benedikts: humanitas als Frucht der humilitas! Das ist der Schatz, den wir durch die Bewahrung und Pflege eines Schatzes wie Novalesa weitergeben wollen. Eine solche Aufgabe kann nicht ohne die Vermittlung einer Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen, Institutionen, Vereinen und Personen erfüllt werden. Um authentisch und fruchtbar zu sein, muss diese „Zusammenarbeit“ ohne Trennungen und ohne Verwirrungen erfolgen: in der Ordnung und Harmonie einer Schönheit, die nicht nur ästhetischer Natur ist, sondern vor allem in der Ethik der Beziehungen und der Dynamik des Bündnisses liegt.

Es bleibt nichts anderes zu tun, als sich um diesen Ort zu kümmern, der dazu bestimmt ist, zu verschwinden, wie die schönsten Sterne der entferntesten Galaxien, deren Licht jedoch das Herz derer erfreut, die in Lichtjahren Entfernung davon erleuchtet werden. Wir wollen hoffen, dass das Motto der Abtei nicht widerlegt wird: Nova Lux, Frucht der Nova Lex des Evangeliums Christi. Die vielfältigen und sich ergänzenden Aktivitäten, die in Novalesa stattfinden, können für viele ein Laboratorium der Menschlichkeit sein, für eine gemeinsame Hoffnung, die gelassen als Gabe und Verantwortung weitergegeben wird.

Kloster Morne Saint-Benoît (Haiti)

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Nachrichten

Jacques Montfort OSB

Prior von Morne Saint-Benoît


Kloster Morne Saint-Benoît (Haiti) –

„Von Neuanfang zu Neuanfang“


 

 

Man kennt die Theologie der Neuanfänge von Gregor von Nyssa: Auch das Morne Saint-Benoît, ein winziges Benediktinerkloster in Haiti, geht seinen Weg von Neuanfang zu Neuanfang.

Schon seine Gründung Ende der 1970er Jahre war ein solcher: Denn die ersten, die dort ankamen – Olivetaner, die 1975 durch den Krieg aus Beirut vertrieben worden waren und alles in den Trümmern verloren hatten –, gründeten das Kloster in Haiti, um neu anzufangen. Sie lassen sich in der Nähe von Jérémie nieder, und wenige Jahre später – Wirbelstürme, Entfernung zur Hauptstadt – zogen sie um und begannen in Port-au-Prince von Neuem. Dann übernahm das französische Kloster Landévennec (Kongregation von Subiaco) das Ruder: Die drei neuen Gründer, die Mönche Simon, Anselme und Patrick, fingen tatsächlich noch einmal von vorne an und ließen sich in der Nähe von Carriès nieder, wo wir noch immer sind – ein gut gewählter Ort, schön, abgelegen und ruhig, doch auch recht zentral gelegen und nicht allzu weit von der Hauptstadt entfernt (65 km). Der Boden ist karg, ein Haufen Steine, aber eine gute Quelle, die weiter oben in den Hügeln gefasst wird, macht das Leben möglich: Und die Brüder forsten auf, wieder ein Neuanfang, denn die Perle der Antillen war einst mit Bäumen bedeckt.

Ein erstes einfaches, etwas rudimentäres Gebäude, und einige Jahre später beginnt man weiter oben auf dem Gelände von Neuem, für zwölf Mönche, dazu eine Gästeunterkunft und Werkstätten.

In den 1990er Jahren gibt es einen neuen Abt in Landévennec, einen neuen Prior in Le Morne, und dieser, stark geprägt von Charles de Foucauld, träumt von einem Neuanfang in diesem Sinne. Die Brüder können dem nicht so recht folgen, und nach zwei Jahren fangen wir mit dem ersten Prior wieder von vorne an: Wir bleiben Benediktiner im Herzen und im Geiste.

Probleme des Landes: Diktatoren folgen aufeinander, Versprechungen, jeweils gefolgt von Korruption und Gewalt. Es geht wieder von vorne los, mit einem ehemaligen Priester als Präsident der Republik, später einem ehemaligen Sänger, später einem ehemaligen Neurologen, aber es ist das Elend, das jedes Mal von Neuem beginnt, und für das Kloster gilt es, so gut es geht, mit dem Wenigen, durchzuhalten. Doch viele junge haitianische Brüder sind nur auf der Durchreise gewesen, verlassen uns, mehr oder weniger von diesen Stürmen hinweggefegt, nach 1, 2, 10, 20 Jahren des Zusammenlebens.


Erdbeben verschonen uns, ebenso wie die Banden bisher. Es würde nur einer Kleinigkeit in der Natur (Zyklonbahn, Verwerfung zwischen tektonischen Platten) oder der Laune eines lokalen Anführers genügen, damit alles zusammenbricht und von vorne beginnen muss. Wir hängen an einem seidenen Faden, doch dieser Faden liegt in der festen und sanften Hand des Herrn.

Wir wissen nicht, was für Ihn, für sein Reich, am wichtigsten sein wird: das demütige Eingeständnis des Scheiterns, das uns an die Seite des Gekreuzigten stellen würde, oder das Versprechen des Sauerteigs im Teig, der verlorenen und wiedergefundenen Drachme – Bilder dieses Neuanfangs, den wir jetzt mit neuen jungen haitianischen Brüdern erleben. Es sind drei, also vier mit mir, dem betagten französischen Prior: ein feierlich Professe, ein zeitlich Professe, ein Novize, die Brüder Johnès, Acnert und Emmanuel.

Um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten, betreiben wir vor allem eine Druckerei, die von Bruder Simon gegründet, durch eine kanonische Visitation geschlossen (mündliche Empfehlung, aber nicht im Visitationsbericht vermerkt) und nach dem Erdbeben wieder aufgenommen wurde; sie läuft heute gut und ist für die umliegenden Schulen von Nutzen.

Und die Liturgie? Auf Kreolisch und immer gesungen, selbst wenn wir nur zwei Brüder sind, Solist gegen Solist, was ein klares Stimmbild garantiert.

„Neuanfang“ klingt nicht so fröhlich wie „Anfang“, man ahnt darin eine Konnotation von Leid und eine weitere von hartnäckiger Hoffnung. Landévennec, die Mutterabtei, hat im Laufe der Jahrhunderte schon einiges erlebt! Aber wir haben Geduld gelernt, Vertrauen, und uns nicht von Stürmen aus der Fassung bringen zu lassen, nicht einmal von Wirbelstürmen. Von weit her, aus Frankreich, vielleicht aus Rom, scheint die Last schwer, doch in Wirklichkeit ist sie leicht, und Mönche und Christen wissen, warum und durch wen.

„Wenn du mit Fußgängern läufst und sie dich schon ermüden, wie könntest du dann mit Pferden konkurrieren? Wenn du ein Land in Frieden brauchst, um dich sicher zu fühlen, was wirst du dann im Dschungel des Jordans tun?“ (Jer 12,5)

Die Philippinen in der Tropenstürmen

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Nachrichten

 

Die Philippinen in der Tropenstürmen*


Nach den verheerenden tropischen Stürmen im Juli 2025, bei denen die Benediktinerinnen von Tutzing warme Mahlzeiten, Kleidung und Hygieneartikel an die bedürftigste und von diesen Katastrophen betroffene Bevölkerung verteilten, verursachte eine Reihe von Taifunen in den folgenden Monaten November und Dezember neue Überschwemmungen und die Zerstörung von Häusern, wodurch die Bevölkerung erneut in Not geriet.


Hilfe für Dörfer, die vom Taifun Tino verwüstet wurden

Am 23. November 2025 startete die St. Scholastica’s Academy of Bacolod City (SSA-B) unter der Leitung unserer Direktorin Schwester Maria Ezechiel Fernandez, der Schulleiterin, Claude Feliza Ganaban, und dem Vorsitzenden des Elternbeirats, Rhett Poyogao, einen Spendenaufruf. Eine Hilfsaktion wurde für die Gemeinden in der Region der Insel Negros, die vom Taifun Tino verwüstet wurden, ins Leben gerufen.

Der Taifun Tino (lokal als Kalmaegi bezeichnet) traf die Philippinen am 2. November 2025 und verursachte sintflutartige Regenfälle, heftige Winde und katastrophale Überschwemmungen. Der Sturm richtete in der gesamten Region Visayas erhebliche Schäden an, insbesondere in den Städten Bago und La Carlota sowie in der Gemeinde La Castellana.

Wir haben zu Spenden in Form von Hilfsgütern und finanzieller Unterstützung aufgerufen, die vom Elternverein und den Mitarbeitern der SSA-B sorgfältig verwaltet wurden, um sicherzustellen, dass die Hilfe diejenigen erreichte, die sie am dringendsten benötigten.

Ein Bewohner des Stadtteils Barangay Robles in La Castellana berichtete, dass der plötzliche Anstieg des Flusspegels ihn gezwungen habe, mit seiner Tochter zu fliehen und alles andere zurückzulassen. Diese traumatische Erfahrung ist nur eines von vielen Beispielen, während die Familien weiterhin mit Verlust, Unsicherheit und dem langen Weg zum Wiederaufbau konfrontiert sind.


Viele betroffene Bewohner können aufgrund des vollständigen Einsturzes der Gebäude und der anhaltenden Gefahr weiterer Regenfälle und Überschwemmungen immer noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Da weder die Zeit noch die notwendigen Ressourcen vorhanden sind, um mit dem Wiederaufbau zu beginnen, ist das Leben in der Notunterkunft zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Die Beeinträchtigungen erstrecken sich auch auf die Schulen, die nach wie vor instabil sind, was die Wiederaufnahme des regulären Unterrichts verzögert und den Schülern ihr Recht auf Bildung vorenthält. Diese demütigende Erfahrung hat uns an unsere eigenen Privilegien erinnert: die Sicherheit unserer Häuser, die Stabilität unseres Campus und die Kontinuität unserer Routinen.

Die Folgen der Katastrophe hautnah mitzuerleben, war zugleich entmutigend und aufschlussreich. Es hat uns an die unvorhersehbare Kraft der Natur und die dringende Notwendigkeit einer kompetenten und transparenten Führung im Katastrophenmanagement erinnert. Doch in jeder Gemeinde, die wir besuchten, wurden wir von Hoffnung empfangen. Jeder Empfänger einer Spende drückte seine aufrichtige Dankbarkeit aus und schenkte uns ein warmes Lächeln, was von der unerschütterlichen Widerstandsfähigkeit des philippinischen Geistes zeugt. Als Antwort darauf bleiben wir den benediktinischen Werten der verantwortungsvollen Verwaltung, der Gastfreundschaft, der Gemeinschaft und der Demut treu, während unser Land weiterhin unter zahlreichen Katastrophen leidet.

Sr. Mairi Mahilum, Sr. Marie Gen Malacad, Sr. Gabrielle Peñalosa, Sr. Chloe Gensolin


Gemeinschaft von Tabunok: Schwestern bringen Hoffnung für die

Überlebenden des Taifuns Tino in Mananga, Cebu

Als Pilger der Hoffnung haben die Benediktinerinnen und ihre Laienpartner den Familien, die im Dezember 2025 im Camp 4 in Mananga, Cebu, schwer vom Taifun Tino getroffen wurden, ihre Hilfe angeboten. Die Gemeinde liegt am Fluss Mananga, der einst eine Quelle des Lebens war, heute jedoch bei starken Regenfällen eine Gefahrenquelle darstellt. Um das Gebiet zu erreichen, muss man von der Hauptstraße aus 12 bis 15 Meter hinabsteigen, ein unsicherer Weg, der stark von Erdrutschen und Sturzfluten bedroht ist. Trotz der Risiken hielt das Team durch, geleitet von Mitgefühl und Solidarität. Auf die Frage, warum die Familien an einem so gefährlichen Ort blieben, brachte eine Mutter ihre schmerzliche Realität zum Ausdruck: „Die von der Regierung bereitgestellte Umsiedlungsstätte war eine Mülldeponie, weit entfernt von unseren Lebensgrundlagen und Überlebensmöglichkeiten.“

Bewegt von diesen Berichten reagierten die Benediktinerinnen-Missionarinnen schnell. Dank der großzügigen Unterstützung von AIM-USA wurde den betroffenen Familien sofortige Nothilfe geleistet. Diese Unterstützung ging rasch in eine Wiederaufbauphase über, die auf die Wiederherstellung von Stabilität und Würde ausgerichtet war. Dank dieser gemeinsamen Anstrengung konnten die Häuser von etwa 35 Familien in der Region Mananga, darunter auch diejenigen in der Nähe der Gemeinde Tabunok und der benachbarten Städte, wieder aufgebaut oder repariert werden. Es wurden Baumaterialien und finanzielle Hilfe bereitgestellt, sodass die Familien beginnen konnten, ihr Leben mit neuer Würde und Hoffnung wieder aufzubauen.

Schwester Constance Tecson


[1] Auszüge aus dem Newsletter der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing auf den Philippinen, Oktober-Dezember 2025, S. 11-14.

 

Die Situation in Kiribati

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Nachrichten

Megan Kahler OSB

Schwestern vom Guten Samaritaner

Leiterin von BEAO


Die Situation in Kiribati


 

Die Republik Kiribati besteht aus 33 Inseln, die entlang des Äquators verteilt sind. Diese Inseln sind größtenteils Korallenatolle, die sich seit vielen Jahren verschieben. Man geht davon aus, dass die Inseln vor über 600 Jahren erstmals besiedelt wurden, und ihre Bewohner bekennen sich zu ihrem asiatischen und melanesischen Erbe. Im17. Jahrhundert wurden die Inseln von Europäern besucht, und Kiribati wurde schließlich unter dem Namen Gilbert-Inseln zu einem Protektorat des Britischen Empire. Die Republik Kiribati erlangte schließlich 1979 ihre Unabhängigkeit.

Es ist ein kleiner Staat, der aus vielen Inseln besteht, mit nur 800 Quadratkilometern Landfläche, verteilt auf fast 3,5 Millionen Quadratkilometer Wasserfläche, und einer Bevölkerung von nur 120.000 Einwohnern.

Kiribati steht vor enormen Herausforderungen. Es verfügt über wenige Ressourcen, um dem Klimawandel und Überschwemmungen zu begegnen. Ein großes Risiko besteht für die Trinkwasserversorgung, da Salzwasser in das flache Grundwasser eindringt. Der höchste Punkt Kiribatis liegt zwei Meter über dem Meeresspiegel, sodass steigende Gezeiten und der steigende Wasserstand eine tägliche Bedrohung darstellen. Eine weitere Herausforderung ist der weite Ozean, über den sich das Land erstreckt: Kommunikation, Transport und Infrastruktur erfordern oft viel Geduld und Kreativität. Es ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt, und seine Wirtschaft hängt stark von internationaler Hilfe ab. Die Bevölkerung Kiribatis leidet unter hohen Raten an Diabetes, Tabakkonsum und Säuglingssterblichkeit, und ihre Lebenserwartung ist eine der niedrigsten im Pazifikraum. Zahlreiche Hilfsprojekte konzentrierten sich auf die Verbesserung der Wohn- und Bildungssituation, den Zugang zu Trinkwasser, die Verbesserung der sanitären Versorgung und in jüngerer Zeit auf den Bau von Meerwasserentsalzungsanlagen.

Die Schwestern vom Guten Samariter haben zwei Gemeinschaften auf verschiedenen Inseln, nachdem sie 1988 vom Bischof von Tarawa und Nauru eingeladen wurden, im Bildungsbereich zu helfen. Acht Schwestern sind in den Bereichen Bildung, pastorale Ausbildung, Gefängnisseelsorge und Unterstützung von Menschen mit Behinderungen tätig.


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