Communio Internationalis Benedictinarum

Thérèse-Marie Dupagne OSB
Priorin von Kloster Notre-Dame d’Hurtebise (Belgien)

 

Unter den neueren Entwicklungen in der Welt der Benediktinerinnen seien folgende Ereignisse des vergangenen Jahres hervorgehoben.

Beim letzten Symposium der CIB im September 2018 in Rom gab es einen Wechsel im Amt der Moderatorin und bei einem Teil des Verwaltungsrat. Auf Sr. Judith Ann Heble folgte als neue Moderatorin Sr. Lynn McKenzie.

Viel Aufmerksamkeit beanspruchte natürlich die römische Verlautbarung Cor Orans, für die man einige Energie braucht, um zu entscheiden, wie man darauf am Besten reagieren kann. Der dort enthaltene Aufruf zu einer intensiveren Zusammenarbeit durch Zusammenschlüsse ist sicher eine frohe Botschaft, vor allem für isolierte Klöster. Andererseits muss man sehen, dass bereits viele Klöster in verschiedenen Netzwerken zusammengeschlossen sind, die in unterschiedlichen Abstufungen juristisch definiert sind und unterschiedlich eng oder effizient zusammenarbeiten.

Auch wenn die Weisung, dass die Klöster sich zusammenschließen oder bestehenden Kongregationen affilieren sollen, hilfreich ist, muss man sich fragen, ob nicht für viele sehr geschwächte Klöster der Zug schon abgefahren ist? Gibt es gerade in der nördlichen Hemisphäre ausreichend Gemeinschaften, welche schwächeren Klöstern beistehen können, selbst wenn es sich dabei nur um bescheidene Hilfeleistungen handelt? Auf jeden Fall wäre es sehr riskant, wenn Rom von sich aus bestimmte Gemeinschaften bestehenden Kongregationen einfach zuweist, ohne dass die Beteiligten sich dazu äußern dürften.

Gegenüber dem Vorschlag, sich in Föderationen zusammenzuschließen, besteht bei den Benediktinerklöstern eher die Neigung, Kongregationen zu gründen. Dort gibt es eine Präsidentin mit ihrem Rat und ein Generalkapitel, während bei Föderationen die Autorität zwischen einer Generalversammlung, einer Präsidentin und verschiedenen Ortsbischöfen aufgeteilt wäre.

Die meisten Klöster haben inzwischen bereits Initiative ergriffen: Einige überarbeiten gerade ihre Föderations- oder Kongregationsstatuten, damit sie den Weisungen von Cor Orans besser entsprechen. Manche Frauenklöster verstärken ihre Einbindung in Männerkongregationen, mit denen sie affiliert sind. Diese Strategie bringt die Gefahr eines gewissen Klerikalismus lauert, auch wenn viele Kongregationen sich dieser Tendenz zu widersetzen versuchen. Einige Gemeinschaften haben bei den Männerkongregationen, denen sie bisher nur locker assoziert waren, angefragt, ob eine Inkorporation möglich wäre.

Manche Föderationen, z.B. in Italien und Spanien, befanden sich bereits in einem Umwandlungsprozess in Richtung einer Kongregation und führen nun ihren Kurs einfach weiter, indem sie die schon vorbereiteten Konstitutionen den Weisungen von Cor Orans anpassen.

Wieder andere Gemeinschaften wollen einen klaren Neuanfang setzten. So machen es beispielsweise elf europäische Klöster, die beschlossen haben, sich zu einer neuen Frauenkongregation zusammenzuschließen.

Dagegen stehen geographisch isolierte Klöster vor erheblichen Herausforderungen. In Ländern wie Sri Lanka lassen sich kaum ausreichend Klöster für eine Föderation oder Kongregation finden. Kurz, es braucht Kreativität, um je nach Situation angemessene Lösungen zu finden.

Ein großes Fragezeichen ist mit der erheblichen Verlängerung der Ausbildungszeit verbunden. Nach den jeweiligen Konstitutionen besteht bereits die Möglichkeit, die Probezeiten zu verlängern. Doch gerade im Westen scheint eine generelle Verlängerung der Probezeit unbefriedigend, da ja die Kandidatinnen meist schon in fortgeschrittenem Alter eintreten. Hier wäre eine ausgewogene Lösung wirklich wünschenswert.

Ein weiterer Punkt beunruhigt die kleinen Gemeinschaften. Eine ganze Reihe von ihnen gehört zwar zu Kongregationen, besteht aber nur aus wenigen Mitgliedern (und das schon seit langer Zeit). Sie haben Angst, dass sie aufgrund der geringen Mitgliederzahl schließen müssen, obwohl sie für sich eine befriedigende Lebensform gefunden haben, die in Richtung Skite oder Cella geht. Ihr Lebenszeugnis ist authentisch monastisch und strahlt auch in die Umgebung aus.

Auch die Regelung, dass innerhalb von 15 Jahren über die Autonomie oder Schließung einer Gemeinschaft zu entscheiden ist, wirkt sehr kurzfristig. Man könnte auch fragen, warum diese Regel nur für Frauengemeinschaften gelten soll?

Dagegen ist das Thema Klausur, das bei der Herausgabe des Fragebogens vor vier Jahren seitens der Religiosenkongregation die Gemüter aufrührte, kein sonderliches Problem. Die Gemeinschaften können selbst über diese Frage entscheiden.

Im Großen und Ganzen können sich die Benediktinerinnen ohne Weiteres im Artikel 9 von Perfectae Caritatis erkennen, wo die „ehrwürdige Einrichtung des monastischen Lebens“ genannt wird, dagegen sehen sie sich missverstanden durch Artikel 7, wo die Rede ist von „Instituten, die gänzlich auf die Kontemplation hingeordnet sind“. Die Klöster bedauern die ständige Vermischung dieser unterschiedlichen Realitäten.

Offensichtlich wird in Zukunft die Struktur von CIB weiter entwickelt werden. Diese besteht zur Zeit aus 19 geographisch gebildeten Regionen, wird aber demnächst mit Klöstern zu tun haben, die alle in Kongregationen und Föderationen zusammengeschlossen sind. Andererseits hat sich gezeigt, dass für eine Weltorganisation auch eine Organisation nach regionalen Kriterien nötig ist, da die Problemfelder sich nun einmal nach Kulturkreisen unterscheiden.

Für CIB ist die Mitarbeit von Sr. Scholastika Häring eine große Bereicherung. Ihre Dissertation befasste sich mit der Geschichte von CIB und dem Recht der Benediktinerinnen. Die deutsche Arbeit ist bereits ins Englische übersetzt worden und zur Zeit suchen wir noch jemand für eine Übersetzung ins Französische.

Bei der Eröffnung unseres Symposiums wies Abtprimas Gregory Polan in seinem Grußwort auf die zahlreichen Missbrauchsskandale hin, welche zur Zeit die Kirche erschüttern. Wir waren ihm für solche klaren Worte dankbar. Denn auf manchen Kontinenten sind gerade Ordensfrauen Opfer von Missbrauch. Wir sind froh, dass das Problem endlich beim Namen genannt wird und Kontrollmechanismen eingeführt wurden. Wir fürchten freilich, dass noch viele derartige Fälle ans Tageslicht kommen werden. Während die Männerklöster sich gelegentlich damit auseinandersetzen müssen, dass ein oder mehrere Mitglieder missbräuchlich gehandelt haben, haben Frauenklöster eher das Problem, dass bei ihren Mitgliedern seelische Verwundungen durch lang zurückliegenden Missbrauch aufbrechen und Heilung brauchen. Darüber müsste noch mehr nachgedacht werden.

Anlass zur Hoffnung geben Überlegungen zur Gastfreundschaft, welche uns einige neue Teilnehmer am Symposium mit auf den Weg gegeben haben. Sie haben uns die schwierigen politischen Verhältnisse beschrieben, welche in vielen Ländern der Erde bestehen, und klargestellt, dass für sie und ihre Gemeinschaften die Konsequenz darin besteht, auf der Seite der Armen zu stehen und zwar mit Mut und Klugheit. Dabei drückten sie ihre Sehnsucht aus, mitten in der Welt zu Zeuginnen der Hoffnung zu werden.

Schließlich werfen die Veröffentlichung von Cor Orans, die Missbräuche, die in manchen Ländern gegenüber Ordensfrauen verübt werden und der Weltjugendtag jeweils auf ihre Art die Frage auf, wo eigentlich der Ort der Frau in der Kirche ist? Hier liegt zweifellos noch ein weiter Weg vor uns, um ein neues Mönchtum in einer neuen Kirche aufzubauen.