Die Verwaltung des gemeinsamen Hauses
AIM Bulletin - Heft 122 (2022)
Inhaltsverzeichnis
Editorial
Jean-Pierre Longeat OSB
Ökologie und klosterleben
Jean-Pierre Longeat OSB
Lectio divina
„Himmel und Erde verkünden die Herrlichkeit Gottes“ (Psalm 19)
Nirmala Narikunnel OSB
Perspektiven
Neues aus der Benediktinerkonföderation
Gregory Polan OSB
Ein neuer Abschnitt des Klosterlebens
Mauro Giuseppe Lepori OCist
Öffnung zur welt
Das Anthropozän verstehen
Bernard Lucet
Zeugnisse
Ökologische Klöster in Frankreich
Nathanaëlle Lefoulon OSB
Gottes Schöpfung preisen durch Baumanpflanzung
Missions-Benediktinerinnen
Wirtschaft und klosterleben
Einsatz der Klöster für alternatives und nachhaltiges Wirtschaften
Benoît-Joseph Pons
Der Cellerar nach der Klosterregel
Médard Kimengwa Kitobo OSB
Liturgie
Zisterziensischer Mönchtum im altäthiopischen Ritus
Negusse Woldai OCist
Zeugen für das Monastische leben
Viktor Josef Dammertz OSB (1929-2020)
Cyrill Schäfer OSB
Berichte
Die Stiftung „Benedictus‟
Jean-Pierre Longeat
Zur Situation der Benediktinerinnen-kongregationen
Franziska Lukas OSB
Zur Entwicklung des Benediktiner-ordens seit 1880
Franziska Lukas OSB
Zur Situation des „Intermonastischen Dialogs“
William Skudlarek OSB
Leitartikel
vorherigen. Sie bietet einen konkreten Einblick in die Verwaltung des gemeinsamen Hauses, wie sie in Laudato si’ und Fratelli tutti empfohlen wird.
Wir freuen uns, diesen Band mit einer Lectio Divina von Mutter Nirmala Narikunnel, Äbtissin von Shanti Nilayam in Indien, zu Psalm 8 zu eröffnen: „Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes“.
Anschließend folgen allgemeine Überlegungen zur augenblicklichen Epoche, die in derMitte des 20. Jahrhunderts begonnen hat und zunehmend als Zeitalter des „Anthropozäns“ bezeichnet wird. Dazu zählen ein Blick auf den Vorschlag einer alternativen Wirtschaft, wie sie von den Klöstern gelebt werden kann; eine Neubewertung der Rolle des Cellerars in Kooperation mit dem Abt, um im Kloster und in der Umgebung die Impulse für einen gesunden Fortschritt zu vermitteln und die Fragen berücksichtigt, mit denen die heutige Welt die Aussagen der Benediktusregel konfrontiert.
Weitere Beiträge oder Rubriken ergänzen diese Ausgabe. Dokumentiert werden die Reden von Abtprimas Gregory Polan bei der Sitzung des AIM-Rates im Oktober 2021, des Generalabtes der Zisterzienser und von Mutter Franziska Lukas, Äbtissin von Dinklage, über die Erfahrungen bei der Gründung einer europäischen Benediktinerkongregation im Anschluss an das römische Dokument Cor orans. Der Prior von Kloster Asmara in Eritrea stellt einige Aspekte der äthiopischen Liturgie vor, und anschließend folgen die Klosternachrichten.
Lassen Sie uns gemeinsam am Aufbau einer neuen Welt mitwirken.
Jean-Pierre Longeat OSB
Präsident der AIM
Artikel
Ökologie und Klosterleben
1
Zeugnisse
Jean-Pierre Longeat OSB
Präsident der AIM
Ökologie und Klosterleben
Wörtlich übersetzt bedeutet Ökologie, entsprechend dem griechischen Ursprung dieses Wortes (oikos-logos), ein Nachdenken über das Leben innerhalb eines Hauses, in diesem Fall über den Raum und die Zeit, in denen Menschen leben.
Dieser Rede müssen Taten folgen. Wörtlich übersetzt werden diese unter dem Begriff Ökonomie zusammengefasst, denn nach dem griechischen Ursprung des Wortes (oikos-nomos) ist die Wirtschaft die Gesamtheit der „Gesetze“, die man sich gibt, um in diesem Raum und in dieser Zeit zusammenzuleben. Es ist sehr schade, dass diese Vokabel heute nur noch auf ihren finanziellen Gebrauch reduziert wurde. Er betrifft jedoch alle Elemente des persönlichen, sozialen und sogar spirituellen Lebens. Es gibt eine wirtschaftliche Art des Zusammenlebens und, auf persönlicher Ebene, eine gesunde Ökologie. Die Mönche sollten ganz aus dieser Geisteshaltung leben.
Nach der Regel des heiligen Benedikt ist ihre wirtschaftliche Priorität das Hören auf Gott und ihre Mitmenschen, um ein aufbauendes Wort, das die Grundlagen berührt, frei austauschen zu können. Aus diesem Grund bevorzugen die Mönche das Schweigen, wo immer es möglich ist, damit die ausgetauschten Worte ihr wahres Gewicht behalten. Man könnte sagen, dass das wesentliche Hören, sowohl auf sich selbst als auch auf andere und auf die geheimnisvolle Stimme, die uns vorausgeht und die wir Gott nennen, die Grundlage jeder ökologischen Wirtschaft ist. Das Durcheinander des Sprechens ist sicherlich der Ursprung der allerersten Wirtschaftskrise des menschlichen Lebens. Das Wort ist ein empfangenes und zurückgegebenes Gut, das allen zur Verfügung steht. Es bedarf einer großen Entrümpelung, um in seinem ganzen Reichtum wahrgenommen werden zu können.
Daher ist alles im Kloster nach dieser menschlichen Ökologie organisiert, sowohl das persönliche Leben als auch das Leben in der Gemeinschaft.
Den ganzen Tag über machen sich die Mönche gegenseitig auf das höchste Gut des Wortes aufmerksam, das von oben kommt. Sie versammeln sich mehrmals am Tag zum Gebet. Sie begeben sich wieder in die Gegenwart der aktiven Quelle, mit der sie sich in erster Linie verbinden wollen, und sie antworten ihr im Gesang, sowohl um das Lob des Geschenks der Schöpfung und des Lebens zum Ausdruck zu bringen als auch um den Notschrei einer auf dem Weg durch diese Welt oft geprüften Menschheit auszustoßen.
Sie richten ihre Räume so ein, dass jedes Detail seinen Wert hat. Die Regel des heiligen Benedikt fordert den Ökonomen des Klosters auf, dafür zu sorgen, dass alle Dinge im Kloster mit der gleichen Sorgfalt behandelt werden wie die heiligen Gefäße auf dem Altar.
Grünflächen, Gemüsegärten, Obstgärten, Wälder oder landwirtschaftliche Flächen: Alles wird im Kloster zu Räumen der Kontemplation. Viele Klöster sind heute darauf bedacht, den Raum mit den Grundregeln zu bewahren, auf die die ökologische Bewegung unsere Aufmerksamkeit lenkt.
Das Verhältnis zur geteilten Zeit wird ebenfalls in einer gesunden Ökonomie gelebt, auch wenn heute die Institution Kloster, zumindest im Westen, von denselben Produktivitätszwängen wie die umgebende Gesellschaft unter Druck gesetzt wird. Dennoch bleibt das Gleichgewicht, das zwischen Gebet, Arbeit und freiem brüderlichen Leben gelebt werden möchte, eine wichtige Regel, die um jeden Preis für eine gute soziale Wirtschaft bewahrt werden muss. Um dies zu erreichen, stützen sich die Klöster auf das Potenzial des außergewöhnlichen Solidaritätsnetzes, das die zahlreichen Gemeinschaften auf den fünf Kontinenten bilden. Man könnte vom Klosterleben sagen, dass es das ökologische Ideal einer geschwisterlichen Globalisierung entwickelt.
Essen ist für die Mönche auch ein wichtiger ökonomischer und ökologischer Ort. Essen bedeutet für sie immer die Anerkennung eines empfangenen und geteilten Geschenks. Nüchternes Essen ohne Überfluss und Verschwendung ist eine Regel, auf der Benedikt besteht. Die Speisen sollen ausreichend, gesund und ausgewogen sein, um ein glückliches Wachstum und eine gute Entfaltung der übrigen Aktivitäten zu ermöglichen. Wenn es ein Symbol für ein gutes Lebensgleichgewicht gibt, dann ist es das des Konsums, insbesondere des Essens. Die Klostergemeinschaften machen sich über dieses Thema viele Gedanken, auch wenn sie gezwungen sind, auf externe Dienstleistungen zurückzugreifen.
Die Annehmlichkeiten des gewöhnlichen Lebens beschränken sich auf das, was notwendig ist. Jedem wird das gegeben, was er tatsächlich braucht. Alles wird für eine solidarische Wirtschaft zusammengelegt. Dadurch, dass die Ressourcen einer Gemeinschaft zusammengelegt werden, können die Ausgaben gesenkt und mehr in entwickelte Projekte investiert werden, die ein Einzelner oder eine Familie allein nicht in Betracht ziehen könnten.
Indem sie Gäste für Schweigeaufenthalte oder Einkehrtage aufnehmen, präsentieren sich die Klosterzentren im Herzen unserer Gesellschaften als Oasen, in denen man versuchen kann, besser zu atmen, besser zu teilen, weniger illusorisch zu besitzen, um mehr man selbst in Beziehung zu anderen zu sein.
Es ist bemerkenswert, dass in der Regel des heiligen Benedikt das ökologischste Kapitel gerade dasjenige über den Cellerar des Klosters ist:
„Als Cellerar des Klosters werde aus der Gemeinschaft ein Bruder ausgewählt, der weise ist, reifen Charakters und nüchtern. Er sei nicht maßlos im Essen, nicht überheblich, nicht stürmisch, nicht verletzend, nicht umständlich und nicht verschwenderisch. Vielmehr sei er gottesfürchtig und der ganzen Gemeinschaft wie ein Vater. Er trage Sorge für alles. Ohne Weisung des Abtes tue er nichts; an seine Aufträge halte er sich. Er mache die Brüder nicht traurig. Falls ein Bruder unvernünftig etwas fordert, kränke er ihn nicht durch Verachtung, sondern schlage ihm die unangemessene Bitte vernünftig und mit Demut ab. Er wache über seine Seele (…) Um Kranke, Kinder, Gäste und Arme soll er sich mit großer Sorgfalt kümmern (…). Alle Geräte und den ganzen Besitz des Klosters betrachte er als heiliges Altargerät. Nichts darf er vernachlässigen. Er sei weder der Habgier noch der Verschwendung ergeben. Er vergeude nicht das Vermögen des Klosters, sondern tue alles mit Maß und nach Weisung des Abtes“ (RB 31).
Natürlich hängt das Leben des Klosters nicht vom Cellerar ab, aber sein Beispiel, wie auch das aller anderen im Kloster, kann die Gemeinschaft ermutigen, richtige Entscheidungen für ein ständig aktualisiertes ökologisches Zeugnis zu treffen.
„Himmel und Erde verkünden die Herrlichkeit Gottes“
2
Lectio divina
Nirmala Narikunnel OSB
Äbtissin von Shanti Nilayam (Indien)
„Himmel und Erde
verkünden die Herrlichkeit Gottes“
(Psalm 19)
Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes
und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.
Ein Tag sagt es dem andern,
eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Rede und ohne Worte,
ungehört bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.
Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam;
sie frohlockt wie ein Held, ihre Bahn zu laufen.
Am einen Ende des Himmels geht sie auf
und läuft bis ans andere Ende;
nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.
(Psalm 19,1-7)
Dieser Psalmist war vielleicht ein Hirte, , der seine Herde hütete und Gottes Schöpfung bewunderte. Auch wenn er keine wissenschaftlichen Kenntnisse hatte und nichts von der zukünftigen Technologie wusste, konnte er über die Schöpfung staunen und diesen schönen Psalm singen.

Durch sein mächtiges Wort hat Gott das gesamte Universum erschaffen und geordnet, und seine Pläne sind unumkehrbar. Die Herrlichkeit, die Pracht und der Glanz Gottes zeigen sich in diesem Psalm. Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Sonne, die die Welt erleuchtet. Die Himmelskörper und die regelmäßige Abfolge von Tag und Nacht manifestieren Gottes Herrlichkeit und sie übermitteln still und leise ihre Botschaft und rufen uns auf, Gott zu loben. Gott hat das Universum wunderbar eingerichtet und alles, was es enthält, dient unserem Wohl. Der Himmel und die Erde offenbaren seine Herrlichkeit. Die Vollkommenheiten Gottes werden in beredter Stille von der geschaffenen Welt verkündet. Der Psalmist meditiert über die vollkommene Stille der Natur. Wir können die Wunder der Natur nur in der Stille genießen. Wie der Prophet Elija finden wir den Schöpfer in einer leichten Brise. Ohne Worte oder Stimmen erzählt die Schöpfung von der Herrlichkeit Gottes. Sie folgt vollkommen dem Gesetz der Natur. Die Sonne wird nicht aufhören auf- oder unterzugehen, weil Gott, der Schöpfer, die Schöpfung in Ordnung gebracht hat, und sie folgt perfekt der Ordnung, die sich, wenn er es nicht will, nicht ändern wird.
Benedikt widmet der Stille ein ganzes Kapitel seiner Regel. Nur in der Stille können wir Gott wie auch unsere Mitmenschen finden. Je tiefer der Geist des Menschen in die ihn umgebende Welt eindringt, desto mehr erstaunt uns dieses Zeugnis durch seine Größe und Herrlichkeit. Wunderbarer Gott einer wunderbaren Welt, die eine große Ehre und Herrlichkeit verdient. Die Herrlichkeit Gottes bedeutet seine Selbstoffenbarung und Kommunikation, die von den Menschen die Antwort des Lobes fordert. In vielen anderen Psalmen wird der Psalmist die gesamte Schöpfung auffordern, die Größe des Schöpfers zu preisen, z. B. in Psalm 148.
Die Nacht ist die Abwesenheit des Sonnenlichts. Die Nacht und der Tag singen von der Herrlichkeit Gottes. Der Tag verkündet den Glanz Gottes und die Nacht seine Verborgenheit und sein Geheimnis. Weder der Tag noch die Nacht können wie der Mensch sprechen, aber trotzdem übermitteln sie ihre Botschaft als „Sakramente“ der Macht und Majestät Gottes. Ihre Beredsamkeit ist lautlos. Das Lob, das Gott bei Tag und Nacht dargebracht wird, bedeckt die ganze Erde; es wird universell gehört.
Die Sonne ist der wichtigste und offensichtlichste Zeuge von Gottes Glanz. Sie wird poetisch so dargestellt, dass sie sich in einem Zelt am östlichen Himmel versteckt, bevor sie in der Morgendämmerung erscheint, und wird wegen der Stärke ihrer Hitze mit einem in prächtige Gewänder gekleideten Bräutigam und wegen ihres Lichts mit einem militärischen Helden verglichen.
Der Psalmist war tief beeindruckt vom Himmel, der ununterbrochenen Abfolge von Tagen und Nächten und dem Auf- und Untergang der Sonne. Er verfasste ein Gedicht und sang es in der Gegenwart der Gläubigen. Die Welt der Schöpfung ist ein Spiegel, der Gott widerspiegelt, und alle, die wie der Psalmist glauben, können die Spiegelungen Gottes in der natürlichen Welt sehen. Die äußerste Größe und Macht Gottes leuchtet im himmlischen Heiligtum, in der Weite des Himmels und auf der ganzen Erde.
„Die Sonne verkündet durch ihr Erscheinen beim Aufgang, / ein wunderbares Geschöpf, ein Werk des Höchsten! Zur Mittagszeit trocknet sie den Boden aus, / wer wird bestehen vor ihrer Glut? Wer in einen Ofen bläst bei Arbeiten mit Glut – / dreimal so stark versengt die Sonne Berge; sie atmet Feuerdämpfe aus / und blendet mit gleißenden Strahlen die Augen. Groß ist der Herr, der sie gemacht hat, / mit seinen Worten beschleunigt er ihren Lauf.“ ( Jesus Sirach 43)
„Gelobt seist du, mein Herr, mit all deinen Geschöpfen. Vor allem Schwester Sonne, die der Tag ist und durch die du uns das Licht schenkst, und sie ist schön und strahlt eine große Pracht aus, und sie gleicht dir, Höchster.“ (Franziskus von Assisi)
Gott hat den Himmel und die Erde erschaffen, und die Krone der Schöpfung ist der Mensch. Der Mensch ist nur wenig geringer als Gott (Ps 8). Der Psalmist, ein gewöhnlicher Mensch mit einer blühenden Fantasie und einem tiefen Gefühl der Ehrfurcht, verkündet die Majestät und die Macht des Schöpfers. Doch der Mensch hat die Schönheit der Schöpfung durch die Sünde verunstaltet. Christus ist wie das Licht der Sonne gekommen, um die Finsternis dieser Welt zu vertreiben. Der Schöpfer des riesigen und wunderbaren Universums ist so groß und mächtig, und doch kümmert er sich um die Menschen.
Wenn der Mensch die Schöpfung missbraucht oder schlecht behandelt, reagiert die Natur. Vor kurzem wurde unser Kloster und die Umgebung überschwemmt; der Grund dafür war, dass einige Leute Müll in den Abfluss geworfen hatten. Dieser wurde durch die anhaltenden Regenfälle blockiert, wodurch unser Bauernhof und die meisten unserer Feldfrüchte beschädigt und das Trinkwasser verseucht wurde. Wir haben große Verluste erlitten. Wir konnten nichts tun, bis sich das Wasser langsam zurückzog, und das dauerte über eine Woche. Wenn die Natur reagiert, können wir nichts anderes tun, als auf den transzendenten Gott zu vertrauen, der in der Schöpfung gegenwärtig ist.
Wenn wir diesen Psalm beten, können wir über die Schöpfung staunen: Mit welcher Weisheit und Liebe hat Gott alles geplant und organisiert? Wir danken Gott, dem allweisen und allmächtigen Herrscher über das Universum, dass er alles so gut und schön geschaffen hat. Alles Lob und alle Ehre gebührt Gott für seine unendliche Weisheit, seine Macht, seine Schönheit, seine Kreativität und seine Liebe. Wir preisen Gott im Namen der gesamten Schöpfung. Den Schöpfer und Erhalter des gesamten Universums zu loben und zu preisen ist das höchste Ziel aller Geschöpfe und Menschen.
Herr Gott, wir preisen dich im Namen der gesamten Schöpfung. Die Schönheit und Güte von allem, was du geschaffen hast, sowie die vollkommene Ordnung in der Natur offenbaren deine Weisheit und deine Liebe. Alles, was du geschaffen hast, ist ein Wunder. Nimm das Lob und die Anbetung an, die wir dir darbringen, und lass alle Menschen die Güte und Weisheit erkennen, die in der Schöpfung wirksam sind, und dich von ganzem Herzen preisen.
Neues aus der Benediktinerkonföderation
3
Perspektiven
Gregory Polan OSB
Abtprimas (Sant'Anselmo)
Neues aus der
Benediktinerkonföderation
Anlässlich der Ratstagung der AIM in Dinklage (Deutschland) im Oktober 2021 übermittelte Abtprimas Gregory folgende Impulse.
Ich möchte sechs Punkte, die sich aus meiner derzeitigen Arbeit für die Benediktinerkonföderation ergeben haben, sowie einige Neuigkeiten mit Ihnen teilen.
Zunächst möchte ich einige Gedanken zur Pandemie anbieten. Es war eine schwierige Zeit für alle unsere klösterlichen Gemeinschaften. Für einige war es Krankheit und möglicher Tod, für andere die Etablierung eines neuen Lebensrhythmus während dieser schwierigen und unsicheren Zeit. In S. Anselmo hatten wir im letzten Jahr 123 Bewohner und in diesem Jahr 2021 nur noch 93. Alle sicher und gesund zu erhalten, war und ist eine echte Herausforderung. Nach dem, was ich in der Konföderation gehört habe, bot diese Zeit den Gemeinschaften eine Gelegenheit, die Erfahrung der lectio divina zu vertiefen, sowohl privat als auch gemeinsam. Darüber hinaus berichteten mehrere Gemeinschaften über ihre Erfahrungen mit dem Teilen des Glaubens, begleitet von einer Vertiefung der geschwisterlichen Beziehungen. Es war auch inspirierend zu hören, wie verschiedene Gemeinschaften sich öffneten und versuchten, anderen beizustehen. Die Live-Übertragung der Liturgien war ein nützliches Mittel, um mit Oblaten und Freunden in Kontakt zu bleiben. Mehrere Gemeinschaften sprachen über die Auswirkungen, die das Schweigen während der Zeit der Pandemie hatte. Es gab eine Vertiefung des Sinns des Gebets in den Gemeinschaften, und es war auch eine Zeit der tiefen Reflexion für die Mönche, Nonnen und Schwestern, die dies in den Briefen, die ich erhalten habe, bezeugen.
Zweitens entstanden in diesem Jahr mehrere klösterliche Ausbildungsprogramme in verschiedenen Sprachen, die oft aus unserem klösterlichen Institut hier in S. Anselmo kamen. Wir alle wissen, dass die Ausbildung neuer Mitglieder in den Klostergemeinschaften eine der Hauptbemühungen ist, in die wir uns stark einbringen. Es ist wunderbar zu wissen, dass wir in dieser Zeit, in der wir nur eingeschränkt reisen konnten, viel Zeit in die Entwicklung dieser Ausbildungsprogramme investiert haben. Das ist etwas, das wir hoffentlich auch in Zukunft fortsetzen können.
Drittens: Da die mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen etwas gelockert wurden, sind Reisen wieder möglich geworden, was mir erlaubte, an verschiedenen Initiativen teilzunehmen: Predigen bei Exerzitien, Teilnahme an Treffen unserer Stiftungen, Teilnahme an Jubiläen und klösterlichen Feiern, und auch Treffen mit Gemeinschaften, die geführt und ermutigt werden möchten.
Viertens: Eines der Projekte in S. Anselmo, das unsere Zeit und Energie in Anspruch nahm, war die Renovierung einer Etage des Gästetraktes sowie des Pfortenbereichs. Nach einigen Beratungen entschieden wir uns dafür, nur eine Etage des Gästehauses zu renovieren und der anderen Etage lediglich einen neuen Anstrich zu geben. Der Hintergrund dieser Renovierungsbemühungen ist, dass wir eine Vielzahl von Studentengruppen haben, die diese Einrichtungen sinnvoll nutzen können. Beispielsweise gibt es ein „Auslandsstudienprogramm“ in Zusammenarbeit mit dem College der St. Vincent Abbey in Latrobe, USA, das Ausbildungsprogramm für Novizenmeister (MFP: Monastic Formators’ Program) und Pilgergruppen aus unseren Klöstern. Sie sind auch mit einer einfachen Unterkunft zufrieden und freuen sich über die Möglichkeit, kostengünstig unterzukommen. Die renovierten Zimmer des Gästebereichs sind sicherlich willkommen für die Qualität unserer Gastfreundschaft, die ein wichtiges Charisma unseres benediktinischen Lebens ist.
Fünftens fand eine wichtige Diskussion mit sieben Generaloberen statt, die von Papst Franziskus empfangen wurden. Die Frage betraf ein „päpstliches Privileg“, das es einem nicht-klerikalen Mitglied erlauben würde, zum Oberen einer Gemeinschaft ernannt oder gewählt zu werden. Der Heilige Vater war sehr aufmerksam und reagierte auf unsere Anfrage. Er sagte, dass er sie unterstützen würde, aber dass diese Entscheidung letztendlich der Kongregation für das geweihte Leben überlassen werden sollte!
Sechstens möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um meine persönlichen Gefühle und meine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen: Obwohl die Zahl an Klosterkandidaten rückläufig ist, gibt es nach meiner Auffassung starke Gründe für Hoffnung. Hoffnung ist eine wichtige Tugend, denn sie ruft uns dazu auf, an etwas zu glauben, mit der Überzeugung, dass es eine bessere Zukunft geben wird, auch wenn es schwierig ist, über den unmittelbaren Horizont hinauszusehen. Wenn wir die Geschichte des monastischen Lebens betrachten, sehen wir, dass es Zeiten gibt, in denen verschiedene Bewegungen oder Kriege die Zahl der Menschen, die in monastische Gemeinschaften eintreten, beeinflusst haben. Es gibt Zeiten des Zuwachses und Zeiten des Rückgangs. Unsere 1500-jährige Geschichte zeigt uns, dass selbst den schlimmsten Zeiten ein Wiederaufleben folgte, das uns Grund zur Hoffnung auf die Zukunft gibt. Wir sollten auch würdigen, dass in dieser Zeit der Pandemie weltweit die klösterlichen Gemeinschaften in ihren Bemühungen, in Frieden und Harmonie zu arbeiten und anderen zu dienen, wirklich vereint sind. Dies sind wichtige Elemente, die unser Klosterleben auszeichnen und uns Grund zu der Annahme geben, dass die benediktinische Tradition in der Zukunft noch viele Jahre weitergeführt wird.
Ein neuer Abschnitt des Klosterlebens
4
Perspektiven
Mauro Giuseppe Lepori OCist
Generalabt der Zisterzienser
Ein neuer Abschnitt des
Klosterlebens
Die Statistiken für den Zisterzienserorden gehen weiter zurück, auch wenn in Vietnam und Afrika und in einigen besonderen Klöstern in Europa die Zahlen immer noch erfreulich zu sein scheinen
Als Beispiel für die vergangene Zeit: Ich habe zusammen mit der Äbtissin und Präsidentin der Kongregation von Kastilien acht Nonnengemeinschaften in Spanien besucht. Innerhalb von zwei Wochen wurde eine neue indische Äbtissin gewählt; wir beschlossen, zwei Klöster zu schließen und die Schwestern in ein größeres Kloster in Madrid zu verlegen; wir beschlossen, zwei weitere Klöster dort anzugliedern, und ernannten eine Priorin zur Administratorin in einem anderen Kloster.
So durchdekliniert könnte es wie eine etwas tragische Liste erscheinen, abgesehen von der indischen Äbtissin. Dennoch hat uns die Art und Weise, wie all dies geschehen ist, mit Dankbarkeit und letztendlich mit Hoffnung erfüllt. Nicht Hoffnungen im Plural, sondern Hoffnung im Singular. Gemeinschaften zu sehen, die ihren Tod mit Gelassenheit annehmen, weil sie wissen, dass sie begleitet und geliebt werden, erfüllt uns mit Hoffnung, und sei es nur wegen der reichen Frucht, die die auf guten Boden gefallenen Samen tragen können. Wo? Wann wird es geschehen? Das weiß nur Gott.
Vor einem Monat haben wir ein informelles Treffen der Ordenssynode abgehalten, um die Vorbereitungen für das auf Oktober 2022 verschobene Generalkapitel wieder in Gang zu bringen. Abgesehen von zwei Äbten aus Vietnam und einem aus Kanada konnten etwa 20 Mitglieder an diesem Treffen teilnehmen: es war ein gutes Treffen, das wir dringend benötigten. Wir überarbeiteten die Hauptthemen, die wir auf dem nächsten Generalkapitel behandeln wollen: Machtmissbrauch und regelmäßige Besuche; Ausbildung; Strukturen der Ordensleitung; Neugründungen und Reduzierung der Anzahl der Klöster.
Im Folgenden einige Gedanken aus meiner Einleitung zu diesem Treffen, der ich den Titel gegeben hatte: „Ein monastisches Gleichgewicht wiederfinden, um auf einem Weg der synodalen Gemeinschaft neu zu beginnen“. So habe ich gesagt, dass es nicht ausreicht, darüber nachzudenken, wie man trotz der Coronavirus-Krise ein Generalkapitel abhalten kann. Ich glaube, dass diese Krise uns vor allem daran erinnert, dass wir über das Generalkapitel und den Orden mit einem größeren Verantwortungsbewusstsein nachdenken müssen, oder besser gesagt, auf eine „dramatischere“ und reifere Weise: dass unsere Vereinigung im Orden und unsere Begegnungen in jeder Kongregation, in jeder Gemeinschaft wie in der ganzen Menschheit gelebt werden, in Verantwortung gegenüber unserer Zeit.
Die COVID-Krise hat uns gestoppt. Viele Einzelpersonen und Gemeinschaften begannen mit der Arbeit an sich selbst, die dadurch begünstigt wurde, dass praktisch alle anderen Aktivitäten eingestellt wurden. Wir konnten uns auf das Wesentliche unserer Berufung konzentrieren: das Gebet, das Hören auf das Gotteswort und das geschwisterliche Leben in Gemeinschaft. Paradoxerweise war diese Konzentration auf das Wesentliche für Gemeinschaften mit vielen externen Aktivitäten leichter, weil der Einschluss für sie zumindest für einige Monate eine radikale Veränderung in klarem Kontrast zum bisherigen Leben bedeutete. Sie wurde daher als ein „Zeichen des Widerspruchs“ erlebt, das die Menschen und das Gemeinschaftsleben tief prägte. In Gemeinschaften mit einem stärker kontemplativen Stil war der Kontrast nicht so offensichtlich und vielleicht auch aus diesem Grund weniger herausfordernd. Es ist jedoch schwierig, ein Urteil zu fällen, da jede Gemeinschaft diese besondere Zeit auf ihre eigene Weise erfahren hat.
Als das Leben und die Aktivitäten wieder aufgenommen wurden, wenn auch mit den immer notwendigen Einschränkungen, ging und geht es für alle darum, zu verstehen, wie man neu starten kann, wie man den Weg wieder aufnehmen kann. Und das ist nicht leicht, denn wir spüren eine gewisse Müdigkeit, es fällt uns schwer, die Aktivitäten wieder aufzunehmen, unsere Häuser und Gasthäuser zu öffnen. Ich habe mich gefragt: Woher kommt diese Mühe? Warum fühlen wir uns müder und sogar älter? Vielleicht einfach deshalb, weil die Prüfung durch die Pandemie uns gezwungen hat, unseren wirklichen Schwächen ins Auge zu sehen. Zuvor haben viele selbst ältere und wenige Gemeinden große Aktivitäten und Verpflichtungen übernommen, nicht nur im Bereich der Arbeit, sondern auch im Bereich der liturgischen Feiern. Wir glaubten, die Kraft dazu zu haben, einfach weil diese Tätigkeiten seit der Zeit, als wir jung und zahlreich waren, immer übernommen worden waren.
Wir bewegten uns wie Lokomotiven, die alles hinter sich herzogen, und merkten nicht, dass wir nie anhielten, um neu zu berechnen, was unsere Kräfte wirklich zuließen, um zu überdenken, ob der Zeitplan und die Art und Weise, wie wir das Offizium feierten und unsere Aktivitäten verwalteten, noch erträglich waren für das, was wir in Wirklichkeit waren. Und vor allem haben wir nie innegehalten, um zu überlegen, ob es in all unseren Aktivitäten noch ein harmonisches Gleichgewicht gibt, das es uns ermöglicht, mit Freude in dem zu leben, was jedes Kloster sein sollte: eine „Schule, in der man dem Herrn dient“ (RB Prol. 45).
In vielen Klöstern haben wir einige Dinge reduziert oder weggelassen, aber wir haben nicht darauf geachtet, das Gleichgewicht zwischen dem, was wir beibehalten, und dem, was wir loslassen, zu wahren. Deshalb haben einige Teile unseres Lebens die Oberhand gewonnen, während andere von der Bildfläche verschwunden sind. In einigen Gemeinschaften hat das Gebet zugunsten der Arbeit gelitten. Oder das brüderliche Leben, z. B. durch den Verzicht auf Erholungs- oder Gesprächszeiten. In anderen, die es sich leisten konnten, wurde die Arbeit zunehmend an externe, angestellte Personen delegiert. In den meisten Gemeinden wurde das bisschen Lectio Divina, das zumindest theoretisch noch gepflegt wurde, so gut wie abgeschafft. Von der ständigen Weiterbildung ganz zu schweigen. Ich könnte tausend Beispiele anführen, die für jede Gemeinschaft anders sind. Aber was vielleicht für alle gilt, ist, dass wir uns schon viel zu lange daran gewöhnt haben, eine monastische Berufung zu leben, die wenig harmonisch, wenig ausgeglichen und wenig geeignet ist, unserem Leben ein solches menschliches Gleichgewicht zu verleihen. Wir haben vergessen, das außergewöhnliche menschliche, physische, psychische und spirituelle Gleichgewicht zu kultivieren, das uns die Regel des Heiligen Benedikt bieten würde, wenn wir sie befolgen würden, nicht formell, sondern so, wie unsere Väter und Mütter sie befolgt haben: als eine Schule, in der „derjenige, der das Leben sucht und glückliche Tage zu sehen wünscht“ (vgl. Prol. 15; Ps 33,13), sie finden kann, auf einem Weg der kindlichen Geschwisterlichkeit und des Gebets, der ihn Christus über alles stellen und allem vorziehen lässt. In dieser Schule, in der nur derjenige Fortschritte macht, der nie aufhört, Jünger Christi zu sein, indem er aufmerksam mit dem „Ohr des Herzens“ (Prol. 1) zuhört, muss jedes Element des Lebens zum Gleichgewicht der Person und der Gemeinschaft beitragen: das Gebet, die Geschwisterlichkeit, die Arbeit, die Ruhe, der Gehorsam, das Zuhören, das Schweigen, das Reden, die Armut usw. Die Menschen müssen sich auf das Wesentliche konzentrieren. Wir dürfen nichts aufgeben, wenn wir wollen, dass unser Leben eine Symphonie bleibt. Wenn Gebrechlichkeit, geringe Zahl der Gemeinschaft, Krankheit usw. Anpassungen von uns verlangen, tun wir dies oft auf unausgewogene Weise, indem wir ganze Teile unseres Lebens und unserer Berufung abschneiden, anstatt nach einem neuen Gleichgewicht zwischen allen Teilen zu suchen. Hier liegt das Problem vieler Gemeinschaften! Es ist erstaunlich, dass wir dieses Ungleichgewicht oft auch in den zahlreichen und jungen Gemeinschaften finden.
Mir ist klar, dass wir seit Jahren sowohl in den starken als auch in den schwachen Gemeinschaften diese Aufmerksamkeit für die Aufrechterhaltung des benediktinischen Gleichgewichts, die berühmte benediktinische „discretio“, vernachlässigen. Und obwohl wir sie oft in Erinnerung rufen, besonders während der regelmäßigen Visitationen, ist man nicht immer bereit, dieses Problem zu korrigieren. Jede Gemeinschaft und oft auch der Obere oder ein bestimmtes Mitglied – besonders wenn er für die Wirtschaft oder einen anderen Bereich verantwortlich ist – meint, widerstehen und die „seit jeher“ etablierten Rhythmen und Akzente beibehalten zu müssen, oder bestimmte Bereiche absolut beibehalten zu müssen, während andere Bereiche, die als weniger wesentlich angesehen werden, aufgegeben werden.
Im Grunde besteht der Fehler darin, zu glauben, dass das, was unser Klosterleben rettet, ein bestimmter Bereich, ein bestimmtes Werk, eine bestimmte Geste ist, und nicht das Gleichgewicht zwischen allen. Wir waren uns oft nicht bewusst, dass das, was eine Gemeinschaft für die Menschen attraktiv und bedeutsam macht, nicht nur die Liturgie ist, oder nur unser Werk, oder nur unsere Arbeitsweise, oder nur unser brüderliches Leben, oder nur unser Schweigen, oder nur unsere Gastfreundschaft usw., sondern eben das harmonische Gleichgewicht, mit dem die Vorliebe Christi es uns ermöglicht, alles mit Ordnung und Maß, mit Schönheit und Frieden, in Schlichtheit zu leben und jedes Ding an seinen Platz zu stellen.
Die Zeit der Isolierung und die Einschränkungen der letzten Jahre haben uns ein wenig mit dem Rücken zur Wand stehen lassen. Die globale Krise der COVID-19 stellt uns Mönchen und Nonnen einige drängende Fragen: Was haben wir aus unserer Berufung gemacht? Was haben wir aus der Regel Benedikts, aus der Carta caritatis der frühen Zisterzienser und der ganzheitlichen Spiritualität unserer Väter und Mütter im monastischen Leben gemacht? Warum haben wir eine globale Krise gebraucht, um uns an das zu erinnern, was Benedikt seit fünfzehn Jahrhunderten sagt, um uns erneut bewusst zu machen, dass er uns an ein Gleichgewicht des christlichen Lebens erinnert, das wirklich ein „Evangelium der neuen Menschlichkeit“ für alle unsere Brüder und Schwestern in dieser Welt sein kann?
Es ist wichtig, dass wir uns diese Provokation nicht entgehen lassen – sie ist übrigens im Lehramt von Papst Franziskus sehr präsent, z.B. in Evangelii gaudium, Laudato Si' und Fratelli tutti, um schon jetzt mit einer gelungen Lebenserneuerung in unseren Klöstern zu beginnen, indem wir uns gegenseitig in diesem Bemühen helfen und keine Angst davor haben, zugunsten eines neuen Gleichgewichts in unserem Leben eine größere Armut, mehr Einfachheit und damit eine größere Demut zu akzeptieren.
Auf derselben Synode habe ich im Lichte des eben Gesagten das Thema einer wahrhaftigeren Solidarität zwischen Klöstern verschiedener Kulturen weiter vertieft, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern vor allem in der Ausbildung. Wir haben auch das Thema der Synodalität angesprochen, eines echten gegenseitigen Zuhörens in den Gemeinschaften, zwischen Oberen, Gemeinschaften und Kongregationen. Die Teilnahme am synodalen Weg der ganzen Kirche, zu dem uns der Papst aufruft, wird uns helfen, unser Charisma zu vertiefen, indem wir unsere Erfahrung der ganzen Kirche anbieten.
Das Anthropozän verstehen
5
Öffnunf zur welt
Bernard Lucet*
Unternehmensberater
Das Anthropozän** verstehen
Wenn der Mensch den letzten Baum gefällt hat,
den letzten Tropfen Wasser verunreinigt,
das letzte Tier getötet und den letzten Fisch gefangen haben,
dann wird ihm klar
dass Geld nicht genießbar ist.
(Indianisches Sprichwort)
Die Bewohnbarkeit unseres einzigen Lebensraums ist bedroht, und das ist eine so lebenswichtige Angelegenheit, dass sie alle Menschen im Innersten bewegen sollte. Die Entschlüsselung und Vertiefung der tatsächlichen Situation mithilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse ist dabei der Weg, um diese lebenswichtige Herausforderung zu verinnerlichen. Hier müssen Meinungen dem soliden Wissen weichen, und Verleugnung, Schönrederei und Nebenthemen aufgegeben werden.
Treibhauseffekt
Der Treibhauseffekt ist notwendig, dank ihm beträgt die Durchschnittstemperatur auf der Erde +15° C, ohne ihn wären es -18° C, also kein Leben möglich. Die Sonnenstrahlung trifft ein, ein Teil davon wird von Wolken, Gletschern und Schnee reflektiert; die Sonnenenergie wird in Wärme umgewandelt, die wiederum in Form von Infrarotstrahlung ins Weltall strahlt; bestimmte Gase in der Atmosphäre blockieren die Infrarotstrahlung, die daher in der unteren Atmosphäre verbleibt. Je mehr dieser Treibhausgase (THG) vorhanden sind, desto mehr Energie sammelt sich an und desto höher ist die Temperatur. Die zusätzliche Energie, die durch unsere Emissionen entsteht, sammelt sich fast vollständig in den Ozeanen, ein wenig im Boden und nur 1% in der Atmosphäre.
Die Biosphäre erwärmt sich (derzeit +2,7% pro Jahr); eine solche Beschleunigung ist zehnmal stärker als die schnellsten Anstiege in der Vergangenheit des Planeten seit über einer Million Jahren, und sie trifft die biologischen und geophysikalischen Ökosysteme. In den letzten 800.000 Jahren hatte sich der CO2-Gehalt nämlich kaum verändert. Leider beeinträchtigt der Druck auf die marinen und terrestrischen Ökosysteme die Kapazität der Kohlenstoffsenken, was zur Zerstörung von Ressourcen führt, die uns helfen könnten, die Erwärmung zu verlangsamen. Die Senkung der Emissionen bedeutet hauptsächlich die Senkung des Verbrauchs fossiler Energieträger, was in der Praxis überhaupt nicht auf der Tagesordnung steht! Was also tun? Viele Menschen glauben, dass es möglich wäre, ohne fossile Energieträger und Atomkraft auszukommen, wenn wir unseren Verbrauch reduzieren und unsere Geräte und Maschinen energieeffizienter machen würden.
Vielleicht könnte dies im Westen erreicht werden, indem wir unseren Verbrauch und unsere Nutzung drastisch reduzieren, d. h. dem Wachstum den Rücken kehren. Aber viele Länder brauchen Wachstum, um ihren Bevölkerungen zu helfen, aus der Armut herauszukommen, sich zu bilden, sich zu versorgen und zu ernähren; warum sollten diese Bevölkerungen nicht in der Lage sein, ein komfortableres Leben zu führen, selbst wenn sie weit von unseren westlichen Standards entfernt sind? Aus diesem Grund wird der weltweite Energieverbrauch nicht enorm sinken, zumal viel Energie benötigt wird, um der Welt zu helfen, sich an die verschiedenen Arten von Störungen anzupassen, die beispielsweise durch extreme Klimaereignisse verursacht werden. Denken Sie nur an die immensen Arbeiten, die erforderlich sind, um Städte vor steigenden Wasserständen zu schützen. Diese weltweiten Bedürfnisse nach Gerechtigkeit und Anpassung an die Folgen der Erderwärmung werden viel Energie erfordern, sodass eine radikale Senkung des Energiebedarfs nicht ausreicht, um die Grenzen der erneuerbaren Energien zu überwinden (u. a. unregelmäßige Sonnen- und Windenergie).
Wir müssen uns eingestehen, dass fossile Brennstoffe – die Hauptursache für Treibhausgasemissionen – noch immer unersetzlich sind. Auf Öl zu verzichten wird umso schwieriger, als es eine praktische und hyperkonzentrierte Energie ist. Wir verdanken unseren Lebensstil den billigen und leistungsstarken fossilen Energieträgern, die unsere Maschinen antreiben. Schauen Sie sich die Arbeitskraft an, die ein Traktor mit einem einzigen Dieseltank auf dem Feld einsetzt, und die enorme Menge an Arbeitern, die dadurch ersetzt werden. Ohne all diese Maschinen – und die Digitalisierung ist auch dank der Maschinen da – hätten wir eine andere Zivilisation in einer ganz anderen Welt. In Zukunft 80 % der fossilen Energieträger im Boden zu belassen, wäre zwar notwendig, aber nicht durchsetzbar: Man hätte viel früher damit beginnen müssen...
Die globale Erwärmung und ihre Folgen
Die Erderwärmung könnte allerdings noch schneller voranschreiten, als bisher angenommen! Eine genaue Modellierung zeigt, dass +2° aufgrund der bereits in der Atmosphäre vorhandenen Emissionen bereits 2040 erreicht wäre. Alles, was jetzt emittiert wird, fügt eine Schwierigkeit hinzu, sich nach 2040 bei +2° zu halten. +2°und sogar +3° sind bereits unvermeidlich und 3° im Durchschnitt bedeutet 5° auf den Kontinenten, d. h. eine Bodentemperatur, die in Südeuropa bei Hitzewellen bis zu 50° betragen kann. Selbst wenn es uns gelingt, die Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahren zu reduzieren (und das ist hypothetisch), wird unsere thermo-industrielle Zivilisation Folgen haben, die Jahrtausende andauern werden! Das Handeln der Menschen beeinflusst nun die Entwicklung des Planeten.
Bisher wurden die großen Umwälzungen auf unserem Planeten durch kosmische (und tellurische) Ereignisse hervorgebracht. Dies war bei den Eiszeiten und Zwischeneiszeiten in den letzten 1 Million Jahren der Fall. Wir befinden uns seit 12.000 Jahren in einer Zwischeneiszeit, dem sogenannten Holozän, und die Temperatur hat sich in dieser Zeit nur um ± 0,5° verändert! Die aktuelle Temperatur (+1,1°) ist der höchste Wert seit 1,2 Millionen Jahren. Dieser Anstieg bedeutet jedoch eine völlig unbekannte Veränderung der Artenvielfalt und des Klimas, die sich über Millionen von Jahren angepasst haben.
Neu für den Planeten ist, dass die Temperatur viel schneller steigt: Der CO2-Gehalt hat sich zehnmal schneller erhöht als bei den abrupten Ereignissen der letzten 800.000 Jahre. Die durch das Anthropozän ausgelösten Veränderungen bringen das Gleichgewicht der Biosphäre durcheinander und führen zu einem „dampfenden Planeten“. Die globale Erwärmung ist die Folge politischer Entscheidungen, die in Kenntnis der Sachlage getroffen wurden, aber die bio-geophysikalischen Beschleunigungen, denen das System Erde unterworfen ist, bringen den Planeten aus den bekannten Gleichgewichtszuständen heraus.
Kipppunkte von Ökosystemen: Auf dem Weg zum „dampfenden“ Planeten
Im Zusammenhang mit der Artenvielfalt der Tiere wird bereits vom sechsten Massenaussterben gesprochen. Lassen Sie uns die Risiken für den Menschen behandeln. Eine gute Darstellung des Problems liefert Gael Giraud:
„In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts werden die tödlichen Bedingungen von Hitze und Feuchtigkeit große Teile der Welt an hundert bis zweihundert Tagen im Jahr unbewohnbar machen; die Menschen werden viele Orte in Indien, Südostasien und Afrika verlassen müssen. Die Weltbank schätzt die Zahl der Klimaflüchtlinge in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf zwei Milliarden. Ich denke, dass dies immer noch sehr unterschätzt wird: Mindestens drei Milliarden Menschen werden migrieren müssen. [...] Das Lebendige wandert zu den Polen, und auch tropische Pandemien wandern, wie zum Beispiel die Malaria, die in Italien aufgetaucht ist. Die Weltbank beziffert die Zahl der Menschen, die im Jahr 2050 voraussichtlich an Malaria leiden werden, auf 5,2 Milliarden“[2].
Solche Umwälzungen sind direkt auf extreme und gleichzeitig häufigere Klimaereignisse wie Dürren, Regenfälle, Wirbelstürme und Hitzewellen zurückzuführen, die zahlreiche Auswirkungen auf Ernährung und Gesundheit haben. Diese Klimaereignisse selbst sind die Folge der Reaktionen unserer Ökosysteme unter dem Druck der Erwärmung, indem sie durch die Freisetzung von CO2 zu einer Beschleunigung der Erwärmung führen und die Funktionen der Kohlenstoffsenken verringern, was unmittelbar zu Eisschmelze und massiver Waldzerstörung führt. Der Wärmestau in den Ozeanen ist ein Zeichen dafür, dass sich die Erderwärmung beschleunigt. Die Ozeane absorbieren 93% der vom Menschen verursachten Erwärmung und 25% unserer Treibhausgasemissionen; diese riesige Kohlenstoffsenke wird durch die globale Erwärmung geschwächt.

Atmosphärische Flüsse
Es handelt sich um einen Korridor aus Wasserdampf und Wärme, eine Art atmosphärischer Fluss, der sich in sintflutartigen Regenfällen über die Antarktis ergießt und deren Schmelzen[3] beschleunigt.
Die Monsune sind und werden sich durch den Klimawandel verändern. Ereignisse wie die im August 2018 in Kerala, Indien (450 Tote, eine Million Flüchtlinge), werden sich verstärken. Tatsache ist, dass die globale Erwärmung den Unterschied zwischen der Oberflächentemperatur der Ozeane und der Temperatur an Land im Frühjahr verschärfen wird. Dies wird zu einer Verstärkung der Winde führen, die den Monsun mit sich bringen. Andererseits wissen wir auch, dass die wärmere Luft das Wasser besser speichert und daher die Niederschläge während dieser saisonalen tropischen Episoden intensiver ausfallen werden. Es handelt sich um ein Phänomen, das bereits in historischen Aufzeichnungen[4] beschrieben wird.
Der Jet Stream ist eine Strömung aus starken Winden, die in großer Höhe um den Nordpol zirkulieren, und ist in unseren Breitengraden für extreme Wetterereignisse verantwortlich. Die globale Erwärmung wird diesen Trend um 2050 stark verstärken, was zu wiederholten Hitzewellen und Überschwemmungen führen wird, wie wir sie in den letzten Jahren[5] erlebt haben.
Die Hadley-Zirkulation ist ein atmosphärisches Band, das aus Zellen besteht, die wie Laufbänder aussehen, 15 km hoch und fast 3000 km breit sind; sie sorgt für den Wärmeaustausch vom Äquator zu den Tropen in der Höhe. Am Äquator steigt feuchtwarme Luft auf, die sich in der Höhe abkühlt, was zu starken Regenfällen führt. Die trocken gewordene Luftsäule teilt sich in zwei Massen, die über den Äquator geschoben werden, bevor sie zum Boden abtaucht und heiße, trockene Luft mit sich bringt, die das spezifische Klima der Subtropen erzeugt. Auf ihrem Breitengrad befinden sich die größten Wüsten der Erde (wie die Sahara oder die Atacama). Mit der globalen Erwärmung haben sich die Hadley-Zellen ausgedehnt und neue Gebiete in ein trockenes, subtropisches Klima mit Wüstentrends verwandelt. Die Hadley-Zirkulation bewirkt eine Ausdehnung der subtropischen Zone und damit eine Zunahme der Dürreperioden, und das viel schneller als erwartet[6]. Dieses Phänomen ist nicht unschuldig an den gigantischen Waldbränden, und wir sind erst bei +1°.
El Niño ist eine der wichtigsten globalen Klimastörungen, die alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Seine Folgen sind weitreichend: Dürren und Überschwemmungen in weiten Gebieten, verheerende Wirbelstürme im Pazifikraum und ungewöhnlich hohe globale Temperaturen in den Jahren von El Niño. Studien aus dem Jahr 2018 zufolge werden die mit El Niño verbundenen Extremereignisse die bestehenden Risiken erhöhen und intensivieren: Sie werden voraussichtlich doppelt so häufig auftreten, ebenso wie die Extremereignisse im Zusammenhang mit dem Dipol[7] des Indischen Ozeans, der eine der Hauptursachen für die jüngsten australischen Brände ist.
Dürren in Ostaustralien, Indonesien, Indien, dem südlichen Afrika und Brasilien; Überschwemmungen an der Westküste Südamerikas, im äquatorialen Ostafrika und im Süden der USA; Ausbleichen von Korallenriffen; verheerende Wirbelstürme im Zentralpazifik: Weltweit neigt die Durchschnittstemperatur in den Jahren, die von diesen Episoden betroffen sind, zu ungewöhnlich hohen Werten.

Schlussfolgerungen
Die Hälfte der hier erwähnten Ökosysteme befindet sich bereits in der Logik des Umkippens. Anstatt einen Zustand zu beklagen, sollten wir nicht die Relevanz der Werte unserer mittlerweile globalen, industriellen Zivilisation in Frage stellen? Diese Werte führen zu einer Beziehung zur Welt, die verzerrt ist, da sie das Leben selbst bedroht. Wir müssen landen, wie der Philosoph Bruno Latour sagt, um den Überhang, in dem wir uns eingerichtet haben, zu verlassen und unseren Planeten auf andere Weise zu bewohnen.
Was kann man tun? Das ist die Frage, die sich sehr schnell aufdrängt. Bevor man über Lösungen spricht, muss man als Erstes die Dringlichkeit verstehen und sich davon betroffen fühlen auf der Grundlage gut recherchierter Information. Man kann sich der Dringlichkeit nur dann bewusst sein, wenn man auch objektiv weiß, warum die globale Situation derart dringend ist und das Risiko besser einschätzen kann. Also ein erstes Element einer persönlichen Ethik wäre, sich mit der Realität auf der Grundlage von zuverlässigen Informationen auseinandersetzen und sich dabei auch ihrer beängstigenden Wucht zu stellen.
Zweites Element: Wir dürfen uns nichts vormachen, wenn es um unser persönliches Verhalten geht. Wir haben nur einen geringen Einfluss auf die Reduzierung der Emissionen, maximal 10 %, wenn sich eine große Bevölkerungsmehrheit einer enormen Selbstdisziplin unterwerfen würde. Realistisch erreichbar wären aber bestenfalls 5 %. Aber man sollte sich dennoch auf solche Anstrengungen einlassen, was beispielsweise bedeutet, weniger zu konsumieren oder weniger zu fliegen. Das ist vor allem wichtig, um die eigenen Erfahrungen mit unserem Wissen um die Dringlichkeit eines ökologisch verantworteten Handelns in Einklang zu bringen. Wir legen auf diese Weise eine Art Zeugnis ab.
Drittes Element der persönlichen Ethik: Steigerung der politischen Weitsicht, denn es gibt zerstörerische Mächte und Systeme, es gibt Politiker, die trotz ihres zur Schau gestellten „Grünseins“ versagen; sie zu erkennen oder sogar anzuprangern hat eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Entscheidungen über Neuausrichtungen, die auf dem Weg zu einer Wirtschaft, die sich in Richtung Null-Emissionen entwickelt, zählen (Verkehr, Energie, Agrarökologie, Stadtplanung, Ernährung usw.). Es sind Entscheidungen, die auf der Ebene von Staaten und Staatengruppen getroffen werden.
Schließlich, und immer noch auf der Ebene der persönlichen Ethik: Wir sollten den Geist und das Denken für eine wünschenswerte gemeinsame Zukunft mobilisieren und den Wunsch nach einer anders lebenden Welt nähren. Dabei sollten wir die menschliche Fähigkeit zur Emergenz oder zu einer geistigen Weiterentwicklung nicht unterschätzen. Und vergessen wir nie: „Der Wald geht den Völkern voraus, die Wüste folgt ihnen“ (Chateaubriand).
* Vortrag (gekürzt), gehalten in der Abtei Ligugé im Februar 2020.
** Anthropozän, d.h. „Zeitalter des Menschen“, ist ein wissenschaftlicher Terminus, der besagt, dass die Aktivitäten des Menschen mittlerweile die Kraft haben, die Erde und ihre Entwicklung zu verändern.
[2] Vgl. G. Giraud, Vorwort zu: A. Pottier, Comment les économistes réchaufferent la planète (Anthropocène), Paris 2016.
[3] Vgl. http://www.cnrs.fr/sites/default/files/press_info/2019-10/.
[4] Vgl. J. Schewe u.a., "Multi-model assessment of water scarcity under climate change", Proceedings of the National Academy of Sciences, 111, 2014.
[5] Vgl. M. MANN, Der Jet Stream, ein Wetterverstärker", Pour la Science 503, 2019.
[6] Vgl. https://app.getpocket.com/read/2826932240.
[7] Der Dipol des Indischen Ozeans, auch bekannt als indischer El Niño, ist eine unregelmäßige Oszillation der Meeresoberflächentemperaturen, bei der der westliche Teil des Ozeans abwechselnd wärmer und kälter wird als sein östlicher Teil. Der Monsun in Indien wird im Allgemeinen durch diesen Temperaturunterschied zwischen dem Golf von Bengalen im Osten und dem Arabischen Meer im Westen beeinflusst.
Ökologische Klöster in Frankreich
6
Zeugnisse
Nathanaëlle Lefoulon OSB
Kloster Martigné-Briand (Frankreich)
Ökologische Klöster
in Frankreich
Im Februar 2017 wurde von der Abtei Maylis eine ungewöhnliche Einladung an etwa 15 Klöster ausgesprochen, die auf improvisierte Weise zustande kam: Es begann mit der Einladung gegenüber einem Kloster, das dann ein anderes einlud, das wiederum ein anderes einlud und so weiter. So trafen sich schließlich Olivetaner, Benediktiner, Zisterzienser und orthodoxe Nonnen auf dem Permakultur-Bauernhof Bec-Hellouin zu einer dreitägigen Sitzung rund um die ganzheitliche Ökologie. Viele Laien, die den Klöstern bei dieser Bewegung helfen wollten, schlossen sich uns an. Wir waren etwa fünfzig Teilnehmer!

Es war eine Gelegenheit für reiche Begegnungen und Gespräche, die von der Wirtschaftsprofessorin Elena Lasida, dem Assumptionisten Frère Dominique Lang, dem Franziskaner und Agrarwissenschaftler Hervé Covez und natürlich Charles und Perrine Hervé-Gruyer als den Besitzern des Hofes geleitet wurden. Das Thema unserer Diskussionen: Wie wir ökologische Fragen in unserem Leben, unseren Gemeinschaften und unseren Aktivitäten leben und entfalten können, ausgehend vom Beispiel von Charles und Perrine Hervé- Gruyer und inspiriert von der Enzyklika Laudato si'.
Wir fuhren mit Sternen in den Augen und voller Begeisterung nach Hause. Uns trieb die Frage um: Wie konnten unsere Gemeinschaften auf ihre Weise „Laboratorien für ganzheitliche Ökologie“ sein? Konnten unsere Klöster, die Paradebeispiele für ein Leben, in dem alles auf sinnvolle Weise miteinander verbunden und vereint sein sollte, nicht Archetypen von „Gemeinschaftshäusern“ sein, die der Welt zeigen, was sie global leben könnte? Die Schwierigkeit bestand darin, herauszufinden, wie man diesen schönen Enthusiasmus und diese Intuition weiterverfolgen sollte...
Damals schlug Simon, Elena Lasidas Student in Solidarischer und Sozialer Ökonomie, der seine Doktorarbeit darüber schreiben wollte, wie Klöster die Enzyklika von Papst Franziskus aufnahmen und diese Dimension der integralen Ökologie lebten, vor, sechzehn Klöster oder neue Gemeinschaften aller Konfessionen zu besuchen.
So kam es, dass Simon von April bis Juli 2018 seine Klosterbesuche durchführte – immer in Begleitung eines Bruders oder einer Schwester vor Ort – und anschließend mit diesem Bruder oder dieser Schwester zur nächsten Gemeinschaft weiterreiste. Während dieser „Besuche“ wurden Kreativität und Enthusiasmus, Unentgeltlichkeit, Gemeinschaft und Führung – diese großen Themen von Laudato si’ – in den vier konstitutiven Beziehungen der menschlichen Person, wie sie in der Enzyklika definiert werden, untersucht: Beziehung zu sich selbst, Beziehung zu anderen, Beziehung zur Natur und Beziehung zu Gott.
All diese Arbeit führte zu einem sehr schönen Treffen mit Simon und Elena Lasida im Karmel de la Paix in Mazille vom 21. bis 25. Januar 2019. Der Bruder oder die Schwester, die Simon begleitet hatten, und der Obere jeder besuchten Gemeinschaft waren dabei anwesend.
Im Laufe dieser Arbeitstage wurden drei Gleichgewichte in Verbindung mit den monastischen Gelübden herausgestellt:
1. Singular/Kollektiv: Gehorsamsgelübde.
2. Gratis/nützlich: Gelübde zur Bekehrung der Sitten.
3. Innen/Außen: Wunsch nach Stabilität.
Daraufhin nahm die Gruppe in Mazille den Namen „Communio Laudato si'
