Bericht des Oberentreffens
der kontemplativen Gemeinschaften
von Madagaskar und Indischer Ozean

Kloster Ampibanjinana, Mai 2019

Agnes Brugère OCSO
Priorat Ampibanjinana

 

Unser Treffen fand vom 7. bis 14. Mai im Zisterzienserinnenkloster Ampibanjinana in der Nähe der Stadt Fianarantsoa (Madagaskar) statt. Die Moderation lag in den Händen von Pater Louis-Martin Rakotoarilala, Assumptionist und Doktor des Kirchenrechts, und thematisch ging es um die päpstlichen Dokumente „Vultum Dei quaerere“ und „Cor orans“. Unsere Gruppe wollte dabei Statuten erarbeiten, welche dem Heiligen Stuhl vorgelegt werden sollen.

An unserer Versammlung nahmen teil:

– die Vorsitzende Sr. Agnes, Priorin der Zisterziensierinnen von Ampibanjinana.

– der erste Assistent P. Jean-Chrysostome, Prior des Zisterzienserklosters Maromby.

– der zweite Assistent P. Luc-Ange, Prior der Benediktiner von Mahitsy.

– Sr. Victoire, Priorin des Karmels von Fianarantsoa, Beraterin.

– Sr. Maria Goretti, Priorin der Klarissen von Ihosy, Beraterin.

– Sr. Martine, Priorin der Klarissen von Ampasipotsy.

– Sr. Jeanne, Priorin der Benediktinerinnen von Ambositra.

– Sr. Marie-Berthe, Priorin der Benediktinerinnen von Mananjary.

– Sr. Marie-Jeanne, Priorin der Benediktinerinnen von Joffreville.

– Sr. Mireille als Delegierte der verhinderten Sr. Magdalena, Priorin vom Karmel von Tana.

– Sr. Odette, Priorin des Karmels von Morondava.

– Sr. Carméla, Priorin des Karmels von Moramanga.

– Sr. Elisabeth, Priorin des Karmels von Tuléar.

– Sr. Ange-Daniella als Delegierte der verhinderten Äbtissin Miriam von den Klarissen von Antsirabe.

Einige Gemeinschaften, darunter die von den Inseln Réunion und Maurice, konnten in diesem Jahr nicht teilnehmen.

 

I. Ausbildung

Zu verschiedenen Zeiten erläuterte uns Pater Louis-Martin die Abschnitte der Apostolischen Konstitution Vultum Dei quaerere und vor allem die Instruktion zur praktischen Umsetzung Cor orans, die am 1. April 2018 veröffentlicht worden ist. Die Instruktion hat eine Reihe kirchenrechtlicher Unklarheiten behoben und uns damit beim Verständnis der Konstitution geholfen, welche für die kontemplativen Frauengemeinschaften Gesetzeskraft besitzt.

Gemeinsam sind wir die einzelnen Nummern von Cor Orans durchgegangen, worin die unterschiedlichen Zusammenschlüsse von Klöstern definiert werden, also Föderationen, Assoziationen, Kongregationen und Konferenzen, zu deren Bildung ermutigt wird. Dabei wurde uns klar, dass unser lockeres Klostertreffen, das in Madagaskar seit 2008 besteht, in Cor Orans unter Nr. 9 zu finden ist, wo es „Konferenz von Klöstern“ genannt wird.

 

II. Ausarbeitung unserer Statuten

Madagascar1Bevor wir an die weitere Bearbeitung unseres Statutenentwurfs gingen, lasen wir gemeinsam einen Brief des Apostolischen Nuntius Augustin Kasujja vom 12. Juni 2018, worin er uns zur Bildung einer „Union von Frauenklöstern“ ermutigte, denen ein von den Mitgliedsklöstern gewählter Ordensmann zur Seite steht. Der Brief nennt auch die Dokumente, welche bei der Religiosenkongregation zur Gründung einer solchen Union vorzulegen sind, vor allem die Zustimmung der einzelnen Klöster durch Kapitelsbeschluss und ein Entwurf der Statuten. Nach unseren Beratungen wurde dann an alle Anwesenden eine überarbeitete Neufassung der Statuten unserer Vereinigung ausgehändigt, welche den Namen tragen soll: „Klosterkonferenz des Indischen Ozeans“.

Diese Statuten sollen in einem nächsten Schritt den Kapiteln der Klöster vorgelegt werden, die über ihre Zugehörigkeit zur Klosterkonferenz abstimmen sollen. Die Abstimmungsergebnisse werden dann an die Vorsitzende weitergeleitet, die sie mitsamt den Statuten dem Heiligen Stuhl zur Approbation zukommen lässt. Die Begutachtung seitens der einzelnen Klöster lässt vielleicht Nachbesserungsbedarf erkennen. Diesen wollen wir bei unserem nächsten Treffen im Jahr 2020 besprechen. Wir werden die Statuten erst dann an den Heiligen Stuhl weiterleiten, wenn alle Gemeinschaften sich dazu äußern konnten.

Bei unserer Überarbeitung der Statuten ergab sich eine Vielzahl von Fragen. So bemühten wir uns um eine Klärung, welche Klöster sich der Konferenz anschließen können und welche Verpflichtungen damit verbunden sind. Besondere Aufmerksamkeit schenkten wir den Regeln für das Verlassen der Klausur, woran Cor Orans besondere Anforderungen stellt, was bei manchen Widerstände hervorrief. Dahinter stand die Frage, wie unsere „Klosterkonferenz des Indischen Ozeans“ sich entwickeln würde, falls wir sie durch eine Föderation ersetzen, wie sie Cor Orans nahelegt?

Madagascar2Darauf wollen die Artikel 1, 2, 4 und 7 unserer Statuten antworten: Ziel unserer Klosterkonferenz ist die Förderung des kontemplativen Lebens innerhalb der Klöster der Region und die Stärkung gegenseitiger Zusammenarbeit. Das kontemplative Leben besitzt unterschiedliche Charismen und die jeweilige Ausbildung hilft uns, unserer Berufung treu zu bleiben und uns gegenseitig zu unterstützen. Insgesamt sind wir nur wenige im gewaltigen Gebiet der jungen Kirchen. Auch unsere Gemeinschaften sind überwiegend jung und wir Priorinnen spüren nur zu deutlich, dass es noch an Ausbildung und Unterstützung fehlt. Wir verstehen unsere Zugehörigkeit zur Klosterkonferenz auch als Bekenntnis zur Einheit mit der Allgemeinen Kirche. In Artikel 2 werden die Dienste aufgezählt, welche die Konferenz für die Klöster leisten sollen.

In Artikel 7 wird festgelegt, dass die Mitgliedsklöster bei Versammlungen zu erscheinen haben. Wenn die Oberin verhindert ist, soll eine Vertreterin entsandt werden, damit die Verbindung zur Konferenz lebendig bleibt. Dabei ist uns bewusst, dass aus finanziellen Gründen die Reisen zwischen Madagaskar und den Inseln im Indischen Ozean nicht immer möglich sind. Daher können sich die Inseln durch eine in Madagaskar wohnhafte Nonne vertreten lassen.

Es schien sinnvoller, in den Statuten den Zeitpunkt der Treffen nicht festzulegen. Zur Zeit treffen sich die Oberinnen jährlich, aber in Zukunft könnte man auch zu einem Zweijahresrhythmus übergehen. Je nach Notwendigkeit und Anliegen sollen die Mitglieder der Konferenz selbst darüber entscheiden, wann und wie häufig sie sich treffen wollen.

Während unserer Besprechungen über Rechte und Pflichten der Mitgliedsklöster schien es uns wichtig, dass wir klar daran erinnern, dass nicht nur die Oberinnen zu den Treffen erscheinen, sondern auch die sonstigen Angehörigen der Klöster sich zu den angebotenen Kursen der Konferenz anmelden. Diese Weiterbildungskurse sind zwar freiwillig, aber eine aktive Teilnahme der angesprochenen Schwestern und Nonnen ist für das Gedeihen der Konferenz unerlässlich.

In Artikel 22 benennen wir, wie vom Kirchenrecht vorgeschrieben, als assistierende Priester der Konferenz die jeweiligen Oberen der Benediktiner von Mahitsy und der Zisterzienser von Maromby, welche unsere Treffen von Beginn an begleiten. Da sie gleichfalls kontemplativ ausgerichtet sind, liegt ihre Wahl auf der Hand.

Sehr dankbar waren wir für die kirchenrechtliche Beratung durch Pater Louis-Martin, der uns bei der Ausarbeitung unserer Statuten beratend zur Seite stand.

 

III. Austausch über verschiedene Themen und Zukunftspläne

Wir diskutierten auch über das weitere Vorgehen. Dabei einigten wir uns darauf, dass Cor Orans noch vertieft behandelt werden sollte. Manche Punkte konnten wir noch nicht besprechen, vor allem das Thema der Neugründung und ihrer kanonischen Errichtung, Ausbildung und soziale Medien. Wir baten daher Pater Louis-Martin, im kommenden Jahr mit uns die Lektüre von Cor Orans weiterzuführen und uns bei der Ausarbeitung von Verfahrensvorschriften unserer Konferenz zu helfen. Ein Arbeitsausschuss wird einen Entwurf zusammenstellen, der bei unserem Treffen im Jahr 2020 diskutiert werden soll. Dabei werden auch Änderungswünsche hinsichtlich der Statuten besprochen, die von den einzelnen Gemeinschaften kommen. Unser nächstes Treffen findet vom 27. April bis 4. Mai 2020 wieder in Fianarantsoa statt.

Um die Zusammenarbeit unserer Klöster weiter zu verstärken, wurden folgende Vorschläge gemacht:

– Am Jahresende soll jede Gemeinschaft mit den üblichen Neujahrswünschen der Vorsitzenden Schwester Agnes auch einen Bericht über Jahresexerzitien und Vorträge der Gemeinschaft zukommen lassen, einschließlich der Namen der Referenten, damit die anderen Gemeinschaften davon vielleicht profitieren können. Sr. Agnes sammelt diese Informationen und lässt sie im Januar allen Gemeinschaften zukommen.

– Ähnlich können Gemeinschaften Nachrichten über wichtige Ereignisse über Schwester Agnes mit den anderen Klöster teilen.

– Manchmal gibt es Talente in den Gemeinschaften, die man teilen könnte, beispielsweise im Bereich Gesang. Das würde natürlich bedeuten, dass eine Schwester einige Zeit in einer anderen Gemeinschaft verbringen würde.

– Für 2021 und 2022 wurde eine gemeinsame Ausbildungseinheit für junge Ewige Professen angedacht. Dafür wurden als Themen vorgeschlagen: die Gelübde, Beharrlichkeit, Bewältigung von Krisen, Freiheit und rechtes Maß bei den Kommunikationsmitteln, die Bedeutung des inneren Lebens.

– Mutter Marie-Jeanne von Joffreville (Madagaskar) hat ein Treffen für Oberinnen oder junge Schwestern in ihrem Kloster vorgeschlagen. Dies könnte zusätzlich eine Gelegenheit darstellen, bei den Christen dieser nördlichen Diözese das Ordensleben für das Ordensleben zu werben, das in diesem wenig christianisierten Landesteil wenig bekannt ist. Mutter Odette vom Karmel Morondava (Madagaskar) hat geäußert, dass es in ihrer westlichen Region ähnlich aussieht und sie gleichfalls in ihrem Kloster ein solches Treffen wünsche. Wir verstehen die Nützlichkeit, durch solche Treffen diese abgelegenen Klöster moralisch zu unterstützen, aber andererseits muss man auch die langen Reisewege und -kosten berücksichtigen. Auf jeden Fall würdigen wir die Bemühungen dieser zwei Oberinnen, die weite Entfernungen auf schlechten Wegen zurücklegen, um sich jährlich mit uns zu treffen.

Alle Teilnehmer haben der AIM einen aufrichtigen Dank ausgesprochen, die unsere Treffen finanziell unterstützt. AIM sponsort auch einen Ausbilderkurs, der vom 19. bis 26. September in Maromby stattfinden wird. Zunächst wird die Franziskanerin Schwester Marie Florence eine Kurseinheit zur geistlichen Begleitung halten (19.-22. September) und anschließend wird der Jesuit Pater Georges über die geistliche Unterscheidung sprechen (23.-26. September). Bislang sind schon über vierzig Anmeldungen eingegangen.

 

IV. Einladung zu einem Treffen der kontemplativen Ordensleute mit Papst Franziskus am 7. September 2019

Bei unserem Treffen tauschten wir uns auch intensiv dazu aus, wie wir auf eine Einladung der Bischofskonferenz von Madagaskar reagieren sollten. Darin wurden alle kontemplativen Ordensfrauen in Madagaskar eingeladen, dem Heiligen Vater am Morgen des 7. Septembers im Karmel Ampasanimalo in Tananarive zu begegnen.

Wir wollen mit insgesamt 130 Ordensfrauen und sieben Postulantinnen, falls diese verfügbar sind, zu diesem Treffen kommen. Seitens der Ordensfrauen wird Mutter Magdalena, die Priorin des Karmels, das Begrüßungswort sprechen, worauf der Papst mit einer Ansprache erwidern wird. Es folgt ein gemeinsames Mittagsgebet. Die Liturgie ist seitens des Vatikans schon vorbereitet worden. Wir werden frühmorgens im Kloster eintreffen, um sie gemeinsam durchzuproben. Nach dem Protokoll ist die Übergabe von Geschenken nicht erlaubt. Wir haben aber dennoch eine Geldsammlung veranstaltet, wonach jedes Kloster 7000 Ariary (ca. 1,75 Euro) zu entrichten hat. Die Schwestern vom Karmel in Tulear werden eine Stickkarte entwerfen, worin jedes unserer Klöster vermerkt ist. Die Schwestern von Ambositra werden eine Bambuskarte erstellen, worin wir uns alle namentlich eintragen wollen. Sicher wird der Sekretär des Papstes diese Geschenke nicht abschlagen.

Am Schluss wollen wir allen danken, welche an unserer Begegnung teilgenommen haben.